Pro und Contra

Soll ich das Festnetz aufgeben? 10 Fragen, 10 Antworten

Haben Sie sich schon mal überlegt, Ihren Festnetzanschluss abzuschaffen? Wofür noch jeden Monat Grundgebühren zahlen, wenn alles auch ganz anders geht! Oder doch nicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten lesen Sie hier!

Warteschleife© Sven Bähren / Fotolia.com

Die Telekom verliert nach eigenen Angaben zurzeit 100.000 Kundenanschlüsse in einem Monat – eine dramatische Zahl. Zwar gehen etliche dieser Kunden zu einem Konkurrenten, weil dieser günstigere Bündelpakete aus Festnetz und DSL bietet, doch manche kappen ihren Festnetzanschluss ganz.

Falls Sie auch damit liebäugeln - jedermanns Sache ist es nicht, der Schuss kann durchaus nach hinten losgehen, wenn man sich nicht gründlich informiert. Lesen Sie die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema "Den Festnetzanschluss kappen – ja oder nein?"!

1.) Wenn mein Festnetzanschluss weg ist, kriege ich dann überhaupt noch DSL?

Wenn Sie DSL über die Telekom gebucht haben, ist es futsch – denn das DSL der Telekom ist an einen Festnetzanschluss des Konzerns gebunden und nur mit einem solchen zu bekommen.

Bei alternativen Anbietern wie Arcor, HanseNet oder Versatel sieht es teilweise anders aus. Selbst die Telekom-Tochter congstar bietet DSL und Festnetz getrennt an. Zwar bekommt man meist auch bei den Konkurrenten einen DSL-Zugang nur im Paket mit einem Telefonanschluss, doch es gibt mittlerweile verschiedene entbündelte Angebote, bei denen DSL und Telefonie getrennt sind. Auch bei den Kabelanbietern bekommt man einen Breitband-Internetzugang ohne einen klassischen Telefonanschluss, die Telekom ist auch hier nicht mit im Boot. Beachten sollte man, dass die Telefonate bei den meisten Alternativanbietern nicht übers klassische Festnetz realisiert werden, sondern über VoIP bzw. "Voice over Cable".

2.) Ich will nur noch übers Internet telefonieren. Kann ich dann meinen Festnetzanschluss kündigen?

Im Prinzip ja, wenn man davon absieht, dass viele Anbieter von Internettelefonie nach wie vor keine Möglichkeit bieten, Notrufe abzusetzen. Ansonsten kann man das Festnetz getrost kündigen, sofern man nicht bei der Telekom bleiben will. Der ehemalige Staatskonzern bietet alle Breitband- und VoIP-Tarife nur zusammen mit einem Festnetzanschluss an. Bei vielen Alternativanbietern ist jedoch inzwischen das lange eingeforderte entbündelte DSL zu bekommen, also DSL ohne Zwang zum Telefonanschluss. Allerdings sind die VoIP-Tarife nicht immer so günstig, wie die Anbieter gern behaupten. Gerade ins Ausland und in die Handynetze zahlt man oft deutlich mehr als via Festnetz-Call-by-Call.

3.) Ich will nur noch übers Handy telefonieren. Macht das Sinn?

Jein. Es kommt auf den Tarif an und darauf, wie viel man in welche Netze telefoniert. Wer hauptsächlich ins Festnetz und in ein bestimmtes Mobilfunknetz telefoniert, ist ein guter Kandidat für eine der vielen Handy-Flatrates. Diese gelten allerdings meist nur ins eigene Netz bzw. ins Festnetz, in andere Netze zahlt man oft mehr als vom Festnetz zum Handy. Zwar gibt es auch umfassende Handy-Flatrates für alle deutschen Netze, doch diese sind mit Fixkosten von knapp 70 Euro nur echten Telefonjunkies zu empfehlen. Wichtig: Wer Freunde oder Familie im Ausland hat und häufiger dorthin telefoniert, ist gut beraten, seinen Festnetzanschluss bestehen zu lassen. Die Mobilfunker wollen für Auslandsgespräche teilweise das Fünfzigfache dessen, was man im herkömmlichen Festnetz zahlt. Zwar gibt es auch spezielle Handykarten für günstigere Auslandsgespräche, doch diese sind bislang nicht mit einer Flatrate kombinierbar.

4.) Ich will von der Telekom zu einem alternativen Anbieter wechseln. Worauf muss ich achten?

Auslands-Vieltelefonierer sollten hier besonders vorsichtig sein, denn bei einem alternativen Anbieter ist kein Call-by-Call oder Preselection mehr möglich, man ist an die Tarife des jeweiligen Anbieters gebunden. Es gibt jedoch einige Anbieter (beispielsweise Alice oder Arcor), die Flatrates in bestimmte Auslandsnetze im Programm haben. Wenn das Wunschland damit abgedeckt ist und man meist nur dorthin telefoniert, kann das eine gute Lösung sein.

Aufpassen sollte man natürlich auch, zu welchen evtl. neuen DSL-Konditionen man bei dem neuen Anbieter abschließt und wie lang man sich dort binden muss. Da der Markt immer noch in Aufruhr ist, sollte man sich bei einem Wechsel wirklich sicher sein, dass man davon profitiert - oder einen Anbieter mit kurzen Vertragslaufzeiten wählen (wie etwa congstar oder Alice).

Die Telefonnummer kann man mitnehmen, sofern man im gleichen Ortsnetz bleibt, das ist kein Problem.

5.) Ich will kein Festnetz mehr und künftig über UMTS ins Netz gehen (Zuhause-Tarife). Macht das Sinn?

