Discounter-Schnäppchen

Testbericht: DSL und VoIP von Lidl

Der Discounter Lidl hat mit seinem DSL- und VoIP-Angebot den Markt ins Rollen gebracht: Praktisch ohne Vertragsbindung geht's auf Basis eines T-DSL-Anschlusses ins Netz. Irmgard Ulrich hat ihren alten Provider verlassen und das neue Angebot getestet. Fazit: die richtige Entscheidung.

LIDL© LIDL

Internetnutzer, die schon etwas länger auf der DSL-Welle surfen, kennen das Problem: Das Paket beim bisherigen Provider ist zu teuer, der Support allenfalls mäßig und wenig individuell, die Hotline schwer erreichbar oder kostspielig. Kurzum: Der Gedanke an einen Wechsel liegt nahe.

Starterpaket für knapp 20 Euro

Da sticht das Angebot des Discounters LIDL im aktuellen Verkaufsprospekt direkt ins Auge: Gerade mal 20 Euro für ein Starterpaket, das einen T-DSL-Zugang sowie eine DSL-Flatrate beinhaltet. In den ersten drei Monaten bleibt das Ganze kostenfrei, danach wird eine monatliche Gebühr fällig, die leicht unterhalb des Durchschnitts vergleichbarer Anbieter liegt. Es gibt eine City-Flatrate in 28 Städten und eine deutschlandweite Flatrate. Das Besondere daran: Es gibt keine endlos langen Vertragslaufzeiten; der DSL-Zugang ist bei Bedarf innerhalb weniger Tage kündbar, die Flatrate – beim neuen Anbieter Carpo – jeweils binnen Monatsfrist.

Der einzige Nachteil auf den ersten Blick: Die benötigte Hardware wird nicht gesponsert; wer noch kein DSL-Modem oder einen passenden Router sein eigen nennen kann, muss noch mal 89 Euro hinlegen, um das Paket mit einem passenden Gerät zu komplettieren. Für den eigenen Test freilich kein Hindernis: Zuhause wartet bereits ein Router aus einem vorangegangenen Vertragsverhältnis ungeduldig darauf, erneut in Betrieb genommen zu werden.

DSL aus dem Supermarkt? Warum nicht!

DSL vom Discounter? Mancher wird davor zurückschrecken, nicht zuletzt, da Carpo als Anbieter der Flatrate nicht gerade eine bekannte Größe darstellt. Aber in Zeiten, da es üblich geworden ist, den heimischen PC beim Konkurrenz-Discounter zu erstehen, die Kurzreise schon mal beim örtlichen Kafferöster gebucht wird und die Prepaid-Karte des Handys an der Kasse des Supermarkts aufgeladen wird, sollte auch ein solches Angebot seine Käufer finden; immerhin stellt hier die T-Com – und kein Reseller - den DSL-Anschluss.

Am "D-Day" geht's also in aller Frühe in die örtliche Lidl-Filiale - her mit dem Startpaket! Wieder zuhause, wird umgehend die enthaltene – kostenfreie – Telefonnummer zur Anmeldung bemüht. Leider erfolglos; die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung erklärt, das System sei bereits überlastet und nehme keine Daten mehr an. Man möge es doch bitte abends noch einmal versuchen.

Am Abend? Gegen 13 Uhr ist ein erneuter Versuch von Erfolg gekrönt: Innerhalb von fünf Minuten steht die Anmeldung! Die Zutaten: Name, Adresse, Bankverbindung, Telefonnummer, Kundennummer (auf der Telekom-Rechnung) und der im Startpaket enthaltene Code. Die Freischaltung soll etwa sieben Tage dauern. Auch die Zugangsdaten inklusive des Splitters sollen innerhalb dieser Zeit in der Post sein. Bemerkenswert: die Bandbreite kann frei gewählt werden; je nach örtlicher Verfügbarkeit sind bis zu 16.000 kbit/s möglich. Ein kleiner Wermutstropfen für alle Interessenten, an deren Standort nicht mehr als 1.000 kbit/s verfügbar sind - hier wird ausnahmsweise eine einmalige Bereitstellungsgebühr von 49,95 Euro fällig. Andererseits sind beim 1000er-Zugang jedoch sechs Monate DSL-Flatrate und ein G-DATA-Sicherheitspaket inbegriffen.

VoIP gibt's auch als Postpaid-Variante

Soweit, so gut. Die ebenfalls beworbene Phone-Flat via Internet-Telefonie (Voice-over-IP) ist für "Normaltelefonierer" weniger interessant, kann aber natürlich später zugebucht werden. Auf Nachfrage stellt sich im Übrigen heraus, dass man VoIP auch ohne Flat-Tarif nutzen kann: Als Carpo-Kunde besitzt man "automatisch" einen so genannten Internet-Telefonie-Account im Status "Postpaid". Will heißen: Alle anfallenden Gebühren werden im Lastschriftverfahren vom angegebenen Konto eingezogen. Sehr bequem. Die Sprachqualität des VoIP-Angebots ist übrigens gut und gibt keinerlei Anlass zu Kritik.

