Neue Preisdimensionen

Mobilfunk-Billigtarif-Vergleich: Alle wichtigen Angebote

Der simyo-Tarif von 19 Cent in alle deutschen Netze wurde innerhalb weniger Tage geknackt. Erst waren es 18 Cent, dann 14, und schließlich kam ein Tarif mit Original-Telekom-Preisen. Ein Vergleich der wichtigsten Discounter!

Handytarife© Cheyenne / Fotolia.com

Ein Vergleich aller bisherigen "Billiganbieter" ist schwierig, da nicht jedes Angebot auch jeden Nutzer zufriedenstellt. Der Überblick ist trotzdem lohnenswert, da verschiedene Bedürfnisse berücksichtigt werden und fast jeder ein passendes Angebot finden sollte.

Der enttrohnte Vorreiter: Tchibo

Im Oktober 2004 rollte die Preisbrecher-Welle auf den bis dato für gesättigt gehaltenen deutschen Mobilfunkmarkt. Mit einem günstigen und transparenten o2-Prepaid-Tarif startete der Kaffeeröster Tchibo sein eigenes Mobilfunk-Angebot. 35 Cent pro Minute in alle deutschen Netze, rund um die Uhr - das gab es bislang auf dem deutschen Markt nicht. Die Mailbox-Abfrage ist kostenfrei, getaktet wird nach der ersten vollen Minute sekundengenau (60/1). Jede SMS kostet 19 Cent. Der Tchibo-Tarif ist ohne Handy ausgelegt, man kann aber preisgünstige Handys dazukaufen.

Der Nächste: Schwarzfunk

Der auf dem E-Plus-Netz aufsetzende Schwarzfunk-Tarif ähnelt dem Tchibo-Angebot, ist jedoch teilweise leicht günstiger. So kosten netzinterne Gespräche 25 Cent, alle anderen deutschen Netze erreicht man für 35 Cent pro Minute. Nachteil: Auch das Festnetz gilt unüblicherweise hier als netzextern. SMS kosten netzintern 12 Cent, extern 15 Cent. Die Abfrage der Mailbox ist ebenfalls kostenlos. Die Taktung ist auch hier 60/1, Handys kann man ebenfalls günstig dazukaufen.

Vodafone versucht's mit Payback

Der auf dem Vodafone-Netz basierende Payback-Tarif unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht deutlich von Tchibo und Schwarzfunk, die fast deckungsgleich sind: Payback hat die deutlich schlechtere Taktung (60/60), aber mit 29 Cent pro Minute in alle deutschen Netze einen günstigeren Minutenpreis. Außerdem handelt es sich hierbei um keinen Prepaid-Tarif, sondern um ein Angebot mit Vertrag. Dieser hat allerdings eine kurze Mindestlaufzeit von sechs Monaten. SMS kosten hier 19 Cent, Handys werden nicht angeboten. In diesem Tarif fällt ein Mindestumsatz von 9,90 Euro an, der auch auf SMS angerechnet wird. Inzwischen ist beim Payback-Tarif die Option HappyWochenende kostenfrei für ein Jahr mit drin, auch für Bestandskunden.

Der erste Preisbrecher: simyo

Das am 30. Mai gestartete Angebot von simyo war zum Start preislich unschlagbar. simyo verlangt in alle deutschen Netze 19 Cent rund um die Uhr, das ist weniger als in vielen Vertragstarifen, auch manche Business-Angebote inbegriffen, die für günstige Minutenpreise bekannt sind. Gerade zur Hauptzeit und in externe Netze ist ein Preis von 19 Cent bislang undenkbar gewesen. Lediglich am Wochenende gibt es günstigere Angebote. Die Mailbox-Abfrage ist auch hier kostenlos.

Extrem günstig ist auch der SMS-Preis von 14 Cent - auf der Preisseite ist simyo also sehr weit vorne: Wer einen transparenten Tarif sucht und kein Handy braucht, ist mit dem simyo-Angebot sehr gut bedient. Beachten sollte man jedoch, dass Buchung und Tarifeinstellungen nur übers Internet vorgenommen werden können.

Zwischenzeitlich Spitzenreiter: SIMply

Mit SIMply telefoniert man im T-Mobile-Netz für 18 Cent pro Minute in alle deutschen Netze. Gestartet war das Angebot mit einem Minutenpreis von 29 Cent, die Preissenkung ist also erheblich. Eine SMS kostet jetzt nur noch 13 Cent. Weggefallen ist die Happy Hour, mit der zwei Stunden pro Woche Telefonate für einen Cent pro Minute möglich waren. SIMply ist ein Vertragstarif, der aber keine Mindestlaufzeit hat, man kann innerhalb von zwei Wochen kündigen. Es gibt auch keine festen Aufladebeträge. Man bekommt eine Online-Rechnung und zahlt per Kontoeinzug. Die Karte kostet 24,95 Euro, ein Startguthaben gibt es nicht. Nachteile des Angebots: Anrufe zur Mailbox sind kostenpflichtig, die Taktung ist mit 60/10 etwas schlechter als bei simyo oder Tchibo, und die Hotline ist mit 1,24 Euro pro Minute unverschämt teuer. Fragwürdig ist auch die Praxis, pro Karte ein Pfand von 29,65 Euro zu verlangen, das erst dann zurückerstattet wird, wenn man die Karte an Victorvox zurücksendet.

