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Analyse: Niedriger Stromverbrauch kostet extra

Die Entwicklung der Strompreise in den vergangenen fünf Jahren wirkt sich nicht auf alle Kunden in gleichem Maße aus, zeigt eine Untersuchung von Verivox. Es kommt demnach darauf an, ob viel oder wenig Strom verbraucht wird.

StromrechnungDie Strompreise bestehen aus mehreren Bestandteilen. Dabei ist der Grundpreis erheblich stärker gestiegen als der Arbeitspreis.© Eisenhans / Fotolia.com

Heidelberg - Die Strompreise der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren für Verbraucher mit niedrigen Verbräuchen fast doppelt so stark gestiegen wie die Preise für Stromkunden mit höherem Stromverbrauch. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

Hoher und niedriger Verbrauch: Warum fällt der Anstieg der Strompreise unterschiedlich aus?

Der Grund für die ungleiche Preisentwicklung bei unterschiedlichen Verbräuchen liegt den Tarifexperten zufolge in der Struktur der meisten Stromtarife. Sie bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro Kilowattstunde, erklären die Experten. Während die Arbeitspreise im Fünf-Jahres-Vergleich nur um rund 3 Prozent gestiegen seien, wären die Grundpreise im gleichen Zeitraum um über 30 Prozent erhöht worden.

Die Folge: Je höher der Stromverbrauch eines Haushaltes sei, desto niedriger falle die Strompreissteigerung aus. "Diese Entwicklung macht das Stromsparen aus Kostengründen immer weniger attraktiv", sagt Valerian Vogel, Energieexperte von Verivox. "Um stromsparendes Verhalten effektiv zu belohnen, müsste gerade der Preis pro Kilowattstunde im Vergleich zum monatlichen Festpreis deutlich ansteigen."

Beispiel: Entwicklung der Strompreise für kleine und große Haushalte

Die gesamten Stromkosten für einen Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) seien im Grundversorgungtarif zwischen 2014 und 2019 um 8,4 Prozent gestiegen. Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) seien die Gesamtkosten im selben Zeitraum nur um 4,8 Prozent gestiegen. Bei einem hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (beispielsweise eine Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool) sinke die Steigerungsrate auf 4,5 Prozent.

Ursachen für den Anstieg der Grundkosten

Der Anstieg der festen monatlichen Grundkosten gehe vor allem auf die Entwicklung der Stromnetzgebühren zurück, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachten. Bei diesen Gebühren sei der Preis pro Kilowattstunde zwischen 2014 und 2019 um 1 Prozent gestiegen, der feste Grundpreis um rund 62 Prozent.

"Durch die Gebührenänderung sollen Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden", sagt Valerian Vogel. "Doch dadurch werden Haushalte mit geringen Verbräuchen insgesamt benachteiligt, unabhängig davon ob sie selbst Strom produzieren oder einfach sparsam sind."

Was können Stromkunden unternehmen?

Den Netzgebühren könnten sich private Verbraucher nicht entziehen. Sie könnten jedoch zu einem insgesamt günstigeren Stromtarif wechseln. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt habe, spare mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 207 Euro ein.

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