Breitbandausbau

Anbindung ans schnelle Netz lässt zu wünschen übrig

Wie schnell muss eigentlich ein Breitband-Anschluss sein? Noch immer warten viele Orte auf schnelles Internet. Doch während der Ausbau vorankommt, steigen auch die Ansprüche.

Internetzugang© by-studio / Fotolia.com

Dingsleben/Hannover (dapd/red) - Von Regierungsseite gilt offiziell eine Downloadgeschwindigkeit von einem Megabit (MB) pro Sekunde als Mindeststandard für eine Breitbandverbindung. In Thüringen beispielsweise sind rund 80 Prozent der Haushalte damit versorgt. In Fachkreisen gilt diese Zahl jedoch schon lange als veraltet. So nennt die International Telecommunication Union (ITU) eine minimale Übertragungsrate von 2,5 MB pro Sekunde als das Minimum für "Breitband". Danach liegt der Versorgungsgrad im Freistaat nur bei rund 70 Prozent.

Die Ansprüche steigen

"Je höher die Ansprüche an die Schnelligkeit werden, umso schlechter wird die Versorgungslage", sagt der Leiter des Breitbandkompetenzzentrums Thüringen, Andreas Kaßbohm. Das sei vor allem für gewerbliche Nutzer ein großes Problem, die auf die Übermittlung großer Datenmengen angewiesen seien. Selbst der ITU-Standard reiche hier meist nicht aus. Kaßbohm sieht die Finanzierung als ein Grundproblem. "Es sind einfach mehr Anträge eingegangen, als Geld da ist." Dass wirklich alle Regionen versorgt werden können, sei unwahrscheinlich. Zudem sei die Selbstbeteiligung an den Investitionskosten für einige Kommunen nicht zu finanzieren, obwohl das Land die Finanzierungslücke zu 90 Prozent ausfülle.

Unterschiedliche Ansätze: LTE oder Glasfaser

Die führenden Internet-Anbieter in Deutschland setzen unterschiedliche Schwerpunkte beim Ausbau der Netze. Während sich Vodafone und o2 auf das schnelle Internet über das Handynetz per LTE konzentrieren, will die Telekom massenhaft Haushalte an das Glasfasernetz anschließen. Aber auch die Betreiber des Kabelfernseh-Netzes rüsten auf, um immer mehr Kunden mit immer mehr Surfgeschwindigkeit zu versorgen.

Telekom: LTE und Glasfaser

Die Telekom (www.telekom.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der hier integrierte Werbelink ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.
) wolle in diesem Jahr 1.500 Gemeinden mit dem schnellen mobilen Internet über LTE verbinden, sagte Niek Jan van Damme, Sprecher der Geschäftsführung der Telekom Deutschland. Der Netzbetrieb werde im April aufgenommen, die Zahl der potenziellen Nutzer solle auf 1,2 Millionen steigen. Zugleich hat der Konzern ambitionierte Ziele ausgegeben, das Glasfasernetz auszubauen: Noch im laufenden Jahr sollen 160.000 Haushalte in zehn Städten an die neuen extrem schnellen Leitungen angeschlossen werden. Damit verfolgt die Telekom auch das Ziel, Fernsehen über das Internet zu übertragen. Dazu wäre LTE beim derzeitigen Stand der Technik zu langsam.

Vodafone setzt voll auf LTE

LTE sei eine dauerhafte Lösung für die Zukunft, nicht nur bloß für den Übergang, sagte Friedrich Joussen, Chef von Vodafone Deutschland. LTE ermöglicht mobile Anwendungen überfall, Glasfaser kann dafür deutlich mehr Daten auf einmal transportieren. So ist in den LTE-Tarifen meist eine Drosselung vorgesehen, wenn die Nutzer ein bestimmtestes Datenvolumen überschreiten. Abschreckend am Glasfasernetz sind die hohen Kosten. Die Leitungen werden unter der Erde verlegt. Van Damme von der Telekom bezifferte die Kosten auf 40 Milliarden Euro, die notwendig wären, um flächendeckend Glasfaseranschlüsse zu verlegen.

Für die Verbraucher würde ein Ausbau des Glasfasernetzes den Nachteil haben, dass sie entweder als Internetkunden oder als Steuerzahler die Kosten tragen müssten. Insgesamt ist die Entwicklung des Internets in Deutschland in den vergangenen Jahren schon deutlich vorangegangen. Vodafone hat versprochen, noch in diesem Jahr alle Gegenden mit bisher nur langsamen Anschlüssen mit LTE zu versorgen. Ausgezahlt hat sich dabei die Forderung der Bundesregierung, die zur Bedingung gemacht hat, dass erst die sogenannten weißen Flecken auf der Internet-Landkarte versorgt werden müssen, bevor die Unternehmen die Dienste in den Metropolen anbieten dürfen - was deutlich lukrativer ist.

Kein Glaube an Regierungsziele

Die Telekommunikationsunternehmen rechnen auch nicht damit, dass die Regierung ihre Ziele einhalten kann. Eine Befragung des Marktforschungsinstituts forsa im Auftrag von Steria Mummert Consulting ergab, dass 80 Prozent der befragten Führungskräfte die Pläne für illusorisch halten, bis 2014 drei Viertel aller Haushalte mit schnellem Internet von mindestens 50 Mit/s zu versorgen. Im Moment läge dieser Anteil bei 40 Prozent.

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Top