Stellungnahme

BDI: Industrieländer können Klimawandel nicht allein bekämpfen

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat einseitigen Klimaschutzanstrengungen eine Absage erteilt. Es sei in Ordnung, die Funktion eines Schrittmachers auf Seiten der Industrieländer zu übernehmen, doch alleine vorneweg zu laufen brächte nichts, so BDI-Geschäftsführer Schnappauf.

06.04.2010, 11:11 Uhr
Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - "Solange es kein globales Abkommen gibt, liegt es auf der Hand, dass einseitiges Vorauseilen nichts bringt, weder für den Klimaschutz noch für die Arbeitsplätze", sagte BDI-Geschäftsführer Werner Schnappauf am Dienstag der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Grundsätzlich gelte: "Schrittmacher ja - als Einziger vorauseilen nein".

Die von der Bundesregierung geplante Klimakonferenz Anfang Mai in Bonn bezeichnete Schnappauf daher als "guten und richtigen Schritt". Nach dem Klimagipfel von Kopenhagen sei ein Neustart erforderlich. Auf Einladung Deutschlands treffen sich vom 2. bis 4. Mai Umweltminister aus knapp 50 Staaten zu Beratungen in Bonn. Ziel des "Petersberger Klimadialogs" ist die Vorbereitung der nächsten Vertragsstaatenkonferenz Ende des Jahres in Cancún in Mexiko.

Schnappauf erinnerte daran, dass die Industriestaaten den Klimawandel allein nicht bekämpfen könnten. Deutschland habe seinen Kohlenstoffdioxid 2008 nach 18-jährigen Bemühungen um 172 Millionen Tonnen gegenüber 1990 reduziert. China hingegen habe in einem einzigen Jahr - von 2007 bis 2008 - seine Emissionen um 424 Millionen Tonnen gesteigert. "Das heißt: Was Deutschland in fast zwei Jahrzehnten für den Klimaschutz getan hat, das hat China in weniger als einem halben Jahr ausgeglichen", sagte Schnappauf.

Zugleich machte Schnappauf deutlich, dass die exportstarke deutsche Industrie "höchst interessiert an verlässlichen international gültigen Rahmenbedingungen" sei. Mit Blick auf die gescheiterte Klimakonferenz in Kopenhagen mahnte Schnappauf bessere Entscheidungsfindungsprozesse an. Mit 46.000 Delegierten "und einem organisatorischen Chaos" lasse sich ein globales Klimaabkommen nicht erreichen.

Deutliche Kritik übte Schnappauf an der öffentlichen Diskussion über die Klimaschutzziele. "Der regelrechte Prozentfetischismus von minus 30 Prozent, minus 40 Prozent ist ein politisches Ritual, das dem Klima gar nichts bringt", sagte er. Man sollte nicht nur über Ziele reden, sondern vor allem über konkrete Maßnahmen. So könnten mit den heute auf dem Markt verfügbaren Effizienztechnologien bereits 40 Prozent Kohlendioxid eingespart werden. Er forderte Bund, Länder und Gemeinden auf, mit gutem Beispiel voranzugehen.

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