Umwelt und Klima

Warum Strom sparen nicht nur finanziell sinnvoll ist

Die Tatsache, dass man mit weniger Stromverbrauch auch Geld spart, ist sicher erstmal der größte Anreiz zu einem sparsameren Verhalten. Aber angesichts des weltweit wachsenden Energiehungers sollte man sich bewusst sein, dass auch die Umwelt profitiert.

Umwelt© lassedesignen / Fotolia.com

Spart man Strom, spart man Geld. So oder so ähnlich wird man häufig dazu aufgefordert, seinen eigenen Stromverbrauch zu verringern. Doch hinter der Aufforderung, Energie zu sparen, steckt noch viel mehr. Die Umwelt, die Klimaerwärmung und der erhöhte Energiebedarf weltweit – alles hängt zusammen. Warum Strom sparen also mehr als nur eine persönliche Dimension hat, erklären wir hier.

Wachsender Energiehunger

Immer mehr Tätigkeiten sind auf elektrische Energie angewiesen und Strom ist zum selbstverständlichen Begleiter des Menschen geworden. Innerhalb Deutschlands geht man zwar von einem künftig fallenden Energiebedarf aufgrund von effizienteren Geräten und umweltbewussterem Handeln aus, weltweit dürfte das Szenario jedoch anders aussehen. Auch 2016 leben noch über eine Milliarde Menschen ohne Strom. Besonders Menschen in Südasien und in Afrika südlich der Sahara sind davon betroffen. Da sich diese Länder jedoch genau wie wir weiterentwickeln, wird in Zukunft auch dort (mehr) Strom benötigt werden.

Stromproduktion auf Kosten des Klimas

Strom kommt in natürlicher Form unter anderem in Blitzen vor – und ist so für uns nicht nutzbar. Für die Praxis bedeutet das, dass Strom vor der Nutzung erzeugt werden muss. Das geschieht über Energieumwandlung. So wird beispielsweise die Hitze verbrennender Kohle dafür genutzt, Wasser zu verdampfen, welches wiederum Turbinen und Generatoren antreibt. Dieser Umwandlungsprozess hat natürlich seine Kosten: Zum einen bekommt man nicht so viel Energie wieder heraus, wie man hineinsteckt, und Emissionen wie etwa das klimaschädigende Gas CO2 werden frei. Betrachtet man den aktuellen Energiemix, wurden 2015 in der Stromproduktion pro Kilowattstunde etwa 535 Gramm CO2 freigesetzt.

Warum Strom sparen, wenn ich doch Ökostrom beziehe?

Selbst Strom aus regenerativen Quellen ist nicht so umweltfreundlich, wie es sich anhören mag. Zwar werden bei der eigentlichen Stromproduktion, etwa durch Photovoltaik, keine umweltschädigenden Gase mehr frei, bei der Produktion der Anlagen hingegen durchaus. So dauert es laut der TU Berlin zwischen zwei und fünf Jahren, bis Solarzellen so viel Energie erzeugt haben, wie für ihre Produktion verbraucht wurde. Ähnliches gilt für Wind- oder Wasserkraftwerke und alle anderen erneuerbaren Energieformen: Auf lange Zeit wird deutlich weniger CO2 und andere Gase freigesetzt, während der Produktion wird jedoch bereits sehr viel Energie investiert. Auch daran sieht man, warum es sich lohnt, Strom zu sparen.

Nicht nur Emissionen sind das Problem

Und nicht nur an den Ausstoß von Treibhausgasen und die damit verbundene Auswirkung auf unser Klima sollte gedacht werden. Strom zu produzieren benötigt Platz. Platz, der anderweitig genutzt werden könnte oder uns als Erholungsraum in der Natur nicht mehr zur Verfügung steht. Selbst die eigentlich umweltverträglichen regenerierbaren Energiequellen machen an dieser Stelle Probleme: Etwa weil selten gewordene Vögel oder Fledermäuse in den Rotorenbereich von Windkrafträdern gelangen oder wandernde Fischarten den Weg durch Wasserkraftwerke versperrt finden.

Ein weiterer Faktor sind Abfälle, die in der Stromproduktion entstehen und in ihrer Entsorgung kritisch sind. Ganz vorne anzuführen ist hier radioaktiver Abfall aus den Atomkraftwerken, aber auch andere Abfälle, die etwa beim Demontieren von Solaranlagen oder dem Rückbau von Kohlekraftwerken anfallen, wollen entsorgt werden.

Auch die Regierung hält zum Strom sparen an

Warum Strom sparen auch im Hinblick auf die Umwelt sinnvoll ist, wäre damit geklärt. Aber was tut eigentlich die Regierung, um einen niedrigeren Energieverbrauch zu erzielen? Neben dem Ausbau intelligenter Stromnetze will die Regierung beispielsweise darauf achten, dass öffentliche Aufträge nur mit energieeffizienten Produkten und Dienstleistungen umgesetzt werden. Auch die Verbraucher werden beim Strom sparen unterstützt. So sollen transparente Energiekennzeichnungen über den Verbrauch von Haushaltsgeräten informieren und das Beratungsangebot wird ausgebaut. Darüber hinaus liegt das Hauptaugenmerk auch auf der Einsparung von Heizenergie.

Um ihre Ziele umsetzen zu können, hat die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept das Zwischenziel gesetzt, den Stromverbrauch in Deutschland im Vergleich zu 2008 bis 2020 zunächst um zehn Prozent und bis 2050 um 25 Prozent zu verringern. Dies würde bedeuten, dass deutschlandweit bis 2020 etwa 110 Terawattstunden weniger Strom verbraucht werden soll. Damit ließen sich jährlich rund 70 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

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