Preissteigerungen

Branchenverband will Wassermonopol bewahren

Dass die Wasserpreisentwicklung unterhalb der Inflationsrate liegt, nimmt der Branchenverband BDEW zum Anlass, Forderungen nach einer einheitlichen Ausschreibung der Wasserkonzessionen zurückzuweisen.

Wasserhahn© George Dolgikh / Fotolia.com

Dass die Wasserpreisentwicklung unterhalb der Inflationsrate liegt, nimmt der Branchenverband BDEW zum Anlass, Forderungen nach einer einheitlichen Ausschreibung der Wasserkonzessionen zurückzuweisen. Das Problem: Der Markt weist quasi-feudale Strukturen auf, die Preisunterschiede betragen teils mehrere hundert Prozent.

Verband will keine allgemeine Ausschreibung

Die Trinkwasserpreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 1,0 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Steigerung der Lebenshaltungskosten betrug in 2011 insgesamt 2,3 Prozent. Das teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Dienstag auf der 11. Wasserwirtschaftlichen Jahrestagung in Berlin mit. Die "sehr moderate" Preisentwicklung zeige, dass eigentlich nichts im Markt geändert werden müsse, so die Haltung der Wasserwirtschaft. Wulf Abke vom BDEW nahm die Zahlen zum Anlass, erneut auf die ablehnende Haltung des Verbands im Hinblick auf ein einheitliches Ausschreibungsverfahren hinzuweisen. Dieses würde "den Gestaltungsspielraum der Städte und Gemeinden und damit die kommunale Selbstverwaltung nicht in entsprechendem Maße berücksichtigen".

Kartellrecht beeindruckt die Versorger überhaupt nicht

Die Wasserwirtschaft vertraut darauf, dass die Kommunen die Satzungen, auf denen die Wasserpreise basieren,  schon ausreichend kontrollieren werden. Weil es sich bei den Wasserversorgern um kommunale Unternehmen handelt, fühlt sich die Wasserwirtschaft auch nicht an das Kartellrecht gebunden. Deswegen gab es beispielsweise im Juni Streit, als das Kartellamt die Berliner Wasserbetriebe, den größten deutschen Wasserversorger, zu einer Preissenkung zwingen wollte.

Wassermarkt hat immer noch monopolistische Strukturen

Der Wassermarkt wird nach wie vor von wenigen Monopolisten kontrolliert, aber eben nicht von der Privatwirtschaft, sondern von Städten und Gemeinden, denen die kommunalen Versorger fast immer mehrheitlich gehören. Anders als der Strom- und Gasmarkt ist der Wassermarkt noch nicht liberalisiert, er sei "eines der letzten Monopole in Deutschland", so Kartellamtspräsident Mundt. Zwischen den rund 6200 deutschen Wasserversorgern gibt es Preisunterschiede von teilweise mehreren hundert Prozent. Die Unternehmen begründen die exorbitanten Preisunterschiede mit besonderen topografischen bzw. geologischen Verhältnissen oder auch einer unterschiedlichen Siedlungsstruktur.

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
  • 500 Euro

    Verbraucherpreise legten 2017 um 1,8 Prozent zu

    Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent gestiegen, mehr als in den letzten fünf Jahren. Für die Teuerung sind vor allem höhere Preise bei Nahrungsmitteln, Mieten, Sprit und Heizöl verantwortlich.

  • Stadtbus

    Bus und Bahn: Nicht überall wird es teurer

    Die Fahrt mit Bus und Bahn wird in vielen Regionen teurer. Im bundesweiten Schnitt liegt die Teuerung bei etwa zwei Prozent. In einigen Städten und bei bestimmten Fahrkarten trifft das aber glücklicherweise nicht zu.

  • Geld

    Baukosten sind um über 27 Prozent gestiegen

    Wie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) jüngst in Berlin mitteilte, seien gestiegene Baukosten neben den hohen Energiepreisen ein weiterer maßgeblicher Treiber für immer höhere Mieten.

  • Wasser

    Wo das Trinkwasser derzeit am teuersten ist

    Der Interessenverband der mittelständischen Wirtschaft hat mitgeteilt, wo man in Deutschland derzeit am meisten für das Trinkwasser zahlt und welche Versorger ihre Preise kürzlich besonders deutlich angehoben haben. Auch die fünf billigsten Städte im Hinblick auf die Wasserpreise hat der Verband genannt.

  • Ökostrom

    Ökostrom-Anteil übersteigt erstmals 25 Prozent

    Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung ist im ersten Halbjahr 2012 erstmals über die 25-Prozent-Marke geklettert. Mit insgesamt 67,9 Milliarden Kilowattstunden deckten Wind, Biomasse und Co. in den ersten sechs Monaten gut ein Viertel des deutschen Strombedarfs.

Top