Wissenswert

Die Winterreifen-Pflicht auf deutschen Straßen

Eine Winterreifen-Pflicht oder - exakter ausgedrückt - die Pflicht zur passenden Bereifung "bei winterlichen Verhältnissen" gilt für fast alle Pkw in Deutschland. Bei Schnee, Eis und Glätte müssen passende Reifen aufgezogen werden, sonst droht Ärger.

Wintereinbruch© Miredi / Fotolia.com

Eine Pflicht zur geeigneten Bereifung kennt die StVO bereits seit Mai 2006. Im Dezember 2010 wurde diese Verordnung der StVO §2 Abs. 3a konkretisiert. Der entsprechende Passus beinhaltet zwar keine ausdrückliche "Winterreifen-Pflicht", schreibt aber Autofahrern zwingend eine passende Bereifung "bei winterlichen Verhältnissen" vor.

Wann gilt die Winterreifen-Pflicht?

Einen bestimmten Zeitraum oder Stichtag schreibt die StVO nicht vor. Die sogenannte "situative Winterreifen-Pflicht" greift immer dann, wenn aufgrund von Schneefall, Glatteis oder Reifglätte winterliche Straßenverhältnisse herrschen. Wer sicher gehen möchte, beherzigt die "O-bis-O-Regel" des ADAC und fährt von Oktober bis Ostern mit Winterreifen.

Für welche Fahrzeuge gilt die Winterreifen-Pflicht?

Zum einen betrifft die Winterreifen-Pflicht alle Pkw – auch Autos mit ausländischer Zulassung und Mietwagen. Zum anderen dürfen Motorräder auf schneeglatter Fahrbahn nur mit Winterreifen beziehungsweise mit Reifen, die ein grobstolliges Profil besitzen, unterwegs sein. Lkw und Busse müssen lediglich an den Antriebsachsen Winterreifen aufgezogen haben.

Gibt es Ausnahmen von der Winterreifen-Pflicht?

Ausnahmen von der Winterreifen-Pflicht sieht die StVO für land- und forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge sowie für Geländewägen und Quads vor, wenn deren Reifen ohnehin ein grobstolliges Profil aufweisen. Wer sein Fahrzeug bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht bewegt, weil er zum Beispiel auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen kann oder es sich lediglich um einen Zweitwagen handelt, kann auf das Aufziehen von Winterreifen ebenfalls verzichten. Wer im Pannenfall als Ersatzreifen nur einen Sommerreifen zur Hand hat, darf die Fahrt mit diesem fortsetzen, muss ihn aber schnellstmöglich durch einen Winterreifen ersetzen.

Welche Reifen erlaubt die StVO bei Glatteis und Co.?

Ob spezielle Winterreifen oder Ganzjahresreifen – sie müssen in jedem Fall das "M+S"-Kürzel für "Matsch-und-Schnee"-Reifen tragen oder ein Schneeflocken-Symbol aufweisen. Die Profiltiefe muss laut StVO mindestens 1,6 Millimeter betragen, die Experten des ADAC fordern mit Blick auf die Sicherheit sogar eine Profiltiefe von wenigstens vier Millimetern.

Welche Strafen drohen bei einem Verstoß gegen die Winterreifen-Pflicht?

Wer gegen die Winterreifen-Pflicht verstößt und auf schneebedeckter Straße oder bei Reifglätte mit Sommerreifen fährt, dem drohen ein Bußgeld von 60 Euro sowie ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei. Werden zusätzlich andere Verkehrsteilnehmer behindert – weil das Fahrzeug beispielsweise liegen bleibt – erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro. Bei Verkehrsgefährdung aufgrund falscher Bereifung beträgt das Bußgeld sogar 100 Euro.

Gibt es weitere Konsequenzen?

Wird man mit nicht angepasster Bereifung in einen Unfall verwickelt, erhält man stets eine Mitschuld. Die Kaskoversicherung wertet das Benutzen von Sommerreifen bei Winterwetter gern als grob fahrlässig und kürzt deshalb nicht selten die Leistung im Schadensfall. Und auch die Haftpflichtversicherer nehmen bei der Benutzung von Sommerreifen auf Schnee in der Regel den Halter des Fahrzeugs in Mithaftung.

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