Paar© Yuri Arcurs / Fotolia.com
Unisex-Tarife

Mit geschlechtlichen im Sinne von zweideutigen Angelegenheiten haben Unisex-Tarife nichts zu tun, auch wenn es sich so anhören mag. Bei Unisex-Tarifen geht es nämlich darum, dass das Geschlecht des Kunden bei der Höhe einer Versicherungsprämie keine Rolle spielen darf.

Unisex-Tarife: Gleiche Prämien für Mann und Frau

Bis zu dem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs im März 2011 hatten wohl nur Branchen-Insider von Unisex-Tarifen gehört. Das höchste europäische Gericht hatte entschieden, dass Männer und Frauen Versicherungstarife zu gleichen Konditionen bekommen müssen – dass also nicht in manchen Tarifen Frauen besser gestellt werden und in manchen Männer. So sah die bisherige Praxis aber aus. Nicht nur das Geschlecht des Kunden, sondern auch andere Risikofaktoren wie Alter oder Beruf flossen bislang in die Vertragsgestaltung der Konzerne ein. Seit dem 21. Dezember 2012 müssen zumindest einheitliche Tarife für Männer und Frauen geben; die anderen Unterschiede bleiben indes bestehen.

Geschlecht spielte für Versicherungsprämie eine Rolle

Eine klassische Versicherung bezieht alle Risikofaktoren der zu versichernden Person bei der Berechnung ein. Auch das Geschlecht spielte hier lange Zeit eine ausschlaggebende Rolle. Aufgrund der höhere Lebenserwartung von Frauen fielen die Versicherungsbeiträge in der Lebens-, Rentenversicherung und Altersvorsorge für sie früher beispielsweise sehr viel höher aus als die von Männern. Mit der Unisex-Versicherung hat sich das grundlegend geändert. Seit dem 21. Dezember 2012 gibt es die geschlechterunabhängigen Tarife, die Männer und Frauen gleich stellen und eine Diskriminierung durch die Versicherungen unterbindet – so sieht es die Grundrechte-Charta der Europäischen Union vor. In der Unisex-Versicherung sind sämtliche Versicherungsbeiträge vereinheitlicht.

Wie sich Unisex-Tarife auf Versicherungsprämien auswirken

Letztlich bedeutet das: Eine Versicherung kostet bei gleichen Leistungen für Männer genauso viel wie für Frauen, sofern dieselben Voraussetzungen vorliegen. Andere Risikofaktoren - dazu gehört beispielsweise auch das Alter des Versicherungsnehmers - spielen natürlich auch weiterhin eine Rolle. Diese Gleichstellung wiederrum hatte Auswirkungen auf die Versicherungsbeiträge, die bei etlichen Versicherungen teurer geworden sind. Wo Männer und Frauen nach der Umstellung auf Unisex-Tarife sparen konnten oder mehr zahlen mussten, zeigt die nachfolgende Infografik.

Unisex-Versicherung

Seit dem 21. Dezember 2012 gelten die Unisex-Tarife. Welche Versicherung für Männer und Frauen günstiger oder teurer geworden sind!

für Frauen für Männer
teurer Kfz-Versicherung
Tarife vergleichen
günstiger
günstiger Private Krankenversicherung
Tarife vergleichen
teurer
günstiger Krankenzusatzversicherung
Tarife vergleichen
teurer
günstiger Private Rentenversicherung
Tarife vergleichen
teurer
teurer Risikolebenversicherung
Tarife vergleichen
günstiger
günstiger Berufsunfähigkeitsversicherung
Tarife vergleichen
teurer

Was sich durch die Unisex-Versicherung geändert hat

Mit den Unisex-Versicherungen wurden die Versicherungsprämien für Männer und Frauen angeglichen. Wir zeigen die Vor- und Nachteile sich dadurch für Männer und Frauen bei den wichtigsten privaten Versicherungen ergeben haben. Übrigens: In bestehenden Versicherungen, die vor dem Stichtag abgeschlossen wurden, kann es weiterhin Preisunterschiede nach Geschlecht geben - der übliche Bestandskundenschutz.

Kfz-Versicherung

Kfz-Versicherungen sind für Frauen generell teurer geworden. Sie haben früher oft geringere Beiträge gezahlt, da Männer im Schnitt mehr Unfälle verursachen. Nun wird die Schadensbilanz auf beide Geschlechter umgelegt. Während Frauen durch die Unisex-Regelung also erhebliche Preissteigerungen bei der Kfz-Versicherung in Kauf nehmen müssen, erwarten Männer eher Preisvorteile mit den Unisex-Versicherungen.

Private Krankenversicherung und Krankenzusatzversicherung

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung sind für Männer als Unisex-Tarif teurer geworden. Wurden sie anfänglich wegen ihrer allgemein geringeren Lebenserwartung für diese Police weniger belastet, so müssen sie hier nun tiefer in die Tasche greifen. Für Frauen hingegen ändert sich wenig. Ähnliches gilt für Kranken- oder Zahnzusatzversicherungen: Während auf Männer höhere Beitragszahlungen bei diesen Policen zukommen, müssen Frauen in den Unisex-Tarifen weniger zahlen.

Private Rentenversicherung und Berufsunfähigkeit

Besonders bei der Vorsorge hat das Geschlecht aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung von Männern und Frauen früher eine große Rolle gespielt. Das hat sich nun geändert. Die Rentenversicherungsbeiträge haben sich in der Unisex-Versicherung für Männer verteuert. Anfänglich zahlten Frauen hier die höheren Beiträge bei gleicher Leistung. Seit Dezember 2012 werden die Kosten angeglichen, so wie es bei der Riester-Rente schon gemacht wurde. Gleiches gilt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Da für Männer insgesamt ein geringeres Berunfsunfähigkeitsrisiko besteht, müssen sie nun mehr für die Tarife zahlen. Frauen dagegen können fortan sparen.

Risikolebensversicherung

Andersrum verhält es sich bei der Risikolebensversicherung. Männer zahlten hier anfänglich höhere Beiträge, da für sie statistisch ein höheres Risiko besteht, früher zu sterben. Frauen, die eine Risikolebensversicherung zur Absicherung von Angehörigen abschließen, müssen dafür nun mehr zahlen.

Aktuelle Nachrichten zum Thema
Alle Tarif- und Preisangaben brutto. Trotz sorgfältiger Erstellung wird für die Richtigkeit keine Haftung übernommen. Beachten Sie Preise und AGB der Anbieter. Alle Angaben ohne Gewähr.
Top