Knebelvertrag

Kommentar: T-Mobile und das iPhone

Sowohl Kunde als auch Netzbetreiber müssen richtig was auf den Tisch legen, um Apples iPhone bekommen zu können. Der Deal hat in der Branche Grenzen geknackt, die uneinnehmbar schienen. Ein Kommentar zu dem spektakulärsten Deal in der deutschen Mobilfunkbranche.

Telekom© Telekom

Ende August 2007 war inoffiziell bereits bekannt geworden, dass die Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile einen Exklusivvertrag mit Apple zur Vermarktung des Kulthandys iPhone in Deutschland geschlossen hatte. Längst ist die Partnerschaft offiziell, die iPhones liegen bei T-Mobile im Regal. Doch dieser Vertrag ist nicht weniger als eine Revolution: Zum ersten Mal zahlt ein hiesiger Netzbetreiber einem Handyhersteller eine Umsatzbeteiligung.

T-Mobile muss einen Teil vom Umsatz abgeben

Bis zu 30 Prozent der mit den iPhone-Kunden erzielten Umsätze soll T-Mobile an Apple abgeben, munkelt man in der Branche. Das ist ein ordentlicher Brocken. Im Gegenzug gibt es ein Zuckerchen für T-Mobile: Der Netzbetreiber zahlt keine Gerätesubventionen, jeder Kunde muss für das iPhone den vollen Preis auf den Tisch legen. In den USA, wo das iPhone Mitte September bereits eine Million Mal verkauft worden war, wurde ein ähnlicher Deal mit dem Netzbetreiber AT&T geschlossen. Auch für die Vermarktung des Kulthandys in Frankreich und Großbritannien gelten ähnliche Konditionen.

Ein Blick in die Zukunft

Nach Einschätzung der Redaktion wird sich in absehbarer Zeit nichts daran ändern, dass ganz normale Handys - und das sind die allermeisten - wie bisher subventioniert über die Mobilfunker den Kunden zum Vertrag angeboten werden, ohne dass der Netzbetreiber eine Umsatzbeteiligung an den Hersteller zahlen muss. Die Mehrzahl der Handykunden verlangt noch immer nach diesem Subventionsmodell, oft in dem irrigen Glauben, sie hätten ein "Recht" auf ein "kostenloses Handy" alle zwei Jahre. Zwar haben die Netzbetreiber ihre Subventionen deutlich zurückgefahren, doch so genannte Ein-Euro-Handys sind noch immer zur Genüge zu finden.

Es wird sich zeigen, wie viele iPhones T-Mobile in Deutschland wird verkaufen können. Am ersten Tag sollen 15.000 Stück über die Ladentheke gegangen sein. Doch die Zahl der Apple-Jünger ist hierzulande deutlich geringer als in den USA, zudem ist das iPhone teuer. Andere Handys sind bei geringeren Preisen teilweise sogar besser ausgestattet. Und mit dem iPod touch hat sich Apple sogar im eigenen Haus einen gefährlichen Konkurrenten herangezüchtet: Der iPod touch hat fast die gleichen Funktionen und kostet nur rund 300 Euro - ohne Vertrag natürlich.

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