Konkurrenz für Festnetz-DSL

Preis-Alternative: Surfen und Telefonieren übers Fernsehkabel

Ein Internetzugang übers Kabelnetz galt lange Zeit als exotisch und teuer. Doch in den letzten Monaten haben die Kabelgesellschaften kräftig in die Aufrüstung ihrer Netze investiert und sich auch preislich dem Markt so gut angepasst, dass die Angebote immer attraktiver werden.

Kabel Deutschland © Kabel Deutschland

Ganz freiwillig sind die neuen Strategien der Kabelgesellschaften indes nicht, denn diese werden in ihrem Kerngeschäft, dem Fernsehen, gleich von zwei Seiten bedroht. Zum einen greift das kostenlose Digitalfernsehen immer weiter um sich, zum zweiten haben die arrivierten DSL-Anbieter inzwischen solch hohe Bandbreiten im Programm, dass man auch am Rechner in guter Qualität fernsehen kann. Wie auch immer: Für den Kunden ist dieser Wettbewerb natürlich von Vorteil.

Beste Voraussetzung: Ein vorhandener Kabelanschluss

Zwar macht es trotz aller Preissenkungen wenig Sinn, sich einen Kabelanschluss nur wegen des Internetzugangs anzuschaffen, denn die monatlichen Kosten liegen in etwa so hoch wie die Kosten für einen Telekom-Telefonanschluss, den man in der Regel mit dem Wechsel zu einem Kabelnetzbetreiber ja einsparen will. Doch wer schon einen Kabelanschluss hat, für den kann es sich durchaus lohnen, auch die anderen Angebote des eigenen Providers mal unter die Lupe zu nehmen.

... es geht aber auch ohne

Neu ist, dass manche Kabelprovider ihre Telefon- und Internetzugänge auch ohne den Zwang zu einem Kabelanschluss anbieten. Dann liegt der Zugang zwar trotzdem im Keller, ist aber sozusagen stillgelegt, was den Fernsehemfpang betrifft. Falls Sie Satelliten-Kunde sind oder das so genannte Überallfernsehen nutzen, fragen Sie also ruhig beim Kabelanbieter um die Ecke nach, ob Sie einen solchen "stillen Zugang" bekommen können.

Telefonie, Internet und Fernsehen

In vielen Gebieten kann man über den Kabelanschluss nicht nur fernsehen und ins Internet gehen, sondern auch per "Voice over Cable" telefonieren. Damit treten die Kabelnetzbetreiber zum ersten Mal wirklich in Konkurrenz zu den etablierten DSL-Providern, die DSL übers herkömmliche Festnetz anbieten. Wer an einen Kabelanschluss gebunden ist und schon auf ein rückkanalfähiges Kabelnetz zurückgreifen kann, sollte ernsthaft durchrechnen, ob sich eine Kündigung des festnetzgebundenen DSL- und Telefonie-Angebots lohnen könnte. Zwar steht ein solches "Triple Play"-Angebot aus Fernsehen, Telefonie und Internet momentan nur in bestimmten Regionen zur Verfügung, doch die Kabelgesellschaften sind äußerst rührig und investieren kräftig in den Netzausbau. Gut für die Betreiber: Aufgrund des technischen Fortschritts verschlingt das Aufrüsten der Netze nicht mehr solch hohe Summen wie früher.

Kabel Deutschland beispielsweise, der größte deutsche Kabelnetzbetreiber, bietet derzeit rund sieben Millionen seiner Kabelkunden in Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen Surfen und Telefonie unabhängig vom Telefon-Festnetz an. Auch Unitymedia in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie Kabel BW in Baden-Württemberg haben ihre Netze aufgerüstet und bieten Internet und Telefonie für immer mehr Kunden im Verbreitungsgebiet an. Gleiches gilt für Stadtnetzbetreiber wie NetCologne, die neben ihrem "normalen" DSL-Angebot auch Breitband-Internet und Telefonie via Fernsehkabel anbieten.

Mehr Speed drin als bei vielen anderen

Breitband kann hierbei durchaus wörtlich genommen werden, denn zumindest die großen Kabelgesellschaften stehen den arrivierten DSL-Anbietern in Sachen Speed in nichts nach. Einige Betreiber bieten sogar höhere Bandbreiten an als 16 Mbit/s, der am weitesten verbreitete Speed bei terrestrischem DSL. Bei Kabel Deutschland kann man schon bis zu 26 Mbit/s bekommen. Obwohl sich gerade in einem bundesweiten Test gezeigt hatte, dass nicht überall der Speed drin ist, der draufsteht - die Kabelanbieter haben in diesem Test noch am besten abgeschnitten.

Und die Preise stimmen auch: Bei Kabel Deutschland zum Beispiel bekommt man eine Flatrate mit bis zu 10 Mbit/s inklusive Breitband- und Telefonanschluss für knapp 30 Euro. Unitymedia bietet 6 Mbit/s mitsamt einer Doppel-Flatrate ebenfalls für 30 Euro an. Damit sind die Kabelnetzbetreiber absolut konkurrenzfähig. Zu den genannten Preisen muss man, wie erwähnt, teilweise noch die Kosten für den Kabelanschluss an sich dazurechnen. Diese liegen bei rund 15-17 Euro im Monat.

Preise sind vergleichbar mit DSL-Anbietern

Dass sich bei den Kabelnetzbetreibern dann kein Call-by-Call über die Telefonleitung mehr nutzen lässt, kann negativ ins Gewicht fallen, muss aber nicht. Man sollte vor einem eventuellen Wechsel sein eigenes Telefonierverhalten gut kennen und die Preise des Kabelanbieters genau checken. Teilweise zahlt man deutlich mehr als über einen günstigen Call-by-Call-Anbieter - wer jedoch den Aufwand des Tarif-Checkens eher lästig findet, sieht darin möglicherweise keinen großen Nachteil. Ohnehin ist es für bequeme Nutzer bei allen Kabelprovidern möglich, eine Festnetz-Flatrate dazuzubuchen. Seine herkömmlichen analogen Telefone kann man übrigens weiternutzen – die Kabelgesellschaften liefern entweder einen separaten Adapter mit oder dieser ist bereits in das Kabelmodem eingebaut. Letzteres gibt es im Rahmen von Aktionen häufig kostenlos obendrauf, wie man es von den Festnetz-DSL-Anbietern kennt.

Eingeschränkte Verfügbarkeit

Doch nicht alle, die einen Kabelanschluss wollen, kriegen ihn auch. Das ist nicht nur eine Frage der regionalen Verfügbarkeit, sondern in vielen Fällen auch der Erlaubnis durch den Hauseigentümer oder die Wohnungsbaugesellschaft. Das letzte Stück der Netze, die so genannte vierte Ebene, gehört meist nämlich nicht den großen Kabelgesellschaften, sondern anderen kleineren Subunternehmen oder dem Hauseigentümer selbst.

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