Verquickungen

Telekom, arena und die Bundesliga: Wieviel Einfluss darf sein?

Mit der Neuordnung der Übertragungsrechte für die höchste deutsche Fußball-Klasse wurde zwar geklärt, wer die Bundesliga künftig senden darf. Doch noch weiß niemand, welche Folgen der Einfluss von Unitymedia und Deutscher Telekom wirklich haben wird. Dürfen Netzbetreiber auch Inhalte anbieten?

Bundesliga© Doc Rabe Media / Fotolia.com

In den letzten Wochen und Monaten hatte es viel Wirbel um die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga gegeben. So langsam klären sich die Fronten: Das Kabel-Konsortium arena bekommt den Löwenanteil der Rechte, dafür darf die Telekom übers Internet übertragen und dem Fußball-Oberhaus einen neuen Namen geben. Doch damit ist das Thema noch lange nicht vom Tisch, denn die Neuvergabe der Rechte hatte tiefgreifende Veränderungen zur Folge.

Komplette Neuordnung

Noch vor kurzem war alles ganz einfach: Premiere übertrug die Spiele live über Kabel und Satellit, etwas anderes gab's nicht. Und vor allem: Andere Anbieter gab's nicht. Jetzt gibt es mit IP-Fernsehen via VDSL nicht nur einen neuen Übertragungsweg, vor allem mischen neben Premiere noch zwei andere mit, die als Infrastrukturanbieter ganz andere Interessen mitbringen: die Deutsche Telekom und der Kabelverbund arena. Medienwächter sehen diese Entwicklung mit großer Sorge.

Liefert etwa die Telekom nur die Technik, oder nimmt sie auch Einfluss auf das Programm? Zwar hat der Sender Premiere die Übertragungslizenz und nicht die Telekom, doch der Magenta-Konzern kümmert sich beileibe nicht nur um den technischen Background. Dass eine inhaltliche Einflussnahme der Bonner angedacht ist, zeigt sich beispielsweise durch die Verpflichtung von Fußball-Gott Franz Beckenbauer als Testimonial und Kommentator in Personalunion. Doch Premiere betont gebetsmühlenhaft, die alleinige Verantwortung für die Bundesliga-Berichterstattung zu tragen.

Die Machtposition von arena

Im Falle des arena-Konsortiums jedoch, das für die Übertragung auf herkömmlichem Weg via Kabel und Satellit verantwortlich ist, sind die Bedenken noch deutlich größer. Schließlich steht hinter arena zu 100 Prozent die zweitgrößte deutsche Kabelnetzgesellschaft Unity Media, hier hat also der Infrastrukturanbieter die Lizenz gleich selbst erworben - und eine erhebliche Marktmacht aufgebaut.

Dürfen Netzbetreiber also solche Inhalte anbieten, oder ist das grundsätzlich problematisch? Und wenn ja, müssen sie diese Inhalte dann auch der Konkurrenz zur Verfügung stellen? Angesichts solcher Bedenken und der kompletten Neuordnung bei den Übertragungsrechten ist eine Anpassung der Mediengesetze in diesen Punkten wahrscheinlich. Sollten sich die Bedenkenträger durchsetzen, müsste die Telekom die Bundesliga wohl auch ihren DSL-Konkurrenten anbieten.

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