200 Minuten für 19,80 Euro bietet mobilcom

Der neue Tarif baut auf dem bereits bekannten 13-Cent-Tarif auf, beinhaltet also kein Handy. Man zahlt einen monatlichen Paketpreis von 19,80 Euro und bekommt dafür 200 Inklusivminuten. So errechnet sich für das Paket ein Preis von 9,9 Cent je Minute. Hat man die Minuten aufgebraucht, kostet jede weitere Minute 39 Cent. Bleibt man knapp innerhalb des Kontigents, kommt man sehr günstig weg. Würde man 200 Minuten über simyo oder SIMply vertelefonieren, hätte man pro Monat 38 beziehungsweise 36 Euro am Bein. Das Angebot ist also in jedem Fall eine gute Wahl für Vieltelefonierer - sofern diese kein neues Handy brauchen. Die Taktung beträgt 60/1, eine SMS kostet 20 Cent. Den Tarif gibt es nur im E-Plus-Netz, die Mindestlaufzeit liegt bei zwei Jahren.

15 Cent bei debitel - aber mit zwei Jahren Vertrag

Der Stuttgarter Provider debitel hat einen "Sommerhit" genannten Tarif präsentiert, mit dem man für 15 Cent pro Minute rund um die Uhr telefonieren kann. Dieser Preis gilt deutschlandweit und in alle Netze. SMS kosten 15 Cent pro Stück. Der Sommerhit–Tarif ist ein Vertragstarif ohne Grundgebühr mit 24 Monaten Laufzeit und einem monatlichen Mindestgesprächsumsatz von 9,90 Euro, der nur über Inlandsgespräche abtelefoniert werden kann. Die Taktung beträgt 60/10, der Tarif ist für Neukunden erhältlich in den Netzen von T-Mobile und Vodafone. debitel-Bestandskunden können also nicht in diesen Tarif wechseln. Ein Handy gibt es im Sommerhit nicht, eine Online-Rechnung ist Pflicht. Der Sommerhit-Tarif ist zunächst bis 30. September buchbar.

Ein ähnliches Angebot gibt es jetzt auch von The Phone House: Ein Einheitstarif von 14 Cent in alle Inlandsnetze, der SMS-Preis liegt ebenfalls bei 14 Cent. Auch hier fällt ein kompletter Vertrag an sowie ein Mindestumsatz von 9,90 Euro im Monat.

Telco toppt vom Preis her alles: Tarife wie bei der Telekom

Für was ganz Neues sorgte der Wiesbadener Provider Telco - mit einem neuen Tarif, der Handytelefonate zu wirklichen Festnetzpreisen bietet. Die Minutenpreise und auch die monatliche Grundgebühr entsprechen exakt dem neuen Telekom-Standardtarif "Call Plus". In der Hauptzeit kosten Gespräche vom Mobiltelefon deutschlandweit 4,9 Cent pro Minute, in der Nebenzeit geht das sogar zu 2,9 Cent. Noch günstiger wird es bei Telefonaten in ein frei wählbares Ortsnetz: 3,9 Cent in der Hauptzeit und 1,5 Cent in der Nebenzeit fallen an. Die monatliche Grundgebühr liegt bei 15,95 Euro, exakt wie im genannten T-Com-Festnetztarif.

Nachteilig für Anrufer: Diese müssen die normalen Mobilfunktarife zahlen, es gibt keine Festnetznummern im neuen Telco-Tarif. Die Auslandstarife liegen allerdings mit Preisen von 70 Cent bis 1,80 Euro auf Handy-Niveau. Getaktet wird im Inland minutengenau, im Ausland 60/1. Jede SMS kostet 19 Cent. Die Mindestlaufzeit beträgt 24 Monate.

Fazit

Den idealen Tarif für jeden Nutzer gibt es nicht. Die herausragenden Angebote sind SIMply, simyo, mobilcom, debitel und Telco. Alle anderen vorgestellen Tarife haben keine besonderen Vorteile und sind nur für bestimmte Gruppen interessant - bei Schwarzfunk etwa gibt es einen guten Preis für netzinterne SMS. Der Payback-Tarif ist kaum noch zu empfehlen: Die Taktung ist schlecht, man muss sich (wenn auch nur kurz) vertraglich binden, und der Minutenpreis liegt noch weit über dem von SIMply.

Wer mit Buchungen oder Rechnungen via Internet kein Problem hat, dem sind die Angebote von SIMply (mit den genannten Einschränkungen im Service) und simyo definitiv zu empfehlen. Ein Handy muss allerdings im Bedarfsfall ohne jegliche Subvention gekauft werden. Wer jedoch ein niedrigschwelligeres Angebot sucht, also am liebsten gleich alles im Laden um die Ecke kauft, wird sich vielleicht doch für Tchibo entscheiden. Der Tarif ist zwar fast doppelt so hoch wie bei simyo, doch es gibt günstige Handys dazu, und man kann vor Ort alles bestellen und meist auch mitnehmen. Künftig sollen die SIMply-Karten jedoch auch bei bestimmten Händlern zu haben sein. Nachteil aller SIM-only-Angebote ohne feste Vertragslaufzeit: Man kann seine bestehende Rufnummer nicht portieren, muss sich also eine neue Nummer suchen. Ausnahme: SIMply; das Procedere ist jedoch recht kompliziert und wird vom Anbieter auf Nachfrage mitgeteilt.

Wer mit einem Vertragsabschluss über 24 Monate in der jetzigen Situation, in der ein Preisbrecher den nächsten jagt, kein Problem hat, sollte sich die Angebote von mobilcom, debitel und Telco genauer anschauen. Preislich gesehen sind zumindest die beiden Letztgenannten top, doch ein Handy gibt es nur im Telco-Tarif, in den anderen nicht.

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