Jubiläum

bne zu sechs Jahren Stromwettbewerb: Abzockerei geht weiter

Der Bundesverband Neuer Energieanbieter ist auch nach sechs Jahren Wettbewerb mit der Situation auf dem deutschen Energiemarkt unzufrieden: Die Strompreise seien zu hoch und dem "Wucher" bei den Netznutzungsentgelten seien nach oben keine Grenzen gesetzt. Der Verband hofft nun auf die Wettbewerbsbehörde.

30.04.2004, 12:24 Uhr
Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Ziemlich genau vor sechs Jahren wurde der deutsche Energiemarkt für den Wettbewerb geöffnet. Zu feiern gibt es aber laut Bundesverband Neuer Energieabnehmer (bne) nichts: Die Situation für Verbraucher und neue Marktteilnehmer sei mehr als unbefriedigend.

Grund: Die Preise steigen und für private Haushalte gibt es kaum noch alternative Anbieter. Trotz anders lautender Ankündigungen der Netzbetreiber gehe zudem der Preistrend bei den Entgelten für die Nutzung der Leitungsnetze nach oben. Mehr als 100 Netzbetreiber hätten in 2004 ihre Netznutzungsentgelte erhöht. Als Beispiele nennt der bne die Regionalversorger Mark E und HEAG mit Preiserhöhungen von mehr als 14 Prozent bzw. 13 Prozent für Haushaltskunden.

"Mir ist absolut unverständlich, wie die Kosten von einem Jahr auf das andere um mehr als zehn Prozent steigen können und das bei dem allgemeinen Personalabbau und anderen Sparmaßnahmen", schimpft Dr. Henning Borchers vom Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne). Hauptursache für den "Wucher" bei der Kalkulation der Netzentgelte ist seiner Meinung nach die Verbändevereinbarung: "Es gibt keine Grenze nach oben, die Gestaltungsspielräume der Netzbetreiber bei der Kalkulation sind so groß, dass sie praktisch jedes Ergebnis rechtfertigen können."

Der bne befürchtet, dass die Preistreiberei weitergeht, solange die bevorstehende Regulierungsbehörde ihre Arbeit nicht aufnimmt. Der Verband fordert die Regierung dringend auf, im aktuellen Gesetzgebungsverfahren nicht auf die Kalkulationsmethoden der Verbändevereinbarung zurückzugreifen. Der gegenwärtige Zustand auf dem deutschen Energiemarkt beeinträchtige die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland und beschleunige den Arbeitsplatzabbau in Deutschland, so der bne.

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