Rechenexempel

Kombi-Flats aus DSL und VoIP - für wen lohnen sie sich?

Sie schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden, die kombinierten Flats aus DSL und Internet- oder "normaler" Sprachtelefonie. Drei aktuelle Beispiele zeigen, ob sich eine solche Kombi-Flat für Sie lohnen würde!

Internettelefonie© japolia / Fotolia.com

Kombinierte Flatrates aus DSL und Voice over IP oder "normaler" Sprachtelefonie liegen total im Trend. Fast jeder der großen Provider hat inzwischen ein entsprechendes Angebot im Programm, und ganz offenbar wird es auch angenommen. So berichtete jüngst Arcor, die Nummer zwei im deutschen Festnetz, dass sich jeder zweite Neukunde für eine Sprachflatrate entscheidet. Das ist ungewöhnlich, zumal das Arcor-Angebot mit 19,95 Euro im Monat für die Voice-Flat preislich recht hoch liegt.

Doch wie lohnenswert sind solche Flatrates eigentlich? Welche Nutzergruppen würden mit solchen Angeboten besser fahren als bisher, und welche Angebote sind besonders empfehlenswert? Die Redaktion hat drei Tarife mal genauer unter die Lupe genommen, davon kommen zwei ohne Telefonanschluss der Telekom aus.

Arcor: Günstige DSL-Flat, teure Voice-Flat

Der Frankfurter Anbieter offeriert mit 4,95 Euro in seinen Anschlussgebieten eine äußerst günstige DSL-Flatrate. Hinzurechnen muss man neben dem DSL-Anschluss, der in der 1000er-Bandbreite mit zehn Euro ebenfalls sehr günstig ist, noch 19,95 Euro für einen ISDN-Telefonanschluss bei Arcor - dieser ist Voraussetzung. Zusammen kommt man also auf 34,90 Euro. Eine zusätzliche VoIP-Flat gibt es bei Arcor nicht, wohl aber eine Sprachflatrate fürs "normale" Telefonnetz. Diese kommt mit 19,95 Euro recht teuer. Mit einer Sprachflat belaufen sich die monatlichen Kosten also bei Arcor auf 54,85 Euro.

Damit sind sämtliche Surfkosten und alle Gespräche ins deutsche Festnetz abgedeckt. Gespräche ins Ausland und in die Mobilnetze gehen allerdings extra - das ist bei allen Anbietern so, nicht nur bei Arcor. Da man beim Frankfurter Anbieter nicht die Möglichkeit hat, via Call-by-Call zu telefonieren, ist man an die Arcor-Telefontarife gebunden, die im Vergleich zum Call-by-Call-Markt recht hoch sind. Ausgerechnet bei den Gesprächskosten ins deutsche Festnetz, die ja bei der Telefonflat mit drin sind, ist Arcor jedoch preislich ganz gut aufgestellt (3,5 Cent in der Haupt- und 2 Cent in der Nebenzeit). Fazit: Das DSL-Angebot von Arcor ist wirklich günstig, die Telefon-Flat lohnt sich aber nur für echte Dauerquatscher bzw. für Familien.

freenet: DSL- und VoIP-Flat für knapp 19 Euro

8,90 Euro zahlt man bei freenet für die DSL-Flatrate, 9,90 Euro werden für eine Voice-over-IP-Flatrate ins deutsche Festnetz fällig. Zusammen sind das 18,80 Euro, also weniger, als die bloße Telefonflat bei Arcor kostet. Hinzurechnen muss man aber noch 15,90 Euro für den günstigsten DSL-Anschluss und mindestens 15,95 Euro für einen Telefonanschluss bei der Deutschen Telekom, der Voraussetzung ist. Insgesamt belaufen sich die monatlichen Kosten inklusive VoIP-Flat also auf 50,65 Euro, das sind 4,20 Euro weniger als bei Arcor.

Da das freenet-Angebot auf einem Telekom-Anschluss basiert, hat man die Möglichkeit, via Call-by-Call zu telefonieren. Gerade bei Gesprächen ins Ausland und in die Handynetze, die ja in allen Telefonflats ausgeschlossen sind, bieten sich im Call-by-Call erhebliche Einsparpotenziale. Wer für Call-by-Call nicht so zu haben ist und lieber eine feste Nummer voreingestellt hat, kann auch das tun - bei freenet wie bei allen anderen Anbietern, die übers Telekom-Netz laufen. Fazit: Die Voice-Flat von freenet kostet zwar nur die Hälfte der Arcor-Flat, doch aufgrund der Sparmöglichkeiten via Call-by-Call und Preselection lohnt sich auch diese Festnetz-Flatrate nur für wahre Telefon-Junkies.

QSC: Doppel-Flat für DSL und Internettelefonie

Die vor kurzem aufgelegte Q-DSL home flatflat des Kölner Anbieters beinhaltet für 59 Euro im Monat sowohl den DSL-Anschluss als auch die DSL-Flatrate und eine VoIP-Flatrate fürs deutsche Festnetz. Zwar muss man bei QSC keinen Telefonanschluss mehr obendrauf rechnen, doch der Kölner Provider ist insgesamt rund zehn Euro teurer als freenet und rund fünf Euro teurer als Arcor. Bedenken sollte man zudem, dass über den VoIP-Tarif keine Notrufe abgesendet werden können, man wäre also aufs Handy angewiesen, wenn man sich den Festnetzanschluss sparen will.

Ohne Telekom-Anschluss entfällt Call-by-Call auch hier, man ist also auf die QSC-Tarife angewiesen, die für die deutschen Handynetze und Kerneuropa ganz okay sind, ansonsten jedoch recht hoch liegen. Fazit: Mit QSC kann man sich in rund 70 deutschen Städten unabhängig von der Telekom machen und auf eine gute Netzqualität und entsprechenden Service vertrauen. Das preislich günstigste Angebot machen die Kölner jedoch nicht.

Zusammenfassung

Die drei im Detail vorgestellten Angebote, die stellvertretend für diverse ähnliche Tarife stehen, haben eines gemeinsam: Für 50 bis 60 Euro im Monat kann man sich gegen alle Tarif-Unsicherheiten und sonstigen Unwägbarkeiten absichern - insbesondere für Vieltelefonierer, Familien und Wohngemeinschaften eine prima Sache. Doch nicht jeder telefoniert primär ins nationale Festnetz, und alle Gespräche zum Handy oder ins Ausland gehen ja extra. Zudem sind selbst zehn Euro im Monat für eine Festnetz-Flatrate nicht gerade wenig, rechnet man das in Call-by-Call-Minuten um: Legt man einen durchschnittlichen Minutenpreis von zwei Cent im offenen Call-by-Call zugrunde, muss man über acht Stunden im Monat telefonieren, um auf zehn Euro zu kommen. Telefoniert man meist in der günstigeren Nebenzeit, kommt man locker auf zehn oder zwölf Stunden.

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