Steuern

Steuerklärung ist nicht für jedermann Pflicht

Zu einer Steuererklärung ist nicht jeder Arbeitnehmer von vornherein verpflichtet. Wer sie unbedingt abgeben muss und welche Fristen dabei gelten, erklärt unser Ratgeber.

SteuererklärungArbeitnehmer, die eine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben, bekommt oftmals Geld zurückgezahlt.© m.schuckart / Fotolia.com

Berlin - Viele fürchten die Steuererklärung, wenige lieben sie. Eines ist klar: "Freiwillig abgeben darf sie jeder", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Für viele lohnt es sich auch. Denn häufig gibt es Geld vom Finanzamt zurück. Das gilt besonders für Personen, die im vergangenen Jahr mehr als 8.472 Euro eingenommen haben, für Ehepaare verdoppelt sich der Betrag auf 16.944 Euro. Jeder, der über dieser Grenze liegt, muss auf jeden Fall Steuern zahlen.

Steuererklärung lohnt sich bei langen Fahrtwegen

Somit kann er unter Umständen von Abzügen durch Werbungskosten oder Sonderausgaben profitieren. "Genauso sinnvoll ist es für Arbeitnehmer mit langen Fahrtwegen", erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Außerdem können Verbraucher hohe Kosten für die Kinderbetreuung oder Aufwendungen für Handwerker meist geltend machen. Denn wer zu viel Steuern gezahlt hat, bekommt sie in der Regel vom Finanzamt zurückerstattet.

Für wen ist die Steuererklärung verpflichtend?

Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler müssen eigentlich immer ran. Angestellte müssen nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Steuererklärung abgeben. Wer seine Einnahmen und Ausgaben beim Finanzamt offenlegen muss, regelt der Paragraf 46 des Einkommensteuergesetzes. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Mehrere Chefs: Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahr mehrere Arbeitgeber hatten und deren Lohn nicht pauschal versteuert wurde, müssen eine Einkommensteuererklärung abgeben.
  • Verheiratete: Auch Ehepaare können zur Abgabe verpflichtet sein. Etwa, wenn mindestens ein Partner berufstätig ist und die Steuerklasse V hat, oder wenn beide Partner das Faktorverfahren mit Klasse IV gewählt haben. Ein weiterer Grund: "Ein Ehepartner beantragt die Einzelveranlagung", sagt Michael Beumer von der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest.
  • Zusatzzahlungen: Arbeitnehmer, die zusätzlich zum Gehalt Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten haben, müssen eine Steuererklärung einreichen. "Diesen Betrag überschreitet man schnell", betont Klocke. "Etwa, wenn man mehr als zwei Monate krankgeschrieben ist und in dieser Zeit Krankengeld erhalten hat." Die Grenze gilt genauso für Arbeitslosengeld oder steuerfreie Auslandseinkünfte. "Ein weiterer Klassiker in diesem Bereich ist das Elterngeld", ergänzt die Steuerexpertin.
  • Plus zum Gehalt: Wer Nebeneinkünfte hat, etwa aus Mieten, muss ebenfalls beachten: "Übersteigen sie die Grenze von 410 Euro, müssen Arbeitnehmer sie dem Finanzamt angeben", sagt Nöll. Das gelte auch für Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit, erklärt Klocke.
  • Ruheständler: Seit 2005 gilt eine neue Besteuerung der Renten. Die Folge: Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen. Als grobe Richtlinie gilt zwar: Je später man in Rente geht, umso höher wird der steuerpflichtige Anteil, erklärt Klocke. Aber Bestandsrentner müssen auch aufgepasst: Mit jeder Rentenerhöhung kann man in die Rentenpflicht reinrutschen. Ob sie Unterlagen beim Finanzamt einreichen müssen, hängt auch von der Höhe der Bruttorente ab. Meist ist eine Abgabe nötig, wenn man mehr als 1.500 Euro pro Monat Rente bekommt und bisher keine Steuererklärung abgegeben hat.
  • Kapitaleinkünfte: Wer 2015 noch keine Abgeltungs- oder Kirchensteuer für seine Kapitaleinkünfte gezahlt hat, muss die Zinsen und Gewinne in diesem Jahr in seiner Steuererklärung angeben. "Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sparer im vergangenen Jahr bei ihrer Bank einen sogenannten Sperrvermerk beantragt haben", erklärt Nöll. Denn dann hat die Bank in der Regel die Steuern an das Finanzamt noch nicht weitergeleitet. Somit müssen Sparer sie unter Umständen nachzahlen.
  • Freibeträge: Alle Steuerzahler mit eingetragenem Freibetrag, etwa für die Kinder, müssen ebenfalls handeln. Vorausgesetzt, sie haben im vergangenen Jahr mehr als 10.800 Euro Lohn erhalten.
  • Minus: Verpflichtet zu einer Steuererklärung sind auch Arbeitnehmer, die nebenberuflich selbstständig sind, wenn das Finanzamt im Vorjahr einen Verlust festgestellt hat. Also beispielsweise, wenn sie mehr Ausgaben als Einnahmen hatten - entweder weil das Geschäft nicht gut läuft oder weil sie zu Beginn ihrer Selbstständigkeit hohe Anfangskosten hatten. Ein weiterer Fall: "Wer wenig verdient hat, aber für eine zweite Berufsausbildung hohe Werbungskosten absetzen kann, kann den entstandenen Verlust noch in späteren Jahren steuersenkend verrechnen", erläutert Beumer.

