Wissenswert

Warum die Zeichenfolgen auf der Tastatur so und nicht anders sind

Wer hätte gedacht, dass das Grundgerüst unseres heutigen Tastatursystems schon über 100 Jahre alt ist? Mit den hakeligen Typenhebeln der ersten Schreibmaschinen hat denn auch die Anordnung der Zeichen auf der Tastatur zu tun.

Tastatur© Yanlev / Fotolia.com

Bern/Berlin (ddp/red) - QWERTZ - ZUIOP - ASDFG: Wer viel Zeit mit Schreiben verbringt, dem werden diese Buchstabenfolgen bekannt vorkommen. Denn in dieser Reihenfolge erscheinen die jeweiligen Zeichen auf den Tastaturen von Computern oder Schreibmaschinen - zumindest im deutschen Sprachraum. Nach der ersten Kombination QWERTZ - zu finden oben links auf dem Tastenfeld - ist das deutsche System sogar benannt. Aber warum sind die Zeichen eigentlich so angeordnet?

QWERTY stammt aus dem Jahr 1888

Das Grundgerüst des Tastatursystems ist schon über 100 Jahre alt. In den 1870er Jahren entwickelte der US-Amerikaner Christopher Latham Sholes die ersten Schreibmaschinen für die Massenfertigung, wie Karl Kronig, stellvertretender Direktor des Museums für Kommunikation in Bern berichtet. Sholes entwarf für diese frühen Modelle der Firma Remington das QWERTY-Layout, auf dem noch heute die meisten Tastaturen in der westlichen Welt fußen. Schon 1888 wurde QWERTY zum weltweiten Standard.

Die Anordnung der Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen des QWERTY-Layouts wählte Sholes vor allem nach ergonomischen und mechanischen Gesichtspunkten. Zum einen sollten die häufigsten Buchstaben des englischen Alphabets wie E, T oder A mit den Fingern gut erreichbar sein, erklärt Kronig. Sholes vermied deshalb, sie direkt nebeneinander zu platzieren. Seltener genutzte Buchstaben und Zahlen gruppierte er um die häufig genutzten herum. Da sich die Typenhebel der frühen Schreibmaschinen zudem noch sehr oft verhakten, wurden verbreitete Zeichenfolgen wie EH, TH oder ND nicht nebeneinander angeordnet.

Nationale Varianten

Vorschläge für eine andere Verteilung der Tasten gab es im Laufe der Jahrzehnte durchaus. "Durchsetzen konnte sich allerdings keiner", sagt Kronig. Neben der Macht der Gewohnheit war dafür auch ausschlaggebend, dass man mit QWERTY schneller tippen konnte als beispielsweise mit einer alphabetisch angeordneten Tastatur. Gleichwohl existieren in vielen Ländern nationale Varianten des QWERTY-Layouts: Weil im Deutschen zum Beispiel das Z häufiger vorkommt als das Y, wurde es zentraler neben dem T platziert. Umlaute wie Ä oder Ü finden sich zudem auf Tastaturen in anderen Ländern nicht.

Nicht starr für alle Ewigkeit

In Deutschland sei die Tastenanordnung durch die DIN-Norm 2137 festgelegt, erläutert Christian Herzog vom Branchenverband der Informationswirtschaft, Bitkom. Auch der Abstand zwischen den Tasten und die Belegung von Funktionstasten wie "F1", "Shift" oder "Alt" seien durch nationale und internationale Normen geregelt. Unantastbar ist dieser Kanon aber nicht: Hierzulande entscheidet etwa ein eigener Fachausschuss des Deutschen Instituts für Normung darüber, ob Neuerungen nötig sind. So wurden etwa im Laufe der Jahrzehnte das @-Zeichen oder das ¤-Symbol hinzugefügt. "Einer der jüngsten Neuzugänge ist das 'große ß', für das seit 2008 eine internationale Norm existiert", sagt Herzog.

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