Basiskonto

Banken fordern mehr Zeit für "Jedermann-Girokonto"

Das sogenannte "Konto für Jedermann" soll bis Mitte September des laufendes Jahres rund einer Million Menschen zugutekommen. Für die Umsetzung fordern die Banken nun mehr Zeit. Außerdem soll ihnen bei einer Kündigung mehr Freiheit eingeräumt werden.

Kontoauszüge© M. Schuppich / Fotolia.com

Berlin - Banken und Sparkassen pochen beim geplanten "Girokonto für Jedermann" auf mehr Zeit für die Umsetzung. Die Regelungen zum Basiskonto sollten wie die Vorgaben zum Kontowechsel erst am 18. September 2016 in Kraft treten, forderten die Verbände der Kreditwirtschaft am Montag in Berlin bei einer Anhörung des Finanzausschusses des Bundestages. "Ein Vorziehen des Regelungskomplexes "Basiskonto" würde nicht nur mittelständische Institute vor teils unlösbare Probleme stellen", argumentieren die im Bankenverband zusammengeschlossenen privaten Institute.

Banken fordern Ausbau des Kündigungsrechts

Auch sollte der Katalog der Ablehnungs- und Kündigungsgründe erweitert werden. Sparkassen und Genossenschaftsbanken verweisen darauf, dass zum Beispiel eine Straftat zulasten des Kreditinstituts nach drei Jahren "verjähre": "Ein verurteilter Bankräuber hätte also nach Ablauf von 3 Jahren seit der Verurteilung einen Anspruch auf Eröffnung eines Basiskontos bei dem geschädigten Kreditinstitut. Dies ist abzulehnen", heißt es.

Banken dürfen Kunden nicht mehr abweisen

Nach den Gesetzesplänen sollen Banken künftig niemanden mehr abweisen können, der ein einfaches Girokonto eröffnen will. Auch Obdachlose und Asylbewerber müssen als Kunden akzeptiert werden. Das neue Zahlungskontengesetz, mit dem eine EU-Richtlinie umgesetzt wird, sieht die Einführung eines sogenannten Basiskontos für alle vor. Dieses einfache Girokonto auf Guthabenbasis soll künftig jeder eröffnen können, der sich legal in der Europäischen Union (EU) aufhält - und zwar bei einer Bank seiner Wahl. Die Pläne kommen nach Regierungsangaben rund einer Million Menschen zugute.

Bundesregierung sieht dringenden Handlungsbedarf

Nach der Zahlungskontenrichtlinie müssen die EU-Staaten diese Vorgaben spätestens bis zum 18. September 2016 umsetzen. Die Regelungen zum Basiskonto können aber früher gelten. "Wegen der hinlänglich bekannten Praxis der Privatbanken und einzelner öffentlich-rechtlicher Sparkassen", insbesondere Wohnungslosen und Flüchtlingen auch nach dem Inkrafttreten der Zahlungskontenrichtlinie ein solches Konto weiter zu verweigern, bestehe dringender Handlungsbedarf, heißt es im Gesetzentwurf der Bundesregierung.

Nach den Koalitionsplänen müssen zudem Banken Konto-Gebühren künftig so veröffentlichen, dass auch Verbraucher ohne Fachkenntnisse problemlos verschiedene Angebote vergleichen können. Ferner sollen Verbraucher leichter ihre Konten wechseln können.

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Kontoführung

    Banken müssen jährlich über Kontogebühren informieren

    Wie hoch die Kontogebühren sind, ist oft nicht auf einen Blick zu erkennen. Das soll sich ändern: Ab November müssen Banken ihre Kunden einmal pro Jahr informieren. Konditionen für Konten sollen besser vergleichbar werden.

  • NFC

    Kontaktloses Bezahlen: So schaltet man die Funktion ab

    Kontaktloses Bezahlen ist nicht jedem geheuer. Einige machen sich Sorgen wegen ihrer Daten und andere befürchten einen Diebstahl. Wer die Funktion bei seiner Geldkarte deaktivieren möchte, für den gibt es zwei Möglichkeiten.

  • Kontoführung

    Bericht: Kabinett bringt Girokonto für alle auf den Weg

    Ein Girokonto sollte sich nach dem Willen der Bundesregierung jeder in der Bundesrepublik ermöglichen können. Auf freiwilliger Basis funktioniert das noch nicht ganz. Laut einem Bericht ist nun ein entsprechendes Gesetz auf dem Weg.

  • Geld abheben

    An Geldautomaten wird es für Fremdkunden teurer

    Geld abheben wird für Fremdkunden teilweise deutlich teurer. Viele Privatbanken erhöhen die Gebühren nach fünf Jahren erstmals. Statt 1,95 Euro müssen Sparkassen-Kunden an einem Automaten der Deutschen Bank nun 3,95 Euro zahlen.

  • Tagesgeld

    Dispozinsen im Schnitt bei 10,25 Prozent

    Die Dispozinsen auf dem Girokonto liegen im Durchschnitt noch immer bei über zehn Prozent, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Es gibt jedoch viele Banken, die die Zinsen reduziert haben. An Transparenz mangelt es noch häufig.

Top