Rückstände

So verhindert man eine drohende Stromsperre

Energiearmut grassiert – immer mehr Haushalte können angesichts steigender Preise für Strom und Gas ihre Rechnungen nicht mehr zahlen. Wenn es bei eng wird, sollte man sich lieber frühzeitig um eine Lösung bemühen, sonst droht die Stromsperre.

Stromrechnung© Eisenhans / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - "Wenn die monatlichen Abschläge gerade noch bezahlt werden können, ist dann bei hohen Nachforderungen aus der Jahresendabrechnung für viele der Ofen aus", schlägt die Verbraucherzentrale NRW angesichts einer steigenden Zahl von Energieschuldnern Alarm. "Kündigt der Versorger wegen der Zahlungsrückstände bereits die Stromsperre in den nächsten Tagen an, wird es zumindest schwierig, den Knock-out für Licht, Kühlschrank, Radio und Co. abzuwenden." Folgende Tipps helfen beim Finanzmanagement:

Miete, Strom und Heizung immer zuerst bezahlen

Grundsätzlich gilt: Auch wer noch so knapp bei Kasse ist, sollte Miete und die Kosten für Strom und Heizung immer vor allen anderen Verpflichtungen bezahlen. Bei Rückständen empfiehlt es sich, umgehend Hilfe bei Verbraucherzentralen, Schuldnerberatungen, kirchlichen Trägern und Jobcentern bzw. Sozialämtern zu suchen. Je früher, umso größer die Chance, Kündigung und Stromsperren zu vermeiden. Wenn der Energieversorger bereits androht, die Versorgung zu kappen, bleibt nur noch wenig Zeit für Lösungssuche!

Wann darf der Strom abgestellt werden?

Laut Kleingedrucktem der Stromlieferverträge (Grundversorgungsverordnung für Stromkunden, kurz StromGVV) dürfen Versorger die Stromlieferung kappen, wenn der Kunde seine Abschläge oder die Endabrechnung nicht fristgerecht bezahlt hat und diese Rückstände auch auf eine Mahnung hin immer noch nicht beglichen sind. Die Miesen müssen mindestens 100 Euro betragen. Außerdem ist der säumige Zahler vier Wochen vorher über die bevorstehende Sperre zu informieren, drei Tage vor der Stromabschaltung muss der Versorger diese nochmals konkret ankündigen und deren genauen Zeitpunkt benennen.

Persönliches Gespräch suchen und verhandeln

Weil Versorger prüfen müssen, ob die Zahlung nicht mit milderen Mitteln als einer Stromsperre gesichert werden kann, lohnt es sich zu verhandeln. Viele Unternehmen bieten auf Nachfrage die Möglichkeit, Außenstände in Raten abzuzahlen. Ein Anruf oder persönliches Gespräch mit der Kundenberatung kann Klarheit bringen. Auch hier ist schnelles Handeln der Schlüssel, um die Weiterbelieferung zu sichern.

Härtefälle geltend machen

Bei einer drohenden Stromsperre kann der Kunde auch darauf verweisen, dass deren Folgen in keinem Verhältnis zum bestehenden Rückstand stehen. Dies ist zum Beispiel ein gewichtiges Argument, wenn die Miesen absehbar ausgeglichen werden, weil beispielsweise Dritte die Zahlung übernehmen. Stromsperren können auch unverhältnismäßig sein, wenn dadurch Versorgungsleitungen im Winter einzufrieren drohen.

Aber auch wenn ältere bettlägerige Personen oder Kleinkinder ohne Strom dastehen oder mangels Heizung gesundheitliche Beeinträchtigungen der Bewohner zu befürchten sind, muss der Strom weiter fließen. Das gilt auch, wenn sonst die lebensnotwendige medizinische Versorgung zu Hause (Heimdialyse, Beatmungshilfe usw.) zusammenbricht oder die Existenzgrundlage ins Rutschen gerät, weil etwa am heimischen Arbeitsplatz das Telefon abgeschaltet ist, Heimarbeit im Dunkeln zum Erliegen kommt oder eine Examensarbeit mangels Energie scheitern kann.

Hilfe suchen beim Jobcenter oder Sozialamt

Wer Arbeitslosengeld II (ALG II) bekommt, muss die Stromkosten grundsätzlich aus dem Regelsatz bestreiten. Doch kann beim Jobcenter ein Antrag auf Übernahme der Stromschulden gestellt werden. Bei laufendem ALG-II-Bezug wird dies dann in der Regel auf Darlehensbasis gewährt. Arbeitnehmer mit geringem Einkommen können beim Sozialamt eine Übernahme der Energiekosten prüfen lassen: Hier gilt, dass diese bei voller Erwerbstätigkeit nicht schlechter gestellt werden sollen als ALG-II-Empfänger.

Den Energieverbrauch herunterfahren

An der Kostenschraube in Sachen Strom kann mit wenigen Handgriffen gedreht werden. Locker 80 Euro im Jahr sind an Ersparnis drin, wenn bei heimlichen Stromfressern der Stecker gezogen wird. So fressen Fernsehgeräte und DVD-Player im Stand-by-Betrieb ebenso unnötig Energie wie Ladegeräte von Handy und Co., die unter Strom stehen, selbst wenn Telefon oder Elektrozahnbürste aufgeladen sind. Auch beim Waschen, Trocknen, Kochen, Kühlen und Gefrieren kann Energiedieben durch einfache Kniffe das Handwerk gelegt werden. Übrigens: Einkommensbenachteiligten Haushalten helfen einige Versorgungsunternehmen mit Finanzspritzen beim Kauf besonders stromsparender Haushaltsgeräte.

Informationen und erste Hilfestellungen rund ums Thema Energiesperren sowie Energie- und Stromsparberatungen gibt es in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW.

Zusatztipp: Stromanbieter oder -tarif wechseln

Eine Möglichkeit, Energiekosten zu sparen, ist natürlich auch ein Stromvergleich und Wechsel des Stromanbieters. Natürlich wird man eventuelle Schulden beim alten Versorger dadurch nicht los, jedoch hilft diese Maßnahme, die Kosten künftig zu reduzieren. Ein Problem für Bedürftige kann sich hier jedoch ergeben, wenn der gewünschte Anbieter, wie viele das tun, vorher die Bonität des potenziellen Kunden überprüft. Hat man Schulden oder sprechen andere Faktoren dafür, dass man schlecht abschneidet, kann es sein, dass der neue Anbieter den Vertrag ablehnt. In dem Fall hat man noch die Möglichkeit, sich nach einem günstigeren Vertrag beim Grundversorger zu erkundigen, hier gibt es oft Alternativen.

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