Tipp für Studenten

Kosten fürs Erststudium von der Steuer absetzbar?

Zwei Urteilen des Bundesfinanzhofs zufolge, die im Sommer 2011 gefällt wurden, könnten Studenten die Kosten für ihre Erstausbildung später bei der Steuer als vorweggenommene Werbungskosten anrechnen lassen. Der Bundestag kippte das Urteil wieder.

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München (red) - Eigentlich gilt seit 2004, dass Kosten für eine Erstausbildung oder ein Erststudium nicht abzugsfähig sind, wenn sie nicht in einem direkten Zusammenhang mit einem Dienstverhältnis stehen, wie dies beispielsweise bei einer Ausbildung im Betrieb der Fall ist. Auf diese Regelung beriefen sich laut BFH die Finanzämter in den zwei Fällen, in denen geklagt wurde.

In einem Fall klagte ein Pilot auf Anrechnung seiner Ausbildungskosten, die fast 28.000 Euro betrugen. Diese wollte er als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Im zweiten Fall ging es um eine Klägerin, die Aufwendungen für ihr Medizinstudium im Ausland absetzen wollte. Hier ging es um eine Summe von rund 23.500 Euro.

Ausgaben müssen durch spätere Tätigkeit veranlasst sein

Nach einer Ablehnung durch die Finanzgerichte hatte die Revision der Kläger beim Bundesfinanzhof Erfolg. In den Urteilen mit den Aktenzeichen VI R 38/10 und VI R 7/10 wurde entschieden, dass die Anrechnung als vorweggenommene Werbungskosten zulässig sei. Der BFH bezog sich dabei auf den Paragraphen 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Dieser regelt die Ausnahmen vom Abzugsverbot. In beiden Fällen seien die Kosten der Ausbildung "hinreichend konkret durch die spätere Berufstätigkeit der Kläger veranlasst, so dass sie als vorweggenommene Werbungskosten berücksichtigt werden müssten." Welche Ausgaben nun ganz konkret berücksichtigt werden, wurde zunächst nicht geklärt.

Urteil gekippt und erneut auf der Kippe

Der Bundestag hat das Urteil bald darauf wieder gekippt. Als Begründung wurde angegeben, die Kosten fürs erste Studium oder die erste Ausbildung seien "der privaten Lebensführung zuzuordnen". Im Dezember 2011 wurden die steuerlichen Regeln dahingehend angepasst. Den Finanzämtern wäre eine geschätzte Milliarde an Einnahmen entgangen. Doch auch diese Änderung steht auf dem Prüfstand: Der Anwalt des jungen Piloten klagte erneut und beantragte eine Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht. Experten bescheinigen dem durchaus Chancen.

Was heißt das konkret für Studenten?

Sofern sie während des Studiums mit ihren Einnahmen unter dem Steuerfreibetrag bleiben, also nicht bereits eine Steuererklärung abgeben, sollten Studenten und Auszubildende in einer kostenpflichtigen Ausbildung Kostenbelege, die Ausgaben für ihre Ausbildung bescheinigen, gut aufheben und diese beim Finanzamt einreichen. Allerdings sollte der dann ausgeübte Beruf auch in Zusammenhang mit der Ausbildung bzw. dem Studium stehen und es sollte erkennbar sein, dass die Ausgaben dafür angefallen sind. Abzugsfähig sein können beispielsweise Studiengebühren, Arbeitsmaterialien, der Computer oder Fahrtkosten. Lehnt das Finanzamt ab, die Kosten als Werbekosten zu berücksichtigen, kann Einspruch eingelegt werden. Sollte ein Verfahren bei höheren Instanzen schon in Gang gekommen sein, kann man das eigene Verfahren bis zu einer Entscheidung ruhen lassen.

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