Dünne Luft

Special: Wird das Festnetz langsam zum Auslaufmodell?

Wenn man für 9,99 Euro zu Hause mit dem Handy unbegrenzt ins Festnetz telefonieren kann, was soll man dann noch mit einem herkömmlichen Festnetzanschluss? Diese und andere spannende Fragen beantwortet unser Special!

Telefonkosten© Stauke / Fotolia.com

Dem klassischen Festnetz geht es nicht wirklich gut. Zwar liegt der Patient noch nicht gänzlich danieder, doch es ist mindestens ein nicht auskurierter Virus, den die klassische Telefonie derzeit durchmacht. Nicht erst seit gestern - und genau das ist die Wurzel des Problems - kommen aus allen Ecken und Enden Anbieter mit neuen Ideen daher, die das Festnetz am liebsten gleich ganz zu Grabe tragen würden.

Die VoIP-Anbieter brachten den Stein ins Rollen

An erster Stelle wäre da die immer größer werdende Schar der Voice-over-IP-Anbieter zu nennen, die mit ihren Internettelefonie-Angeboten dem Festnetz ein Schnippchen schlagen wollen. Das schaffen sie aber nur teilweise, trotz der teilweise extrem günstigen Minutenpreise. Das liegt zum einen daran, dass diese Preise im Vergleich zum Festnetz-Call-by-Call eben nicht immer obenan stehen (vor allem ins Ausland und in die Handynetze siegt nach wie vor meist das Festnetz), doch der zweite und deutlich wichtigere Grund ist die immer noch vorhandene Koppelung eines DSL-Anschlusses an einen Festnetz-Anschluss. Und da ein DSL-Anschluss zum Voipen gebraucht wird, hält sich die Festnetz-Phalanx mal eben schnell selbst am Leben.

Die Mobilfunker legen noch eins drauf

Nachgerückt als Festnetz-Konkurrenz sind die deutschen Mobilfunk-Anbieter, die spätestens seit dem neuen o2-Streich für manche Kunden tatsächlich als echte Festnetz-Alternative in Frage kommen dürften. Zwar hatte Vodafone schon im Frühjahr ein ähnliches Angebot präsentiert, doch der neue Tarif von o2 ist glatt um die Hälfte günstiger. Bei Vodafone zahlt man im günstigsten Fall für den Zuhause-Tarif 20 Euro im Monat und bekommt dafür 1000 Freiminuten ins Festnetz und zu anderen Zuhause-Kunden. Wer keinen Minutenpaket-Tarif hat, muss 25 Euro monatlich zahlen. Hinzurechnen muss man den normalen Mobilfunk-Tarif, so dass man auf mindestens 29,95 Euro im Monat kommt.

Bei o2 sieht das schon ganz anders aus. Der Münchner Netzbetreiber bietet für seine Homezone, die einen sechs Mal so großen Radius hat wie die von Vodafone, ab 12. September auch eine Flatrate an. Diese kostet 9,99 Euro monatlich und beinhaltet nicht nur alle Gespräche ins deutsche Festnetz wie bei Vodafone, sondern auch alle Telefonate zu anderen o2-Kunden. Zusammen mit einem Genion-Tarif, der Voraussetzung ist, kommt man im günstigsten Fall auf 14,98 Euro – was gerade mal die Hälfte des Vodafone-Tarifs ausmacht. Erwähnt sollte auch werden, dass o2 mit der Idee der Homezone schon vor Jahren erste Zeichen gesetzt hat - es hat lange gedauert, bis die anderen Anbieter nachzogen.

Preislich gesehen ist die Sache also klar, es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. Bei beiden Angeboten bekommt man außerdem eine normale Festnetznummer, so dass man zu Festnetz-Konditionen angerufen werden kann. Außerdem lassen sich beide Tarife mit einer UMTS-Surflösung für zu Hause kombinieren. Nachteil beider Tarife: Alle Gespräche, die nicht ins eigene Netz beziehungsweise ins Festnetz gehen, werden zu teuren Mobilfunkpreisen abgerechnet – und das kann richtig ins Geld gehen.

Fazit

Das o2-Angebot ist - so die eigene Aussage der Münchner - für Normaltelefonierer konzipiert worden, und das stimmt. Wer nicht viel in andere Netze telefoniert und sich meist mit dem Festnetz oder o2-internen Telefonaten begnügt, der bekommt für knapp zehn Euro im Monat einen fairen Preis. Problematisch wird es vor allem dann, wenn ab und zu längere Auslandstelefonate hinzu kommen. Ob man das Festnetz wirklich ganz abschaffen sollte, muss also jeder mit Blick auf sein eigenes Telefonierverhalten entscheiden. Wenn etwa der Freund für ein Jahr nach Spanien geht, kann man ganz schnell horrende Summen vertelefonieren, wenn man sich nicht immer anrufen lässt.

Und was ist mit der Base-Flatrate? Bekanntermaßen gibt es ja noch ein Flatrate-Angebot auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, das im Gegensatz zu den beiden vorgestellten Angeboten nicht an eine Homezone gebunden ist: Für 25 Euro im Monat kann man mit der Base-Flat ins eigene Netz (und derzeit noch zu simyo und E-Plus) sowie ins Festnetz unbegrenzt telefonieren. Für Vieltelefonierer, die sich zudem selten an Zuhause-Zonen halten, eine gute Sache - für Normaltelefonierer hingegen eher eine Nummer zu groß.

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