Unterwegs in fremden Netzen

Urlaubs-Special: Was kostet mein Handy im Ausland?

Zwar sind dank der EU-Regelungen Handygespräche im Ausland vielfach billiger geworden, doch noch immer bleiben jede Menge Kostenfallen. Worauf man achten sollte und wie man sich vor Reiseantritt absichern kann, haben wir für Sie zusammengestellt.

FamilieMobil telefonieren im Ausland ist günstiger geworden, doch es lauern noch Kostenfallen.© goodluz / Fotolia.com

Wenn man nicht gerade ein exotisches Reiseziel ansteuert, ist man als Besitzer eines deutschen Handys im Ausland problemlos erreichbar.

Da die deutschen Netzbetreiber mit zahllosen ausländischen Anbietern sogenannte Roaming-Verträge abgeschlossen haben, kann man beinahe grenzenlos zwischen den Netzen hin und her wandern. Die Erreichbarkeit im Ausland hat dabei auch mit dem Gerätetyp zu tun. Alle Mobiltelefone sind heutzutage mindestens Dualband-Handys, das heißt, sie unterstützen die Mobilfunk-Standards GSM 900 und GSM 1800. Solange man hauptsächlich in Europa unterwegs ist, ist man mit solch einem Handy gut bedient. Bei Reisen nach Kanada, Nord- und Südamerika braucht man ein Triband-Handy, welches GSM-1900-tauglich ist. Quadband-Handys funktionieren in noch mehr Regionen. Ein Handy, das auf der ganzen Welt funkt, gibt es allerdings nicht.

Vor Reiseantritt sollte man sich zudem erkundigen, ob im Zielland die Notrufnummer 112 unterstützt wird. Hat man sich dann noch informiert, ob das Handy-Ladegerät auch im Urlaubsland eine geeignete Steckdose findet (nicht alle Geräte halten Spannungen von 240 Volt aus), sind die rein technischen Aspekte der Erreichbarkeit abgehakt. Die wichtigsten Fragen sind jedoch noch zu klären: Welche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Tarifen? Und was kostet das Mobiltelefonieren im Ausland eigentlich?

Mehr Wahlmöglichkeiten für Vertragstarifler

Vertragskunden haben im Ausland oft die besseren Karten. Zwar gibt es inzwischen auch für Prepaid-Kunden einen EU-weit einheitlichen Roaming-Tarif, doch Vertragskunden verfügen über die besseren Wahlmöglichkeiten. Viele Mobilfunker bieten zusätzliche Tarifoptionen an oder erlauben die Mitnahme der Tarifleistungen ins EU-Ausland, teilweise auch ohne Zusatzkosten.

Roaming steht aber längst auch Besitzern von Prepaid-Karten offen. Prepaid-Kunden sind in allen Netzen erreichbar, welche auch Vertragskunden offenstehen. Telefonieren können sie in den meisten Ländern, wobei das von den Netzbetreibern abhängig ist. Prinzipiell gilt: In allen Netzen, in denen man angerufen werden kann, ist auch das Senden und Empfangen von SMS-Nachrichten möglich.

Die Kostenfrage

Die EU-Tarife regeln die Roaming-Gebühren, indem sie Maximalwerte festlegen, die relativ günstiges Telefonieren gewährleisten. Die Mobilfunkanbieter dürfen auf die Kosten des heimatlichen Tarifs maximal fünf Cent pro Minute und Megabyte und höchstens zwei Cent pro SMS aufschlagen. Darüber hinaus dürfen ausgehende Handytelefonate maximal 19 Cent kosten, für eingehende Gespräche wird gut ein Cent pro Minute berechnet. Während der SMS-Empfang in den EU-Staaten kostenlos ist, kostete das Senden innerhalb der EU-Staaten maximal sechs Cent. Diese Grenzen dürfen auch inklusive Aufschlag auf den Heimattarif nicht überschritten werden.

In den Staaten außerhalb der EU ist das Telefonieren und SMS Versenden deutlich kostspieliger. Allerdings haben die Mobilfunker dafür spezielle Sondertarife im Angebot und auch bei den Discountern gibt es mittlerweile Anbieter, die sich auf günstiges Roaming spezialisiert haben. Auch für den Datenversand hat die EU inzwischen Obergrenzen festgelegt. Ohne die Zustimmung des Kunden darf das Daten-Roaming nicht mehr als 59,50 Euro kosten.

Wichtig: Bei Handygesprächen ist eine Taktung von 60/30, manchmal auch 60/60 üblich. Bei Auslandsgesprächen telefoniert man jedoch meistens mit einer deutlich schlechteren Taktung. Davon ausgenommen sind die von der EU regulierten Tarife. Diese rechnen bei ausgehenden Gesprächen nach den ersten 30 Sekunden sekundengenau ab. Bei eingehenden Gesprächen wird ab der ersten Sekunde sekundengenau abgerechnet.

EU-Roaming

Alles rund ums Konto

Prepaid-Kunden sollten ihr Guthaben nicht zu knapp bemessen. Selbst wenn man nicht vorhat im Ausland zu telefonieren, empfiehlt es sich über mindestens so viel Guthaben zu verfügen, dass ein Gespräch von der Länge eines Abrechnungstaktes geführt werden kann. Auf diese Weise bleibt man erreichbar. Außerdem darf die letzte Aktivierung des Guthabens oft nicht länger als ein Jahr zurückliegen. Die Betreiber handhaben die Auflademöglichkeiten im Ausland unterschiedlich. Bei Telekom Mobilfunk kann das Guthaben per Onlinebanking oder mit der Kreditkarte aufgeladen werden. Vodafone-Kunden können ihr Konto mit einer Guthabenkarte des ausländischen Vodafone-Netzes, direkt vom Bankkonto oder mit einer deutschen CallNow-Karte aufladen. Das Konto bei o2 kann per Onlinebanking oder mit Kreditkarte aufgeladen werden. Bei den hier genannten Anbietern (und bei den meisten anderen auch) kann der Kontostand abgefragt werden, indem man die *100# anruft.

