Geld und Ausbildung

Studium finanzieren ohne BAföG: Welche Möglichkeiten gibt es?

Studieren ohne BAföG? Und nun? Ebbe im Geldbeutel muss nicht sein, man muss sich nur zu helfen wissen. Wohngeld, Kindergeld, Nebenjob oder Stipendium – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Studium auch ohne BAföG-Zahlungen zu stemmen.

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Studieren bedeutet für die meisten der Auszug aus dem Elternhaus und das erste Mal einen eigenen Haushalt führen. So sind auch zahlreiche Kosten für Lebensmittel, Wohnung, Strom und Wasser zu tragen – und für gelegentliche Kinobesuche und Partys sollte es auch reichen.

Da nur die wenigsten fürs Studieren bezahlt werden, ist im Geldbeutel häufig Ebbe. Die erste Anlaufstelle ist für viele Studenten daher das BAföG-Amt. Nicht jedem wird jedoch diese Förderung genehmigt. Von einem negativen BAföG-Bescheid oder nur geringen Zahlungen muss man sich nicht das Studium vermiesen lassen. Häufig finanzieren junge Menschen ihr Studium, wenn sie kein BAföG (mehr) bekommen, mit einer Kombination der folgenden Einkommensquellen.

Unterhalt von den Eltern

Ein Grund, dass BAföG verwehrt wird, liegt häufig im zu hohen Einkommen der Eltern. Bis zur Beendigung der ersten Ausbildung, also bis zum Abschluss des Erststudiums, sind die Eltern im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für den Unterhalt des Kindes verpflichtet. Am besten man spricht mit seinen Eltern gemeinsam über die finanzielle Unterstützung während des Studiums. Notfalls kann man die Unterhaltszahlung auch vor Gericht einklagen.

Wohngeld

Wem BAföG nicht zusteht oder wer BAföG nur in Form eines Bankdarlehens erhält, der kann es mit Wohngeld versuchen. Bevor man jedoch Wohngeld beantragen kann, muss man einen BAföG-Antrag gestellt haben. Mit dem ablehnenden BAföG-Bescheid kann man sich dann auf den Weg zur Wohngeldbehörde machen. Wie hoch der potenzielle Zuschuss ist, hängt unter anderem von den Mietkosten des Wohnortes, der Bewohneranzahl und dem Einkommen ab.

Kindergeld

Als Ergänzung zum BAföG oder alleinstehen: Das Kindergeld. Jeder, der sich im Erststudium befindet, unter 25 (in Ausnahmen auch 26) Jahre alt ist und nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeitet, hat ein Recht darauf. Für das erste und zweite Kind sind es 2017 immerhin 192 Euro monatlich. Dabei wird das Geld grundsätzlich an die Eltern gezahlt. Wer von zu Hause ausgezogen ist oder sich mit seinen Eltern verkracht hat, kann sich das Kindergeld auch direkt auf sein Konto überweisen lassen.

Jobben

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Nicht zuletzt kommt man natürlich an Geld, indem man einen Nebenjob annimmt. Das hat den weiteren Vorteil, dass man wertvolle Praxiserfahrung sammeln kann und nicht ohne jegliche Berufserfahrung am Ende des Studiums dasteht. Häufig ist das Jobben in der jeweiligen Studienrichtung möglich – an der Uni werden zahlreiche Studentenjobs angeboten. Zwar ist es gut, ein Stück weit seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, nicht vergessen sollte man jedoch, dass dazu Zeit nötig ist, die man vielleicht im Studium andernorts gebrauchen könnte. Besonders in Stoßzeiten wie in der Prüfungsvorbereitung kann ein Nebenjob schon mal hinderlich sein. Daher sollte man sich vor der Annahme eines Jobs gut überlegen, wie viel Zeit man für diesen aufwenden kann, ohne dass das Studium leidet.

Wie viel darf ich dazu verdienen?

Einkommensgrenzen interessieren nicht nur, wenn man BAföG oder andere Sozialleistungen des Staates bezieht. Auch in anderen Belangen wie etwa bei der Steuererklärung kann es sinnvoll sein, unter einem gewissen Satz zu bleiben. Wer nicht mehr als 450 Euro monatlich, also 5.400 Euro brutto im Jahr, verdient, kommt mit der Lohnsteuer nicht in Berührung und muss keine Steuererklärung abgeben. Auch besteht so keine Versicherungspflicht für Pflege- und Arbeitslosenversicherung – eine Krankenversicherung hingegen braucht jeder Student. Meistens ist eine solche über die Familienversicherung möglich.

