Großstädte

Analyse: Miete verschlingt große Teile vom Einkommen

Liegt die Miete bei über einem Viertel des Haushaltsnettoeinkommen, gilt das als hohe Belastung. Einer Untersuchung zufolge ist das Wohnen in Großstädten für Familien auch für Gutverdiener teilweise zu teuer. Das trifft demnach besonders auf Berlin und München zu.

13.08.2020, 10:42 Uhr
MietvertragIn München fließen laut einer Analyse auch bei Akademikern rund 33 Prozent des Einkommens in die Miete.© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Familien ist das Bezahlen der Miete in vielen deutschen Großstädten zur finanziellen Herausforderung geworden: In jeder 2. untersuchten deutschen Stadt müssen Eltern mit anerkanntem Berufsabschluss mehr als ein Viertel des Haushaltsnettoeinkommens aufwenden, um eine familientaugliche Wohnung anzumieten. Sind beide Elternteile ohne Berufsabschluss, trifft das gar in 71 von 79 untersuchten Städten zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von immowelt.

Ein Mietanteil von mehr als 25 Prozent am Haushaltsnettoeinkommen gilt als hohe Belastung, erklärt das Portal. Mehr als 33 Prozent gälten gemeinhin als Überbelastung, weil dann nur noch wenig Geld zum Leben bleibt.

Trotz Berufsabschluss: Mietquote in vielen Großstädten liegt bei über 33 Prozent

Für Familien, in denen beide Elternteile einen anerkannten Berufsabschluss vorweisen können, sei eine geräumige Wohnung bei Neuvermietung in deutschen Großstädten fast nicht mehr zu bezahlen: Selbst mit einem mittleren Verdienst beliefen sich in 11 Städten die Wohnausgaben auf über ein Drittel des Budgets eines Haushalts mit einem Voll- und einem Halbverdiener – so etwa in Hamburg (36 Prozent), Frankfurt (37 Prozent), Berlin (42 Prozent) und München (46 Prozent).

München und Berlin: Mieten sind auch für Akademiker kaum bezahlbar

Akademikerfamilien verfügten tendenziell über ein höheres Haushaltseinkommen, daher sei für sie die monatliche Belastung durch Miete und Nebenkosten auch geringer. In Frankfurt, Hamburg (jeweils 27 Prozent) und Stuttgart (26 Prozent) sei die Mietbelastung zwar hoch, aber könne noch als leistbar gelten. In München (33 Prozent) und Berlin (31 Prozent) sei aber auch für Akademiker fast die Grenze dessen erreicht, was gemeinhin als noch zumutbare Wohnkostenbelastung gilt. Das tendenziell höhere Einkommen in diesen Metropolen würde durch die hohen Mietpreise wieder aufgefressen – Eltern hätten am Ende des Monats sogar oftmals weniger übrig als in kleineren Städten, obwohl sie dort weniger verdienen.

Extreme Belastung bei geringem Einkommen

In kleineren Großstädten wie Heidelberg, Freiburg im Breisgau und Rostock (je 38 Prozent) seien es vor allem die geringeren Einkommen, die das Wohnen schwere bezahlbar machen. Im Ruhrgebiet hingegen seien familientaugliche Wohnungen mit einem Berufsabschluss noch bezahlbar: In Gelsenkirchen, Duisburg oder Recklinghausen beispielsweise liege die Wohnquote bei unter 20 Prozent.

Besonders schwer würde es in vielen Städten für Familien ohne Berufsabschluss: In mehr als der Hälfte der untersuchten Städte beliefen sich Miete und laufende Kosten auf mehr als 33 Prozent des mittleren Nettoeinkommens eines Haushalts. Besonders hoch sei die Belastung in Berlin (49 Prozent) und München (55 Prozent).

Für die Umfrage wurde für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern die monatliche Belastung durch Miet- und Nebenkosten einer Wohnung mit 80 bis 120 Quadratmetern in Relation zum mittleren Haushaltsnettoeinkommen einer 4-köpfigen Familie berechnet. Als Grundlage dienen die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Bruttoeinkommen, unterschieden nach Berufsabschlüssen (ohne, anerkannter, akademischer). Diese wurden in entsprechende Nettogehälter umgerechnet.

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