Elektromobilität

So umweltfreundlich sind Hybridautos wirklich

Hybridautos werden als umweltfreundlich und günstig angepriesen. Hält dieser Werbespruch jedoch einer Prüfung stand? Wie viel CO2 wird bei der Produktion und beim Fahren frei? So viel vorab: Die Null-Rechnung geht noch nicht so recht auf. Mehr dazu lesen Sie hier!

Hybridmotor© Boca / Fotolia.com

Es gibt mehrere Varianten von Hybridantrieben, die alle auf die Kombination mehrerer Techniken setzen. Wenn man heute von Hybridautos spricht, meint man in der Regel aber Hybridelektrofahrzeuge: Im Motorraum werkeln sowohl ein Elektro- also auch ein Verbrennungsmotor. Je nach aktueller Anforderung an das Fahrwerk arbeitet der eine oder andere. So wird der Stadtverkehr etwa mit dem Stromakku bestritten und bei der schnellen Autobahnfahrt wird automatisch auf den Verbrennungsmotor umgeschaltet. Besonders geeignet sollen Hybridautos für die Stadt sein – denn geringes Tempo, häufiges Halten und wieder Anfahren – das ist das Spezialgebiet des Elektromotors.

Damit der Akku des Hybridautos möglichst lange hält, werden Situationen wie etwa das Bremsen oder Bergabfahren genutzt, um den Akku-Stand wieder zu erhöhen. Aufgrund des Zusammenspiels der beiden Techniken gelten Hybridautos als umweltfreundlich, komfortabel und effizient. Die Schadstoffemissionen sollen sich so um mehr als 50 Prozent verringern lassen. Doch stimmt das wirklich? Kommt darauf an.

Umweltfreundlicher wird das Hybridauto mit Ökostrom

Läuft das Hybridauto mit Strom, fährt es nicht nur besonders leise, sondern stößt auch keine Schadstoffe aus. Wenigstens auf den ersten Blick. Denn irgendwo muss der Strom herkommen – und dieser kommt auch im Zeitalter der Energiewende häufig noch aus Kraftwerken, die alles andere als CO2-neutral sind. Zwar wird unser Stromsee immer grüner, hinter der durchschnittlichen Kilowattstunde Strom stehen jedoch immer noch 535 Gramm CO2. So verbraucht der VW Golf GTE laut "ADAC Eco Test" 3,3 Liter plus 7,0 kWh auf 100 Kilometer. Daraus ergibt sich eine CO2-Emission von ca. 115 Gramm pro Kilometer, was nicht unbedingt weniger ist als der CO2-Ausstoß eines sparsamen Verbrennungsmotors.

Wirklich CO2-arm fährt ein Hybridauto also nur, wenn der gespeicherte Strom aus einem Ökostromtarif stammt. Und selbst beim Ökostrom musste bei der Herstellung von Solarpanels, Windkraftwerken und anderem in Vorleistung getreten werden: Bei der Produktion der Energiegewinnungsanlagen werden ebenfalls CO2 und andere Schadstoffe freigesetzt. Bis sich die Techniken amortisieren, dauert es einige Jahre.

Außerdem muss bedacht werden, dass der weltweite Hunger nach Strom einem ständigen Aufwärtstrend unterliegt – und dieser bekommt durch das Aufkommen von Hybridautos einen zusätzlichen Schwung.

Batterien mit schlechter Umweltbilanz

Steht das Hybridauto erst mal vor der Tür und wird mit Ökostrom betankt, sieht der CO2-Ausstoß also gar nicht so schlecht aus. Gehen wir jedoch noch einmal zurück zur Herstellung des Wagens. Hierbei werden etwa die gleiche Menge CO2 und andere Umweltchemikalien freigesetzt wie bei einem normalen Verbrennungsmotor – plus der Produktion des zusätzlichen Elektromotors und dessen großer Batterie. In dieser kommen Metalle wie Kupfer, Kobalt, Nickel und Lithium zum Einsatz. Bezogen werden die Metalle häufig aus der Dritten Welt, wo sie unter hohem Energie- und Wasseraufwand abgebaut werden. So werden bei der Herstellung eines Plug-in-Hybrids rund neun Tonnen CO2 frei, ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor schlägt "nur" mit sechs Tonnen zu Buche.

Umweltfreundliche Hybridautos: Technik in den Kinderschuhen

Was nun also? Ist das Hybridauto umweltfreundlich oder nicht? Die innovative Technik ist eine gute Idee, an deren Umsetzung es jedoch noch hapert: Betrachtet man den alleinigen Fahrvorgang, ist man zwar vergleichsweise umweltfreundlich und CO2-arm unterwegs. Vergessen wird dabei jedoch häufig die hohe Umweltbelastung während der Herstellung des Fahrzeuges, dessen Strombedarf, der nur selten aus CO2-armen Quellen gedeckt wird, und nicht zuletzt die aufwändige Entsorgung des Fahrzeuges, wenn es seinen Lebensabend erreicht hat.

Die Forschung macht das Hybridauto umweltfreundlicher

An diesen Eckpunkten müsste sich somit noch einiges tun, um wirklich CO2-arm unterwegs sein zu können. So geht man derzeit davon aus, dass nach etwa acht Jahren ein Batterieaustausch fällig wird, die alte Batterie wird nur in geringem Maße wieder recycelt. Aber was wäre der Mensch, wenn er nicht an den Problemen arbeiten würde: So werden moderne Akkus immer langlebiger, die Energiedichte steigt und man forscht ausgiebig an Verfahren, Alt-Batterien wieder vollständig zu recyceln. Die Zeit und Forschung arbeitet also für die Hybrid-Technik.

Nach dem derzeitigen Stand kann man wohl festhalten, dass Hybridautos besonders für Stadtfahrer geeignet sind, die ihre Wagen mit Ökostrom tanken und nicht gerade zu Zeiten laden, wo ganz Deutschland Strom benötigt – denn diese Leistungsspitzen werden häufig mittels Kohlekraft ausgeglichen. Was sich in den kommenden Jahren auf dem Markt der Elektromobilität tun wird, bleibt abzuwarten.

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