Auch die VoIP-Tarife können sich sehen lassen. Gespräche ins deutsche Festnetz werden mit einem Cent pro Minute abgerechnet, Gespräche in deutsche Mobilfunknetze kosten durchweg 16,9 Cent je Minute.

Nun heißt es: Abwarten.

Genau sieben Tage später befinden sich tatsächlich drei Mitteilungen im Briefkasten. Zunächst ein Brief von Carpo mit sämtlichen Zugangsdaten. Sodann ein Brief bzw. eine Rechnung der Telekom mit der Bestätigung des DSL-Anschlusses inkl. der Ankündigung, dass der Anschluss vier Tage später freigeschaltet wird. Außerdem eine Postbenachrichtigung bezüglich des Splitters, der ab sofort im örtlichen Postamt abholbereit ist.

Ein positive Überraschung sind die Rechnungspositionen von T-Com: Sowohl die Bereitstellungsgebühr in Höhe von knapp 100 Euro als auch die ersten drei Monatsbeiträge sind hier bereits gutgeschrieben – es muss also nichts vorfinanziert werden, wie man es von anderen Anbietern mitunter kennt.

Echte Festnetznummer inklusive

Eine zweite angenehme Überraschung findet sich im Schreiben von Carpo: Bestandteil des Angebots ist eine zweite Festnetznummer mit realer Ortsvorwahl. Damit ist man also über zwei Festnetznummern erreichbar – und das bei einem einfachen analogen Telefonanschluss! Bisher klappt alles fast ein bisschen zu gut...

Vier Tage später soll es soweit sein. Das Anschließen und Einrichten der Hardware ist recht einfach, auch hier ein Lob an Carpo: Auf der Unternehmens-Website finden sich informative und anschauliche Konfigurationsanleitungen für die gängigen Modelle, die sich auch auf ältere Router übertragen lassen. Schnell noch das analoge Telefon anschließen, die entsprechenden Einträge für VoIP vornehmen und das Erleuchten des DSL-Signals abwarten – fertig ist der neue DSL-Zugang.

Parallel dazu wird der Support getestet. Und auch hier eine positive Überraschung: Sowohl die Hotline als auch der Support per E-Mail glänzen mit guter Erreichbarkeit bzw. schneller Antwort, Freundlichkeit und Kompetenz. Nur bei der ersten Anfrage per E-Mail ließ sich Carpo etwas Zeit - für deren Beantwortung benötigte der Support geschlagene drei Tage. Die letzte Anfrage dagegen wurde innerhalb von 90 Minuten beantwortet.

Fazit

Ein echtes DSL-Schnäppchen für Einsteiger, die bereits über die nötige Hardware verfügen, ebenso geeignet für Wechsler – denen allerdings unter Umständen aufgrund des Wechsels zeitweise kein DSL zur Verfügung stehen könnte. Dieses Problem kann allerdings bei jedem Wechsel zwischen unterschiedlichen DSL-Anbietern auftreten. Vor allem aber eine echte Alternative für alle, die sich mit ein- bis zweijährigen Vertragsbindungen nicht länger abfinden wollen.

Irmgard Ulrich, E-Mail: i-ulrich (at) freenet (dot) de

Mehr zum Thema
  • DSL anschließen

    DSL-Anschluss

    Die meisten Internetzugänge werden in Deutschland über DSL realisiert. Der Begriff DSL (Digital Subscriber Line) bezeichnet eine Art von Übertragungsstandard, bei der Daten mit einer hohen Geschwindigkeit gesendet und empfangen werden können.

    weiter
  • Internetanschluss

    Router

    Wer mit mehreren Endgeräten über einen DSL-Anschluss ins Internet gehen möchte, der benötigt mehr als ein einfaches Modem. Hier kommt ein DSL-Router ins Spiel, mit dem man sich ein eigenes Heim-Netzwerk aufbaut.

    weiter
  • Tarifvergleich

    DSL-Geschichte

    Ende der 90er Jahre setzte sich eine neue Technologie durch, die deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten im Internet versprach – DSL. Auch heute noch ist DSL die am häufigsten genutzte Breitband-Technik in Deutschland.

    weiter
  • Voice over IP

    VoIP

    Mit dem Siegeszug des Internets kam auch die Telefonie über dieses. Schon lange benötigt man nicht mehr einen "echten" Telefonanschluss, um einen Plausch mit der Freundin zu halten. Was es mit der Internettelefonie auf sich hat, erfahren Sie hier.

    weiter
Top