Fristen rund um die Steuererklärung

Wer zur Abgabe verpflichtet ist, sollte die Steuererklärung spätestens bis zum 31. Mai beim Finanzamt einreichen. "Wer den Termin nicht einhalten kann, sollte beim Finanzamt frühzeitig eine Fristverlängerung beantragen", rät Michael Beumer von der Stiftung Warentest. Erstellt ein Steuerberater die Einkommensteuererklärung, verlängert sich die Abgabefrist zum 31. Dezember. Das Datum fällt in diesem Jahr auf einen Samstag. "Es reicht also, wenn die Unterlagen am Montag, dem 2. Januar 2017, beim Finanzamt eingehen", sagt Beumer.

Jeder, der sich dazu freiwillig entscheidet, hat sogar noch länger Zeit - bis zu vier Jahre. Allerdings lohnt es sich meist, die Erklärung zeitnah anzufertigen, rät Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Andernfalls könnten Unterlagen verloren gehen.

Welche Ausgaben können geltend gemacht werden?

Wer seine Einkommenssteuererklärung einreicht, für den sind drei Kostenarten von zentraler Bedeutung: Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen, erklärt Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe.

Pauschale für Werbekosten liegt bei 1.000 Euro

Alle Ausgaben rund um den Job sind Werbungskosten. "Weil es allerdings sehr viele verschiedene Berufe gibt, unterscheiden sich auch die Kosten sehr, die das Finanzamt anerkennt", erklärt Georgiadis. Dazu zählen etwa Aufwendungen für Weiterbildungen oder Fachbücher sowie Berufsbekleidung oder Arbeitsmittel wie die Frisörschere. Aber auch Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit können Arbeitnehmer beim Fiskus angeben - und zwar unabhängig davon, ob sie mit dem Auto oder anderen Verkehrsmittel unterwegs waren.

"Werbungskosten können immer dann abgesetzt werden, wenn sie selbst bezahlt wurden", sagt Armin Heßler vom Steuerberaterverband Hessen. Weiteres Kriterium: Die Anschaffungen nutzt der Arbeitnehmer nicht oder kaum privat. Das trifft auf einen überwiegend beruflich genutzten Computer zu, aber auch auf selbst finanzierte Fortbildungen. Der Staat erlaubt jedem Arbeitnehmer, pauschal 1.000 Euro im Jahr als Werbungskosten geltend zu machen. Es lohnt sich also, nur einzelne Posten aufzulisten, wenn die Gesamtkosten über der Pauschale liegen.

Sonderausgaben: Renten-, Arbeitslosen-, und Krankenversicherung

Die zweite große Gruppe sind die Sonderausgaben: "Das sind Kosten, die in den Bereich der persönlichen Lebensführung fallen, die der Staat aber fördern möchte", erklärt Steuerexperte Heßler. Der größte Posten sind Vorsorgeaufwendungen, dann kommen sonstige Ausgaben - etwa Spenden an gemeinnützige Vereine. Die Pauschale für Sonderausgaben liegt für Singles bei 36 Euro und für Ehepaare bei 72 Euro. Hier profitieren also Steuerpflichtige meist, wenn sie exakte Beträge angeben.

"Für Arbeitnehmer fallen regelmäßig Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung an, die sie als Sonderausgaben geltend machen können", sagt Andreas Peters, Einkommenssteuer-Experte der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen. Aber auch die Beiträge zu einer geförderten Altersvorsorge etwa zur Riester-Rente fallen darunter.

Das Finanzamt erkennt auch die Kosten für eine erste Berufsausbildung als Sonderausgaben an - bis zu 6.000 Euro. Die Zweitausbildung kann dagegen in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden.

Keine konkrete Liste für außergewöhnliche Belastungen

Die dritte Kostengruppe sind außergewöhnliche Belastungen - etwa Ausgaben aufgrund einer Krankheit oder einer Behinderung, aber auch Unterhaltszahlungen. Es gebe dazu keine konkrete Liste, sagt Georgiadis. Der Staat vergleiche vielmehr Menschen mit gleichem Familienstand und ähnlichen Einkünften: "Ein Bankdirektor kann den Beitrag für Omas Pflegeheim schließlich leichter aufbringen als ein Angestellter mit geringem Einkommen."

Bei einem Ehepaar mit Kindern liegt die "zumutbare Belastung" bei einem gemeinsamen jährlichen Einkommen von 52.000 Euro bei sechs Prozent. Übersteigen die finanziellen Aufwendungen diese Belastungsgrenze, können Eltern sie von der Steuer absetzen - bis zu einem Maximalbetrag.

Quelle: DPA

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