Aufklärung gefordert

Bundesamt bestätigt Laugen im Salzstock Gorleben

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat Laugenzutritte in den Gorlebener Salzstock bestätigt. Das Vorkommen von Lösungen sei aber schon lange bekannt und auch in Verzeichnissen dokumentiert, sagte am Montag ein BfS-Sprecher. Die Grünen und Bürgerinitiativen verlangen Aufklärung über die Vorfälle.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben (ddp-nrd/sm) - Sämtliche in den bisher erkundeten Teilen des Salzstocks aufgetretenen Laugen hätten nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nur "ein begrenztes Volumen" und keinen Kontakt zum Grundwasser.

Seitdem Medien die Laugenzuflüsse am vergangenen Wochenende öffentlich gemacht hatten, verlangen Grüne und Bürgerinitiativen vollständige Aufklärung. Das bundesweite Anti-Atom-Netzwerk "ausgestrahlt" forderte den Verzicht auf den Endlagerstandort Gorleben. "Gorleben ist als Atommüll-Endlager ungeeignet", sagte Sprecher Jochen Stay. Es gebe in Gorleben nicht nur Laugenzuflüsse in den Bergwerksstollen, der Salzstock habe auch direkten Kontakt zum Grundwasser.

BfS: Sicherheitsanalytische Bewertung nötig

Dem BfS zufolge sind die Laugen in Gorleben nicht mit Zuflüssen aus dem Deckgebirge wie im Atommülllager Asse zu verwechseln. Es müsse aber bedacht werden, dass in Gorleben nach dem Ausfließen von Lösungen gegenwärtig noch verschlossene Wege zum Nebengestein und Deckgebirge neu geöffnet werden könnten. "In einem solchen Fall wäre die Gefahr weiterer Lösungszutritte nicht auszuschließen", sagte ein Sprecher des Bundesamtes. Deshalb sei auch eine sicherheitsanalytische Bewertung aller Lösungsvorkommen notwendig.

Laugenvorkommen seien in Gorleben bereits zu Beginn der Erkundung des Salzstocks Ende der 1970er Jahre aufgetreten, erklärte das BfS weiter. Auch beim Bohren der Schächte und der untertägigen Erkundung des Salzstocks habe es Lösungszutritte gegeben. Nur an einer Stelle des Grubengebäudes seien jedoch mehr als 100 Kubikmeter Lösung zugeflossen.

Gorleben ist ein möglicher Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Der Salzstock wird bereits seit Ende der 1970er Jahre auf seine Tauglichkeit untersucht. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten unterbrochen, das Moratorium gilt für höchstens zehn Jahre. Während die Energiewirtschaft, Union und FDP auf eine Fortsetzung der Arbeiten drängen, wollen SPD und Grüne auch andere Standorte prüfen lassen. Das BfS betreibt das Erkundungsbergwerk Gorleben sowie die Atommülllager Asse und Morsleben.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Atommüll

    Behörde: Atommüll-Zwischenlager sind über Laufzeit hinaus sicher

    Die Suche nach einem Endlager für Atommüll wurde gerade erst neu aufgerollt, erst 2031 soll planmäßig ein Standort bestimmt werden. Die Laufzeit der Zwischenlager endet aber in den 2030er Jahren. Laut dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit sind die Lager aber auch darüber hinaus weiterhin sicher.

  • Atommüll

    Bundestag winkt Endlager-Gesetz durch

    Um neue Kriterien für die Suche nach einem Atommüll-Endlager zusammenzustellen, berieten Wissenschaftler, Umweltschützer und Politiker über Jahre hinweg. Der Bundestag winkte ein aktuelles Regelwerk für den künftigen Standort durch.

  • Strom sparen

    "Spiegel": Asse war als Endlager ausgewiesen

    Das einsturzgefährdete Atommülllager Asse II hat der Energiewirtschaft offenbar bis in die 1980er Jahre hinein als Entsorgungsnachweis für radioaktiven Müll gedient und galt nun vorgelegten Unterlagen zufolge als "Versuchsanlage" für das geplante Endlager Gorleben. Offiziell wurde die Asse immer als Forschungsanlage deklariert.

  • Stromtarife

    Asse-Streit: Forschungsministerium widerspricht Fernsehbericht

    Der Streit um die Verursacher der radioaktiven Abfälle im Atommülllager Asse ist weiter eskaliert. Das Forschungsministerium wies Vorwürfe des ARD-Magazins "Panorama" zurück, die Herkunft des dort eingelagerten schwach- und mittelradioaktiven Mülls verschleiert zu haben.

  • Strompreise

    Magazin: Behörden verschleiern Herkunft des Atommülls in der Asse

    Bundes- und Landesbehörden haben nach Recherchen des ARD-Magazins "Panorama", das am heutigen Donnerstag gesendet wird, die Herkunft der 126.000 Fässer schwach- und mittelradioaktiven Materials im Atommülllager Asse jahrelang verschleiert.

Top