Wichtige Einstellungen für alle Kunden

Überquert man mit dem Handy die Landesgrenze, bucht es sich automatisch in eines der Partnernetze des eigenen Netzbetreibers ein. Dabei können sich leicht höhere Gebühren einschleichen. Will man hohe Handyrechnungen vermeiden, ist es sinnvoll, vor Reiseantritt die Tarife zu vergleichen und die Netzwahl im Handy-Menü auf "manuell" umzustellen. Wer sich längere Zeit im Ausland aufhält oder viel telefoniert, für den könnte sich eine Prepaid-Karte von einem ausländischen Mobilfunkanbieter lohnen. Diese kann man teilweise bereits in Deutschland erwerben. Auch hier ist ein Preisvergleich sinnvoll, da die Tarife je nach Anbieter stark variieren. Führt man häufig Festnetzgespräche, ist außerdem eine Calling-Card zu empfehlen.

Kostenfalle Mailbox

SIM-KarteWer im Urlaub Handy-Kosten sparen möchte, für den kann sich eine Prepiadkarte für das jeweilige Reiseland lohnen. So ist man jederzeit mobil erreichbar und kann gleichzeitig günstig im Ausland und nach Deutschland telefonieren.© Xuejun li / Fotolia.com

Richtig teuer können Anrufe werden, die die Mailbox entgegennimmt. Dabei kann man zwischen zwei Mailboxeinstellungen wählen: die bedingte und die absolute Rufumleitung. Bei der bedingten Rufumleitung nimmt die Mailbox eingehende Anrufe nur entgegen, wenn niemand abhebt, das Handy besetzt oder ausgeschalten ist, oder kein Netz hat. Bei der absoluten Rufumleitung werden eingehende Anrufe direkt an die Mailbox beziehungsweise an eine beliebige Nummer weitergeleitet. Solange diese Einstellung aktiviert ist, wird kein Anruf durchgestellt, wohingegen SMS-Nachrichten weiterhin empfangen werden können.

Je nach Anbieter variieren die Kosten für die Mailboxnutzung. So bietet Vodafone beispielsweise Tarife, in denen das Abhören der Mailbox kostenlos ist. Bei anderen Anbietern ist die Rufumleitung an die Mailbox kostenlos, allerdings wird das Abfragen wie ein Gespräch nach Deutschland berechnet. Deshalb lohnt es sich die genauen Konditionen beim Mobilfunkanbieter zu erfragen. Darüber hinaus kann man die Mailbox auch während des Urlaubs deaktivieren. Prepaid-Kunden haben oftmals nicht die Möglichkeit, sich frei für eine Rufumleitung zu entscheiden. In einigen Fällen sind bestimmte Rufumstellungen bereits aktiviert und können nicht deaktiviert werden.

Gegen Geister-Roaming absichern

Wer zum ersten Mal mit der neuen SIM-Karte ins Ausland fährt und gar nicht mobil im Ausland gesurft hat, der sollte seine Handyrechnung genau kontrollieren. Es gab nämlich schon Fälle, in denen trotz abgeschalteter Datenverbindungen Kosten verbucht wurden – Fälle von sogenanntem Geister-Roaming. Das betrifft aber nur Nutzer, die ein LTE-Handy besitzen. Falls unklare Kostenpunkte auftauchen, sollte man seinen Provider kontaktieren. Schützen kann man sich, indem man die LTE-Funktion komplett ausschaltet. Datenroaming kann aber auch von vornherein über den Anbieter gesperrt werden.

Und wenn gar nichts geht?

Wenn man vom Urlaubsort absolut keine Verbindung nach Hause aufbauen kann, kann das verschiedene Ursachen haben. Möglicherweise liegt es an der Funkverbindung. Denn viele ausländische Netzbetreiber konzentrieren sich beim Ausbau des Netzes auf Touristenhochburgen und Strecken entlang der Hauptverkehrsadern. In den Ballungsräumen kann es schnell zu einer Netzüberlastung kommen, während in den übrigen Gegenden das Sendenetz schlichtweg unzureichend ausgebaut ist.

Oder die automatische Netzwahl des Handys funktioniert nicht und man muss sich manuell in ein Netz einwählen. Angesichts preiswerter Tarife ist die manuelle Netzwahl ohnehin zu empfehlen. Hält man sich nahe der deutschen Grenze auf, ist es unter Umständen sogar möglich sich in ein deutsches Netz einzuwählen.

An Verbindungsproblemen kann aber auch die Vorwahl schuld sein. Will man aus dem Ausland nach Deutschland telefonieren, darf man nicht vergessen die erste Null der Ortsvorwahl durch +49 zu ersetzen. Es empfiehlt sich Telefonnummern von Anfang an mit internationaler Vorwahl einzuspeichern, da diese Wählweise auch in Deutschland funktioniert und keine Mehrkosten verursacht.

Schließlich kann es sein, dass je nach Tarif die SIM-Karte erst für die Nutzung im Ausland freigeschaltet werden muss. Einige Anbieter erlauben das Roaming erst einige Wochen nach Aktivierung der SIM-Karte. Bei einem ganz neuen Tarif sollte man sich zur Sicherheit vorher informieren.

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