Zwischenzeugnis

Mobiles Fernsehen: Der momentane Stand

Eigentlich sollte die WM im vergangenen Jahr den großen Schub fürs Handy-Fernsehen bringen, doch dafür war es noch zu früh. Nach wie vor sind zwei verschiedene Zugangstechniken am Markt, von denen eine von der EU favorisiert wird. Wie geht es weiter?

Smartphone Kamera© Scanrail / Fotolia.com

Mittels der mobilen Nutzung von Fernsehdiensten können über Rundfunk ausgestrahlte TV-Programme auf Mobiltelefonen genutzt werden. Marktanalysen gehen von einem Sektor aus, der europaweit bis 2010 auf etwa 100 Millionen Abonnenten wachsen könnte. Im Sommer dieses Jahres will die EU-Kommission eine Studie zum Thema Mobile TV und dessen Marktchancen verfassen.

Die Medien wittern ein Riesen-Geschäft

Mobiles Fernsehen wird wie herkömmliche Rundfunkprogramme ausgestrahlt und kann durch die Art der Ausstrahlung viele Empfänger erreichen. Während die konventionellen TV-Märkte überwiegend nationale Märkte sind, wird sich Mobile TV auf europäischer Ebene ausbreiten, wodurch die Medienwirtschaft Größenvorteile in beträchtlicher Höhe realisieren dürfte. Während die neue Technologie in Deutschland mit dem Düsseldorfer Pilotprojekt "Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH (MFD)" erst am Anfang steht, berichteten Italien, Finnland und das Vereinigte Königreich bereits über ihre erfolgreiche Markterschließung. Die EU-Telekommunikationsminister nutzten ihr informelles Treffen für einen Erfahrungsaustausch mit den drei Vorreitern.

Zwei konkurrierende Technologien

Zur Zeit konkurrieren zwei Technologien am Markt, T-DMB (Terrestrial Digital Multimedia Broadcasting) und DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handhelds), die sich in ihrer Basistechnologie unterscheiden und verschiedene Frequenzbereiche und Kanalbelegungen nutzen. Letztere wird von einem Mobilfunk-Konsortium bereitgestellt, dem T-Mobile, o2 und Vodafone angehören. Welche der beiden Übertragungstechniken sich durchsetzen kann, wird wohl der Markt entscheiden müssen - obgleich sich die EU-Kommission inzwischen festgelegt hat.

EU spricht sich für DVB-H aus

Die Kommission wolle das Format DVB-H unterstützen, so EU-Medienkommissarin Viviane Reding auf der CeBIT. Ein einheitlicher Standard sei notwendig, so Reding. Leicht wird das allerdings nicht europaweit durchzusetzen sein, denn beispielsweise in Italien hat sich der konkurrierende Standard DMB, wie ihn auch das Düsseldorfer Projekt nutzt, etabliert. Reding hatte eine Umfrage unter den EU-Staaten durchgeführt, bei der sich 17 Staaten für die DVB-H-Technik aussprachen.

Jetzt soll's die EM 2008 richten

Weitere Entscheidungen dürften gegen Ende des Jahres fallen - zumindest aber in einem knappen Jahr, denn das nächste mediale Großereignis, dass dem Handy-Fernsehen einen Schub geben könnte, steht schon vor der Tür: die Fußball-EM 2008.

Top