Bargeld abheben

Arbeitslosengeld-Vorschuss bald bei Rewe, Penny und DM

Arbeitslosengeld kann im Notfall künftig auch an der Supermarktkasse abgehoben werden. Das gilt zum Beispiel für Empfänger, die kein Girokonto besitzen oder bei denen das Geld knapp wird. Mit dem neuen Verfahren sollen die Kassenautomaten in den Jobcentern abgelöst werden.

13.11.2017, 10:23 Uhr (Quelle: DPA)
Lebenshaltungskosten© M. Schuppich / Fotolia.com

Berlin - Empfänger von Arbeitslosengeld können sich künftig in besonders dringenden Fällen einen Vorschuss bar an Supermarktkassen auszahlen lassen. Das Verfahren ist für Menschen, die kein eigenes Konto haben oder die im Ausnahmefall dringend einen Vorschuss brauchen, wie ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit sagte. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" darüber berichtet.

"Ziel ist die flächenweite Einführung der neuen Lösung bis Ende 2018", sagte der BA-Sprecher. Die Umstellung soll im zweiten Quartal 2018 starten. Zu den beteiligten Supermärkten und Drogerien gehörten Rewe, Penny, Real, dm und Rossmann.

Kassenautomaten in Jobcentern sollen abgeschafft werden

"Häufig geht es dabei um Vorschussleistungen", sagte der BA-Sprecher. Wenn man zum Beispiel am Monatsende kein Geld mehr habe, aber dringend etwas bräuchte. Bislang standen dafür Kassenautomaten in Jobcentern und Arbeitsagenturen zur Verfügung. Mit einer speziellen Karte konnte man dort genehmigte Beträge abheben.

Diese Automaten sollen nun aus Kostengründen abgebaut werden. "Zudem wollen wir unbürokratisch und schnell helfen, weil es nicht in jedem Jobcenter einen solchen Automaten gibt und die Automaten durchaus auch störanfällig waren."

Barcode muss zuvor im Jobcenter eingeholt werden

Damit Arbeitslose künftig bei den Händlern Geld bekommen, müssen sie einen Zettel mit einem Barcode vorlegen, den sie sich im Jobcenter oder der Arbeitsagentur abholen können. Dieser werde an der Kasse eingescannt und der angezeigte Betrag sofort ausgezahlt.

Arbeitslosengeld wird weiter regulär überwiesen

Das übliche Verfahren, Arbeitslosengeld I und II auf Konten zu überweisen, bleibe selbstverständlich bestehen, betonte der Sprecher. Ebenso sei es weiterhin möglich, mit einem von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter ausgestellten Scheck zu einer Bank zu gehen und sich das Geld dort auszahlen zu lassen.

Abheben an Supermarktkassen soll Kosten sparen

Der Unterhalt der bisherigen Automaten in den Jobcentern kostet die Bundesagentur den Angaben nach acht Euro pro Transaktion. Im Vorjahr hätten sich die Kosten mit 400.000 Bar-Transaktionen demnach auf 3,2 Millionen Euro belaufen. Die neue Lösung werde günstiger sein, sagte der BA-Sprecher. Eine genaue Höhe nannte er nicht.

Kritik: Verfahren ist indiskret

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, kritisierte die BA-Pläne. "Wenn das ein Bescheid mit einem Barcode ist, den man in der Supermarktschlange an der Kasse vorzeigen muss, um Geld ausbezahlt zu bekommen, ist das ein denkbar indiskretes Verfahren", sagte er der Berliner "B.Z." (Montag). "Wenn, dann muss absolute Diskretion gewährleistet sein, um jede Stigmatisierung auszuschließen." Nach Angaben des BA-Sprechers soll der Zettel mit dem Barcode "neutral" gehalten sein.

Cash Payment Solutions wird Dienstleister für Auszahlungen

Den Zuschlag für die Bargeldauszahlung erhielt das Berliner Unternehmen Cash Payment Solutions. Der Dienstleister verfügt laut "Welt am Sonntag" über ein bundesweites Händlernetz mit 8.500 angeschlossenen Filialen. Kunden könnten dort bereits Online-Einkäufe und Stromrechnungen bar an der Ladenkasse bezahlen. Zudem böten einige Banken die Kassen ihren Kunden als Alternative zum Geldautomaten an.

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