Internettelefonie

VoIP-Handset unter der Lupe: Das carpophone II im Redaktionstest

Headsets sind vielen VoIP-Nutzern zu unbequem, weshalb zunehmend Handsets auf den Markt kommen. Der VoIP-Anbieter Carpo hat mit dem "Carpophone II" ein günstiges Gerät auf den Markt gebracht - und Irmgard Ulrich hat es getestet.

Internettelefonie© japolia / Fotolia.com

Internet-Telefonie liegt im Trend. Wurden noch vor Jahresfrist Endgeräte für IP-Telefonie nahezu als Exoten präsentiert, so sind VOIP-Telefone mittlerweile in jedem gut sortierten Elektronikmarkt zu haben. Was liegt näher, als ein aktuelles Modell einmal "auf Herz und Nieren" zu prüfen? Testkandidat ist das neue "Carpophone II", das per USB-Kabel mit dem PC verbunden wird und - laut Pressebericht - "Elemente der klassischen Telefonie mit modernster VOIP-Technologie vereint".

Frisch ausgepackt

Für 29 Euro erhält man ein schickes, handliches Telefon in Riegelform inkl. USB-Verlängerung, Bedienungs- und Installationsanleitung; die beiliegende CD enthält die passende Software "Carposoftphone" inkl. Plugin; als "Starthilfe" gibt's obendrauf noch einen Gutschein im Wert von zehn Euro.

Installation

Um die Software nutzen zu können, ist eine Registrierung bei Carpo erforderlich; ein kostenfreier Account genügt. Die Software lässt sich einfach und schnell von CD installieren; im Rahmen der Installation erfolgt die Abfrage von Benutzerdaten und schließlich die Aufforderung zum Anschluss der Hardware. Nach der darauf folgenden Installation des Plugins sollte das Handset funktionsbereit sein.

Soweit die Theorie; im Funktionstest sind allerdings unerwartete Hürden zu überwinden, die allesamt in Verbindung mit dem "Carposoftphone" stehen. Das Carpophone selbst, sprich: die Hardware, funktioniert tadellos, allein die Software sorgt immer wieder für Überraschungen. Insbesondere die Stimmenaufnahme und -wiedergabe innerhalb der Windows-Systemsteuerung wird mehrfach wie von Geisterhand verstellt oder gar stummgeschaltet. Letztendlich erklärt sich das Phänomen durch eine fehlerhafte Einstellung innerhalb der Mixer-Konfiguration des Carpo-Softphones und ist nach entsprechender Korrektur beseitigt. Die Fehlersuche gestaltet sich auch deshalb schwierig, da die programminterne Hilfe-Fragen zu diesen Einstellungen offen lässt und die Lösung erst durch zeitaufwendiges Trial-and-Error-Verfahren gefunden werden muss. Auf Nachfrage ist von Carpo immerhin zu erfahren, dass ein Update sowohl für die Software selbst als auch für die integrierte Hilfe bereits in Arbeit ist.

Sprachqualität

Die ersten Testanrufe zeigen ein recht einheitliches Bild; der Anrufer ist qualitativ gut zu verstehen, allerdings etwas leiser im Vergleich zum Festnetzgespräch, jedoch ebenso einheitlich begleitet von störenden Hintergrundgeräuschen, die als leichtes Rauschen oder Pfeifen wahrgenommen werden. Eine geänderte Einstellung innerhalb der Konfiguration der Software schafft schließlich auch hier Abhilfe, sodass letztendlich eine störungsfreie Kommunikation sowohl bei eingehenden als auch ausgehenden Gesprächen ermöglicht wird. Randbemerkung: bei Verbindungen zu VOIP-Anschlüssen wurden auch bei optimaler Konfiguration noch leichte Hintergrundgeräusche oder auch ein Echo wahrgenommen - Verbindungen zum Festnetzanschluss, ob analog oder ISDN dagegen waren ohne Fehl und Tadel. Ob dies tatsächlich repräsentativ ist, kann allerdings nur ein weiterer, umfangreicherer Test zeigen.

Fazit in Sachen Telefonie

Die Sprachqualität ist tatsächlich glasklar wie versprochen, allerdings bemängeln die meisten Gesprächspartner die verminderte Lautstärke (obwohl der Regler bereits auf maximaler Stellung positioniert ist). Der Anrufer selbst dagegen wird keinen Unterschied zur Festnetztelefonie feststellen: Sämtliche Gesprächspartner waren ausnahmslos klar und deutlich, störungsfrei und in angemessener Lautstärke zu verstehen.

Handhabung

Die Tastatur des Carpophones ist übersichtlich und großflächig genug angelegt, um eine zügige Eingabe der Telefonnummer zu gewährleisten, ohne sich zu vertippen. Leider zieht die Software nicht mit; die Reaktionszeit zwischen Eingabe und Annahme ist eindeutig zu lange - wenigstens war dies durchgängig beim Testgerät der Fall. Gewöhnungsbedürftig auch die Positionierung der "generellen Lautstärkeregelung" und der Mikrofon-Stummschaltung: beide sind gegenüberliegend auf der jeweiligen Schmalseite des Carpophones angebracht; die Betätigung einer Drucktaste führt in der Praxis nicht selten ungewollt zu Aktivierung der gegenüberliegenden. Zu guter Letzt: das Original USB-Kabel ist mit 75 cm recht kurz geraten; die ergänzende Verlängerung ist zwar gut gemeint, das Gewicht des Adapters an der Verbindungsstelle zieht aber in der Praxis das Carpophone mit sich. Ein von Haus aus längeres USB-Kabel hätte eine Verlängerung überflüssig und die Handhabung praxisfreundlicher gemacht - weniger wäre hier mehr gewesen.

Kompatibilität

Konzipiert ist das Carpophone "...als ideale Ergänzung des Carposoftphones." Ein letzter Test sei dennoch gestattet: Wie verhält sich das Handset in Kombination mit Softphones anderer Anbieter, beispielsweise mit Skype? Ein Test zeigt schnell: grundsätzlich ist ein Zusammenspiel möglich. Offenbar hängt die Qualität allerdings sehr vom jeweiligen, anwendungsorientierten Plugin ab - welches für Skype noch geschrieben werden müsste. Die wenigen Gespräche, die über dieses Softphone testweise geführt wurden, waren ausnahmslos begleitet von störenden Hintergrundgeräuschen bzw. Echo.

Gesamtfazit

Ein handliches VOIP-Telefon für unterwegs, das ohne zusätzliche Plugins allerdings nur in Verbindung mit dem Carposoftphone zu empfehlen ist.

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