Negativ

Bundeskartellamt spricht sich gegen Ruhrgas-Erwerb durch E.ON aus

Würde E.ON eine Mehrheitsbeteiligung an der Essener Gelsenberg AG und damit an Ruhrgas erwerben, könne das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung beim Absatz von Strom und Gas noch verstärken. Aus diesem Grund ist das Bundeskartellamt nicht einverstanden und verlangt wettbewerbsverbessernde Maßnahmen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Nach Einschätzung des Bundeskartellamtes führt der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Essener Gelsenberg AG durch die E.ON AG (Düsseldorf) zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen sowohl beim Absatz von Gas als auch beim Absatz von Strom. Kartellamtspräsident Ulf Böge: "Die Abmahnung ist noch keine Entscheidung. Aber sie ist die Mitteilung an die Unternehmen, dass nach der Analyse des Bundeskartellamtes die Verbindung von E.ON und Ruhrgas in einer Phase beginnender Liberalisierung auf den Gasmärkten einerseits zu einer Zementierung der marktbeherrschenden Stellung der Ruhrgas führt. Damit werden die Chancen für wirksamen Wettbewerb durch andere Ferngasunternehmen von vornherein deutlich verschlechtert. Andererseits wird die Marktposition von E.ON auf der Stromseite weiter abgesichert, was sich zu Lasten kleiner Wettbewerber und damit auch der Verbraucher auswirken kann."

Ruhrgas ist das größte deutsche Ferngasunternehmen. Selbst auf einem nationalen Markt, der nach Auffassung des Bundeskartellamtes wegen des fehlenden Durchleitungswettbewerbs im Gasbereich nicht zugrundegelegt werden kann, hätte das Unternehmen einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent. Daneben besitzt die Ruhrgas als einziges Ferngasunternehmen einen überragenden Zugang zu allen für die Belieferung Deutschlands in Frage kommenden Gasförderquellen (Norwegen, Russland, Niederlande, Großbritannien, einheimische Quellen). Sie verfügt über das ausgedehnteste Ferngasleitungsnetz und die mit Abstand höchsten Speicherkapazitäten, die für die Regulierung von Absatzschwankungen bedeutend sind. Auf der Ferngasstufe führe die Verbindung von Ruhrgas und E.ON zu einer strukturellen Sicherung des Absatzes der Ruhrgas an E.ON-Konzern- und Beteiligungsunternehmen und damit zur Verstärkung ihrer marktbeherrschenden Stellung, urteilt das Bundeskartellamt. Ruhrgas erhält die Chance, diesen Anteil durch bevorzugte Berücksichtigung beim Neuabschluss von Gasbezugsverträgen weiter auszubauen. Die E.ON-Konzernunternehmen im Leitungsgebiet der Ruhrgas (z.B. Avacon AG, Schleswag AG, Heingas Hamburger Stadtwerke GmbH und Gelsenwasser AG) verstärken ihre marktbeherrschenden Stellungen bei der Belieferung von letztverbrauchenden Gasgroßkunden und lokalen Gasweiterverteilern (Stadtwerken), da sie nach der Fusion nicht mehr mit potentiellem Wettbewerb der Ruhrgas rechnen müssen.

Im Strombereich würde das Zusammenschlussvorhaben ebenfalls zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen führen. Erdgas wird in Kraftwerken zunehmend als Primärenergie zur Stromerzeugung eingesetzt. Ein maßgeblicher Einfluss auf den Primärenergie-Lieferanten Ruhrgas würde die marktbeherrschende Stellung von E.ON und RWE auf den bundesweiten Märkten für die Belieferung von industriellen/gewerblichen Stromkunden sowie für die Belieferung von weiterverteilenden Stromregionalversorgungsunternehmen und Stadtwerken verstärken.

Die Unternehmen haben vor einer endgültigen Entscheidung Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 7. Dezember 2001. Sie haben die Möglichkeit wettbewerbsverbessernde Maßnahmen vorzuschlagen, mit denen die Bedenken des Bundeskartellamtes ausgeräumt werden können.

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