Kupferleitung© demarco / Fotolia.com
Vectoring

Mit der Kupferdoppelader auf den Hochgeschwindigkeitszug des Internets aufspringen: Diese Vorstellung wurde lange belächelt und bekommt nun durch das sogenannte Vectoring-Verfahren neues Leben eingehaucht.

100 Mbit/s über Kupfer: Vectoring macht’s möglich

Mit bis zu 100 Mbit/s macht Vectoring sogar Kabel-Internet Konkurrenz – und das ganz ohne die Verlegung neuer Kabelleitungen. Bis 2018 sollen 80 Prozent der deutschen Haushalte mit der Vectoring-Technologie erschlossen sein, höchste Zeit also, sich darüber zu informieren!

Was ist Vectoring?

Bei Vectoring handelt es sich um eine von Alcatel-Lucent entwickelte und von der Deutschen Telekom betriebene Erweiterung von VDSL, die zum Zweck der Leistungsoptimierung eingesetzt wird. Hintergrund ist, dass VDSL zwar zwischen Netzbetreiber und Kabelverzweiger Glasfaser-Kabel verwendet, auf der sogenannten letzten Meile zum Kunden jedoch Kupferkabel. Auf diesem letzten Teilstück kommt es durch die gegenseitige Beeinflussung der Signalkanäle im Kabelstrang zu einer Verminderung der VDSL-Geschwindigkeit. Durch die Umrüstung auf Vectoring können Anbieter diese Störungen beheben und dem Kunden eine stabile Internet-Verbindung bei hoher Geschwindigkeit und Stabilität ermöglichen.

Wie funktioniert Vectoring?

Vectoring reduziert die elektromagnetischen Störungen in den Kupferkabeln zwischen Kabelverzweiger und Haushalten und kompensiert dadurch das gegenseitige "Übersprechen", welches zusammen mit der Leitungsdämpfung hauptverantwortlich für abnehmende VDSL-Geschwindigkeit ist. Im Zuge des Vectoring-Ausbaus werden hunderttausende lokale Kabelverzweiger aufgerüstet oder durch Outdoor-DSLAMs ersetzt. In den unscheinbaren grauen Kästen am Wegesrand wird mithilfe von Berechnungen des Netzbetreibers und Antischallverfahren der "Crosstalk-Effekt" herausgefiltert und Umgebungsgeräusche kompensiert. So kann beim Endkunden eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s erreicht werden – Und das bei einer Entfernung von bis zu 600 Metern zum Kabelverzweiger.

Vectoring

Ausbau und Verfügbarkeit von VDSL und Vectoring

Da Vectoring eine Erweiterung zur bestehenden VDSL-Technologie darstellt, ist es lediglich in den bereits erschlossenen Gebieten verfügbar. Auch wenn der VDSL-Ausbau nicht so schnell vorangetrieben wird, wie es erhofft wurde, können immer mehr Städte und Ortschaften auf diese Technologie zugreifen. Ob ein Gebiet mit VDSL versorgt wird, hängt oftmals von der Rentabilität der Erschließung ab: Wie weit müssen Glasfaser-Kabel unter der Straßendecke verlegt werden ? Wie viele Kabelverzweiger müssen aufgestellt oder aufgerüstet werden? Das Wissenschaftliche Institut für Infratruktur und Kommunikationsdienste (WIK) ermittelte zuletzt Erschließungskosten von 550 Euro pro Kunde, in Ballungsgebieten aufgrund der steigenden Nutzerzahlen bei kleinerer zu überbrückender Strecke 300 Euro.

Vectoring als weiterer Schritt zum Netz der Zukunft

Da Vectoring auf die seit Jahrzehnten bestehende Infrastruktur der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) aufbaut, sind hier geringere Investitionen nötig, als es bei Glasfaser-Lösungen der Fall ist. Einen Haken hat Vectoring jedoch: Aufgrund der oben beschriebenen Echtzeit-Überwachung des Datenstroms ist es erforderlich, dass ein Anbieter die volle Kontrolle über einen Kabelstrang hat. Verständlich also, dass Anbieter, die zur Zeit einzelne Kabeladern zwecks eigener Vermarktung von der Telekom mieten, die Gefahr einer Monopolisierung sehen.

Mittelfristig könnte Vectoring als weiterer Schritt zu flächendeckenden Glasfaser-Lösungen wie FTTH ("Fiber To The Home") fungieren und das Kupferkabel für die nächsten Jahre wieder konkurrenzfähig machen. Zusätzlich bildet Vectoring den Grundstein des von der Deutschen Telekom vorangetriebenen Standards G.fast, mit dem Datenübertragungsraten von bis zu einem Gbit/s (1000 Mbit/s) ermöglicht werden sollen.

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