Wenn Sie nicht allzu viel surfen und keinen großen Speed brauchen, ist das zumindest für die Frage des Internets kein Problem. Doch da die DSL-Anschlüsse im Schnitt deutlich schneller sind als die UMTS-Anschlüsse, wird das nicht für jeden in Frage kommen. Zwar wurde mit dem nächsthöheren UMTS-Standard HSDPA eine Schippe draufgelegt, doch in der Regel ist Festnetz-DSL schneller.

Wichtig: Bei den Zuhause-Tarifen, die Vodafone, o2 und T-Mobile im Programm haben, sind Sie auch wirklich an Ihr Zuhause (oder Büro) gebunden, woanders wird die Einwahl richtig teuer. Die Home-Tarife gelten nur in einem Umkreis von rund zwei Quadratkilometern um die angegebene Adresse herum.

Bei den Telefongesprächen entstehen die gleichen Probleme wie unter 3.) geschildert. Telefoniert man primär netzintern und ins Festnetz, hat man eine praktikable Lösung, ansonsten nicht.

6.) Ich bin Vieltelefonierer. Sollte ich meinen Festnetzanschluss behalten?

Das kommt darauf an. Wenn Sie in der Regel ins Festnetz oder innerhalb des eigenen Mobilfunknetzes telefonieren, könnte auch eine der Flatrates der Mobilfunker in Frage kommen. Gerade Vieltelefonierer können durch die Pauschaltarife unter Umständen einiges sparen, das haben Modellrechnungen bewiesen.

Doch wenn man meist quer Beet in alle deutschen Netze und vielleicht sogar häufiger ins Ausland telefoniert, geht die Rechnung nicht auf, sondern läuft völlig aus dem Ruder. Dann ist es dringend anzuraten, den Festnetzanschluss beizubehalten. Es sei denn, man telefoniert so viel, dass eine umfassende Handyflat Sinn macht (siehe 3.).

7.) Können Paare oder Familien bei einem Verzicht auf den Festnetzanschluss besonders sparen?

Auch das kommt auf das Telefonverhalten an. Mehrere Personen bedeuten aber fast immer ein ein höheres Sparpotenzial. Gerade bei Mehrpersonen-Haushalten ist meist die Beibehaltung des Festnetzes in Kombination mit einer Festnetz- oder VoIP-Flatrate die sinnvollste Lösung (sofern man schon DSL hat und es nicht nur dafür anschafft). Wer allerdings primär untereinander telefoniert, sollte auch einen Blick auf die Handykarten der DSL-Anbieter werfen. Diese bieten teilweise sehr günstige Community-Konditionen. Bei Alice telefoniert man untereinander sogar komplett kostenlos.

8.) Wenn ich das Festnetz aufgebe, kann ich auch nicht mehr zu Festnetz-Konditionen angerufen werden, oder?

Das stimmt nicht ganz. Bei den Home-Produkten der Mobilfunker bekommt man eine zusätzliche Festnetznummer, so dass man zu den gleichen Konditionen angerufen werden kann wie mit einem ganz normalen Festnetzanschluss. Ansonsten müssen Anrufer müssen die teuren Handytarife bezahlen.

9.) Wie wesentlich ist denn eine möglicherweise schlechtere Sprach- und Empfangsqualität?

Bevor man seinen Festnetzanschluss aufgibt, sollte man ausgiebig testen, wie es mit dem Mobilfunk-Empfang in den eigenen vier Wänden aussieht. Am besten, man leiht sich ein Handy oder eine SIM-Karte des Anbieters seiner Wahl, sofern man wechseln will, und spaziert während des Sprechens in der Wohnung bzw. im Garten auf und ab – wie man es mit einem Festnetztelefon auch machen würde. Dabei zeigen sich nicht selten Funklöcher, auf die man nie geachtet hatte, weil es ja das Festnetz gab. Außerdem kann man testen, ob die Sprachqualität für die eigenen Bedürfnisse ausreicht. Letzteres gilt übrigens auch für einen Umstieg auf die Internet-Telefonie, der ebenfalls Einbußen bei der Sprachqualität mit sich bringen kann. Tipp: Mit einem eigenen UMTS-Netz für zu Hause soll man übrigens in naher Zukunft die Gesprächsqualität deutlich verbessern können.

10.) Ich telefoniere sehr wenig. Würde da auch ein Handy reichen?

Gerade Wenigtelefonierern wird oft empfohlen, das Festnetz doch gleich ganz abzuschaffen – schließlich fallen jeden Monat mindestens 16 Euro Grundgebühren an. Doch bei einer Handy-Flatrate ist man ebenfalls mit mindestens zehn Euro dabei, und in den kleinsten Tarifen ist wirklich nur die Nutzung des Festnetzes enthalten. Nur wer wirklich so gut wie überhaupt nicht telefoniert und keine Flat-Option braucht, kann über eine Festnetz-Abschaltung nachdenken und sich eine günstige Handykarte bei einem der Discounter kaufen. Ansonsten summieren sich die höheren Gebühren übers Handy sehr schnell: Selbst mit einem Discounttarif wie simyo kostet ein halbstündiges innerdeutsches Telefonat 2,70 Euro. Dafür kann man im Festnetz stundenlang telefonieren.

Fazit

Jeder, der einen Ausstieg aus dem Festnetz erwägt, sollte mindestens einen durchschnittlichen Monat lang mal ein Auge auf die bislang übers Festnetz geführten Gespräche haben. Der Einzelverbindungsnachweis ist da sehr hilfreich. Ohne eine genaue Analyse des eigenen Telefonierverhaltens ist ein Festnetz-Ausstieg nicht zu empfehlen. Doch es gibt durchaus Fälle, in denen ein Ausstieg sehr lohnenswert sein kann. Die Analyse des eigenen Telefonverhaltens ist vielleicht etwas mühsam, kann aber jede Menge Geld sparen!

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