Ausgebremst

Reaktionen auf Stopp der DSL-Mega-Rabatte

Nun ist es raus: Große DSL-Anbieter dürfen keine Sonderrabatte bekommen. Das Veto des Regulierers hatte eine seltene Einigkeit ansonsten sehr unterschiedlicher Anbieter zur Folge. Fast alle halten die Entscheidung für unausweichlich, um den Wettbewerb auf dem DSL-Markt nicht komplett abzuwürgen.

Geld© Manuel Schröder / Fotolia.com

In ersten Stellungnahmen hatten sich Anbieter-Verbände wie VATM und BREKO am Montag erleichtert gezeigt und den Beschluss der Bundesnetzagentur ausdrücklich begrüßt. Wie weitreichend die Entscheidung für den ganzen Markt war, zeigt sich aber nicht zuletzt daran, dass auch relativ große und bekannte Anbieter wie freenet und Versatel den Stopp des umstrittenen Rabattmodells gefordert hatten. Obwohl beide ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen - freenet hat kein eigenes Netz, Versatel hat eins - waren sie betroffen, weil von den Rabatten ausgeschlossen.

Vorher: Große Anbieter, große Rabatte

Die umstrittenen Net-Rental-Rabatte hatten für selten dagewesene Einigkeit und anhaltenden Aufruhr unter fast allen DSL-Anbietern gesorgt. Das Net-Rental-Modell ermöglichte großen Anbietern wie T-Online, United Internet oder AOL Rabatte von bis zu 58 Prozent bei einem DSL-Vorleistungsprodukt. Kleinere Anbieter konnten das Produkt zwar auch bekommen, aber zu deutlich schlechteren Konditionen.

Jetzt: Gleiche Regeln für alle

Diese Konditionen waren auch nach Auffassung freenets "stark diskriminierend und wettbewerbsverzerrend". "Mit dem Vorleistungsprodukt Net Rental hat die Telekom zum ersten Mal offen gezeigt, dass sie auf eine Oligopolbildung in Deutschland hinaus will", engagierte sich Eckhard Spoerr, freenet-Vorstandsvorsitzender. "Hätte die Bundesnetzagentur nicht eingegriffen, wäre es im DSL-Bereich zukünftig so gewesen, als wenn Bayern in der nächsten Saison gegen Cottbus spielt, aber die Bayern das Spiel mit vier Toren Vorsprung beginnen würden". Jetzt seien die Spielregeln für alle Marktteilnehmer wieder gleich.

Versatel wertete das Urteil der Bundesnetzagentur ebenfalls als großen Erfolg. Dies sei die richtige Entscheidung, um einen "nachhaltigen infrastrukturbasierten Wettbewerb im DSL-Festnetzmarkt zu fördern". Das gelte insbeondere für solche Unternehmen, die wie Versatel erheblich in den Ausbau der eigenen Infrastruktur investiert hätten. Zwar sei man ausdrücklich pro Wettbewerb eingestellt, was auch die DSL-Reseller ohne eigenes Netz einschließe, doch die Marktbedingungen müssten für alle Anbieter "fair und ausgewogen sein". Ähnlich fielen auch die Reaktionen bei QSC aus, die ebenfalls ein eigenes DSL-Netz haben.

Die Telekom hat, wie nicht anders zu erwarten, die Entscheidung kritisiert. Der Ex-Monopolist konnte die Entscheidung nach eigenen Angaben "in keiner Weise nachvollziehen". Der Regulierer habe "in ein funktionierendes Segment des Internetmarktes" eingegriffen und gefährde damit "die langfristige Entwicklung dieses zukunftsträchtigen Marktes". Von den Rabatt-Begünstigten wie AOL oder United Internet liegen noch keine Stellungnahmen vor.

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