Ratgeber

Stiftung Warentest: Den richtigen Stromtarif finden

Wer die Wahl hat, der hat bekanntlich die Qual. Bei etwa 940 Stromanbietern kommen leicht über 10.000 Stromtarife zusammen – wie soll man daraus den günstigsten oder den passendsten finden? Stiftung Warentest gibt Tipps für die richtige Wahl des Stromtarifs.

Stromrechnung© Sergej Toporkov / Fotolia.com

(ddp) - Im Dickicht der Tarife finden sich Preisgarantien, Vorauskasse, Bonusmodelle und Paketpreise. Wer da für sich die richtige Wahl treffen will, braucht einiges an Durchblick. Die meisten Menschen halten den Stromtarif für sich am besten, der am günstigsten ist, so Energie-Experte Thomas Müller von der Stiftung Warentest in Berlin. Andererseits schauen nach seinen Worten viele nicht mehr nur auf den Preis, sondern interessieren sich auch dafür, woher denn der Strom kommt, aus dem Kernkraftwerk oder vom Windrad. Es gibt Strom allein aus alternativen Energiequellen oder einen Mix aus Wasser-, Kohle- und Atomkraft.

Servicequalitäten sind nicht zu unterschätzen

Die Stiftung Warentest hat exemplarisch die Tarife von Vertriebsgesellschaften und Discountunternehmen der vier größten deutschen Stromversorger, von regionalen Anbietern und von konzernunabhängigen, reinen Ökostromanbietern verglichen. Außerdem haben die Tester die Tarifbedingungen auf Verbraucherfreundlichkeit geprüft und mit verdeckten Anrufen und E-Mails getestet, wie diese Stromanbieter ihre Kunden beraten und welche Informationen sie im Internet bereitstellen, schildert Testleiter Achim Schröder. Denn wer schon einmal stundenlang in der Warteschleife einer Hotline verbracht habe oder sich darüber ärgerte, dass er wegen langer Vertragslaufzeit nicht zu einem günstigeren Anbieter wechseln konnte, der achte bei der Wahl auch auf Service und Vertragsbedingungen.

Entscheidungshelfer: Stromrechner

Der einfachste Weg, ein Angebot im eigenen Tarifgebiet zu finden, ist den Jahresverbrauch und die Postleitzahl in einen Online-Stromtarifrechner einzugeben, empfehlen die beiden Experten. Der Verivox-Rechner, den sie auch hier auf Tarife.de finden, zeigt dann eine Liste mit den preisgünstigsten Stromtarifen. Die Vertragsbedingungen sollten dann nach folgenden Kriterien geprüft werden: Laufzeit, Kündigungsfrist, Zahlungsmodalitäten, Preisgestaltung und Serviceumfang, so Thomas Müller.

Lange Vertragslaufzeiten, lange Bindung

Besonders wichtig sei, dass man sich durch einen Vertrag nicht allzu lange an einen Stromanbieter bindet. Denn so bleibt man flexibel und kann stets auf bessere Angebote im Markt reagieren. Die Warentester fanden aber schnell heraus, dass es preisgünstige Verträge meist nur mit einer Mindestlaufzeit von einem Jahr gibt. Auch die Kündigungsfristen betragen oftmals acht Wochen oder sogar drei Monate. Wird der Termin verpasst, verlängert sich der Vertrag dann um ein weiteres Jahr.

Immerhin müssen Anbieter ein Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen einräumen. Dies müsse aber fast immer kurzfristig wahrgenommen werden. Daher ein Tipp: Wenn der den Stromanbieter wegen einer Preiserhöhung gewechselt werden soll, kündigt man am besten selbst. So kann man sicher stellen, dass die Frist eingehalten wird. Ansonsten sei es besser, den neuen Anbieter alle Formalitäten erledigen zu lassen.

Preisgarantien unter sechs Monaten sind unrentabel

Mit Preisgarantien lockt nach Müllers Angaben heute fast jeder Stromanbieter. Häufig sind es zwölf Monate oder länger, mitunter aber auch nur drei Monate. Letzteres lohne sich kaum. Im besten Fall werde der gesamte Bruttopreis garantiert, also Grundpreis plus Arbeitspreis. Man sollte auch darauf achten dass die Garantie erst ab Lieferbeginn anfängt und nicht schon bei Vertragsabschluss, so Müller.

Stromtarife besser ohne Vorkasse

Was die Zahlungsmöglichkeiten angeht, sei ein monatlicher Betrag ohne Vorauskasse laut Schröder am verbraucherfreundlichsten. Tarife mit Vorkasse oder Sonderabschlägen seien zwar oft günstiger, doch wenn es Ärger gebe, laufe man seinem Geld mitunter lange hinterher. Tarife mit festen Kilowattstundenpaketen eignen sich laut Schröder nur für Haushalte, die ihren Stromverbrauch genau einschätzen können. Denn wer mehr verbraucht, als im Paket vereinbart, zahlt dafür den teureren Mehrverkaufspreis und wer weniger verbraucht, bekommt keinen Cent zurück. Auch bei versprochenen Bonuszahlungen sei Vorsicht geboten, sagt der Fachmann. Schon mehrfach hätten Stromkunden berichtet, dass Boni gar nicht oder erst sehr spät gezahlt wurden. Daher ist es angebracht, die Preise ohne den möglichen Bonus gegenüber zu stellen. So werde auch klar, was der Tarif im nächsten Jahr kostet.

Ökostromanbieter schneiden beim Service am besten ab

Die Preise für Ökostrom sind nach Angaben der Warentester heute mit denen für konventionellen Strom vergleichbar. Zudem schnitten die Anbieter, die zu 100 Prozent regenerativ erzeugten Strom liefern, bei Beratung und Service per Telefon und E-Mail am besten ab. Diese seien gut erreichbar und antworten meist kompetent, lobt Testautor Thomas Müller. Problematisch für Verbraucher sei, dass es für Ökostrom keine allgemein gültige Definition gibt. So bieten manche Unternehmen konventionellen Strom als Ökostrom an, nur weil sie als Erbauer neuer Ökostromanlagen zertifiziert sind.

Wer mit der Wahl seines Stromtarifs ein Zeichen für Klimaschutz und Energiewende setzen wolle, sollte einen Anbieter wählen, der ausschließlich umweltschonend erzeugten Strom verkauft, empfiehlt Müller. Erkennbar seien diese Unternehmen an den Ökostromlabeln "ok-power" und "Grüner Strom" oder an Bescheinigungen des TÜV Nord oder Süd.

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