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Welche Extrakosten Flatrates haben

Keine Rede davon, dass man sich mit einer Flatrate "leer quatschen" kann, wie es die Werbung suggeriert. Eine Flatrate gilt jeweils nur für das Netz oder die Zeit, für die sie ausgewiesen ist. Und selbst das stimmt manchmal nur bedingt. Wir schlagen eine Schneise durch den Tarifdschungel!

Telefon© Inga F / Fotolia.com

Linden (red) - Eine Flatrate ist eine Flatrate ist eine Flatrate - sollte man meinen. Doch das stimmt nur sehr bedingt, denn flat (= pauschal) telefonieren kann man immer nur in bestimmte Netze bzw. zu bestimmten Zeiten. So gibt es Flatrates, die an Uhrzeiten oder Tage gekoppelt sind, also beispielsweise nur abends oder nur am Wochenende gelten. Andere Flatrates sind an die Nutzung bestimmter Netzgebiete gebunden; die wohl bekannteste ist die Flatrate, die nur gilt, wenn man im eigenen Vorwahlgebiet telefoniert.

Begrenzungen beachten

Die meisten gängigen Flatrates für Mobilfunk und Festnetz werden heute entweder an die Nutzung des Festnetzes oder an die Nutzung bestimmter Mobilfunknetze gekoppelt. Je nach Anbieter sind solche Flatrates auch miteinander zu kombinieren. Wenn ich etwa eine Flatrate fürs deutsche Festnetz und fürs deutsche Vodafone-Netz habe, muss ich alle anderen Gespräche, die nicht in diese Netze laufen, extra zahlen. Sprich: Alle anderen Gespräche innerhalb Deutschlands und sämtliche Auslandstelefonate müssen zusätzlich bezahlt werden. Das gilt auch dann, wenn ich zum Beispiel deutscher Vodafone-Kunde bin und ein ausländisches Vodafone-Netz nutze; die Flat gilt nur für Vodafone Deutschland.

Vorsicht bei VoIP-Flats

Doch das ist nicht alles, was der Kunde wissen muss. Die Anbieter sichern sich auch ab, was das Anwählen teurer Sondernummern betrifft. Auch Anrufe bei Auskunftsdiensten oder die Teilnahme am Televoting gehen extra; der Kunde muss diese Gespräche bezahlen, obwohl sie ins das Netz der Flatrate gehen. Manche Flatrates haben außerdem eine Deckelung, das heißt, sie gelten nur bis zu einer vorher festgelegten Obergrenze. Das können 3000 Minuten oder 3000 SMS oder fünf Gigabyte pro Monat sein. Wenn man diese Grenze überschreitet, zahlt man extra. Nutzer von VoIP-Tarifen sollten daran denken, dass die entstehenden Datenkosten nicht im Telefon-Pauschaltarif enthalten sind. Die Datenkosten muss der DSL-Tarif abdecken.

Wie sich die Anbieter absichern

Besonders fatal für den Kunden sind Flatrates, die keine fix definierte, sondern nur eine schwammig umschriebene Obergrenze haben. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Anbieter in seine AGB schreibt, dass die Nutzung "im üblichen Rahmen" liegen müsse. So bekommen Kunden immer wieder Flatrates mit der Begründung gekündigt, sie seien "in außergewöhnlich hohem Maße" genutzt worden - was auch immer das bedeuten mag. Oft begründet der Anbieter sein Handeln damit, dass dem Kunden eine geschäftliche (und damit verbotene) Nutzung seiner Flatrate direkt oder indirekt unterstellt wird.

Sonderfälle

Hinzu kommt noch eine Besonderheit in den alten Telekom Flatrates, die vor Mitte Mai 2008 abgeschlossen wurden: Anrufe zu rund 30 alternativen Netzbetreibern werden darin mit einem Aufschlag von 0,21 Cent pro Minute berechnet - trotz Flatrate. In Ausnahmefällen kommt es auch vor, dass das Pauschaltarif-Netz sozusagen aufgeteilt wird. So bekommen Kunden der Telekom-Tochter congstar, wenn sie eine Flatrate ins T-Mobile-Netz buchen, nämlich keine Flatrate zu anderen congstar-Kunden dazu, obwohl congstar das Netz von T-Mobile nutzt. Die Flat zu congstar muss der Kunde extra buchen und extra zahlen.

Fazit

Bevor man eine Flatrate bucht, sollte man gut überlegen, ob man sie wirklich braucht. Wer zum Beispiel quer Beet durch alle Netze telefoniert, wird mit einer Flatrate in ein einzelnes Handynetz wenig anfangen können. Aufpassen sollte man auch, dass man keine doppelten Pauschaltarife bucht. Wenn etwa im Telefontarif zwei kostenlose Festnetz-Stunden enthalten sind, man beim DSL-Anbieter aber eine Doppel-Flatrate für Festnetz und DSL bekommt, hat man dem ersten Anbieter Geld geschenkt. Wer Vielnutzer ist und davon ausgeht, den Tarif richtig auszureizen, sollte möglichst nicht zum billigsten Anbieter gehen: Dort sind die Chancen am größten, dass demnächst ein blauer Brief ins Haus flattert.

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