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Stipendium

Ein Stipendium ist nur was für Überflieger? Mitnichten! Förderangebote gibt es nicht nur für die besten des Studienjahrgangs, sondern auch für anderweitig besonders Engagierte oder Studenten spezieller Fachrichtungen oder Hochschulen. So werden beispielsweise auch Auslandsaufenthalte im Rahmen des Studiums gefördert. Anlaufpunkt sind daher nicht nur die großen Förderwerke wie die Studienstiftung, sondern auch kleinere und lokale Förderwerke. Bei der Förderhöhe orientieren sich die meisten Förderwerke am BAföG-Satz, es gibt aber auch Einrichtungen, die das Studium "nur" bezuschussen, etwa in Form eines saftigen Büchergeldes.

Der Vorteil von Stipendien ist, dass diese nicht zurückgezahlt werden müssen. Somit sollte sich auf jeden Fall immer damit befasst werden, ob ein Stipendium möglich ist, selbst wenn eine BAföG-Förderung besteht. Den höheren Aufwand sollte man dafür in Kauf nehmen.

Zinsentwicklung

Kredite

Wem immer noch Geld fehlt, der kann sich nach Krediten umschauen. Diese gibt es zum einen als Bildungskredit vom Staat über die KfW-Bank, welche maximal für 24 Monate 300 Euro auszahlt. Eine Rückzahlung wird vier Jahre nach Erstauszahlung fällig. Die Zinsen sind hier recht moderat und werden halbjährlich angepasst. Privatwirtschaftliche Studienkredite gibt es viele und man sollte sich in jedem Fall schlau machen, welcher Kredit für einen persönlich am besten geeignet ist. Auch schadet nie eine Nachfrage an der eigenen Uni – hier gibt es teilweise unispezifische Fonds, aus denen man Zahlungen erhalten kann. Die Zinssätze und auch die Regelung zu der Rückzahlung variieren sehr stark. Nach einer bestimmten Zeit wird eine Rückzahlung fällig, je nach Anbieter direkt nach Ende der Auszahlung oder nach x Jahren.Dabei ist es egal, ob man aktuell Geld hat oder nicht. Besser ist eine einkommensabhängige Rückzahlung. Auf einen Kredit sollte man also besser nur im Notfall zurückgreifen.

Fürs Studieren bezahlen lassen

Weitere Möglichkeiten an Geld während des Studiums zu kommen, bestehen darin, sich das Lernen einfach vom Betrieb bezahlen zu lassen. Die Stichworte sind duales und berufsbegleitendes Studium oder Studieren bei der Bundeswehr. Beim berufsbegleitenden Studium wird normal gearbeitet und nebenher studiert, beim dualen Studium unterscheiden sich die Regelungen je nach Betrieb. Gängig ist beispielsweise, dass man während der Vorlesungszeit ganz normal studiert und in den Semesterferien im Unternehmen arbeitet oder nebenher eine Ausbildung im Unternehmen absolviert. Wer sich für mindestens 13 Jahre zum Wehrdienst verpflichtet und für das Studium an einer der beiden Bundeswehr-Unis zugelassen wird, muss sich über die Finanzierung ebenfalls keine Gedanken machen.

Gut mit dem Geld haushalten

Abschließend noch ein paar Worte zum Haushalten mit Geld: Vielleicht genauso wichtig wie die Herkunft des Geldes ist der Umgang mit dem vorhandenen Geld. Es gibt zahlreiche Spartipps, wie man auch mit wenig Geld über die Runden kommt. Beispielsweise lohnt sich nahezu immer ein Preisvergleich: Egal, ob das nun bei der Wohnungswahl, dem Internet- und Handytarif oder aber beim Einkaufen im Supermarkt ist. Auch gibt es zahlreiche Vergünstigungen für Studenten, die man nutzen sollte. So gibt es beispielsweise extra günstige Studentenkonten bei der Bank, das Essen in der Mensa ist unschlagbar billig, Rabatte winken bei den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Messebesuchen. Sparen lässt sich überall und notfalls kann man auch mal auf die neuesten Schuhe oder die tolle Jeans verzichten, um das Geld lieber in den nächsten Urlaub oder Konzertkarten zu stecken.

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