Das iPhone war nicht alles

Jahres-Rückblick: Was 2007 besonders spannend war

2007 war auf dem Telekommunikationsmarkt ein aufregendes Jahr: Wir haben Streikbrecher René Obermann kennengelernt, das T-DSL verschwinden sehen und AOL und Tiscali gleich mit. Wir nutzen Handytarife mit einstelligen Minutenpreisen rund um die Uhr, wir haben die iManie durchlebt und ... - lesen Sie selbst, wie spannend 2007 war!

Silvester© farbkombinat / Fotolia.com

Die Telekom, der Streik und das T-Chaos

Auch in diesem Jahr belegte die Deutsche Telekom wieder einige der bedeutendsten Schlagzeilen des Jahres. Natürlich wurde René Obermann, der erst im November des Vorjahres als Telekom-Chef angetreten war, mit Argusaugen verfolgt. Und er hat seine Sache nicht schlecht gemacht, so das Urteil vieler in der Branche. Das galt auch und gerade für seine Haltung im Telekom-Streik, der vor allem den Kunden im Mai dieses Jahres ganz gut zu schaffen machte.

Obermann hat noch an weiteren Ecken aufgeräumt, zum Beispiel beim T-Marken-Chaos. Das T-One wurde abgeschafft, ebenso wie die erst vor wenigen Jahren neu eingeführte Festnetz-Marke T-Com. Alle Festnetzprodukte laufen jetzt unter T-Home. Auf einiges Unverständnis stieß hingegen bei Branchenbeobachtern der Vorstoß der Telekom-Oberen, im Zuge des T-Säuberns auch gleich die weithin bekannte Marke T-DSL abzuschaffen.

Der DSL-Markt: Große Namen verschwinden und die Wettbewerber rüsten auf

Zum Thema DSL gab es auch 2007 wieder jede Mange zu berichten. Viele bekannte Namen sind von der Breitband-Bildfläche verschwunden, allen voran sicherlich AOL und Tiscali. Die Konsolidierung im Markt schreitet weiter voran, ebenso wie die Erfolgsgeschichten der blonden Alice und nun auch wieder der als behäbig geltenden T-Home: Die HanseNet-Tochter Alice hat im zu Ende gehenden Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht, und Gleiches gilt für die Telekom, auch wenn die Zahlen natürlich nicht miteinander vergleichbar sind. Doch die Telekom macht mit ihren preislich mehrfach gesenkten Komplettpaketen erstmals richtig Kasse und kann viele DSL-Neukunden gewinnen.

Ein Reizthema für alle Beteiligten ist nach wie vor die Beteiligung alternativer Anbieter am VDSL-Netz der Telekom. Der Ex-Monopolist spricht mit einigen Großen der Branche, doch in die Karten sehen lassen will sich niemand. Zwar verschließt sich die Telekom nicht ganz, doch man will in Bonn mehr als nur ein Auge auf die Konditionen werfen. Manche Wettbewerber kochen derweil ihr eigenes Süppchen und lassen Glasfaser-Megaprojekte vom Stapel - so HanseNet im Hamburg, NetCologne in Köln und M-net in München. Bis 100 Mbit/s soll der Speed gehen.

Handytelefonate werden immer billiger - nicht jeden freut's

Richtig rund ging es dieses Jahr wieder auf dem Mobilfunkmarkt. Nicht nur wegen dieses einen Geräts mit dem Apfel drauf, sondern zum Beispiel wegen der weiter gesunkenen Tarife - was den Netzbetreibern zunehmend Kopfschmerzen macht. Erst kürzlich hat man bei E-Plus konstatiert, dass das bisherige Geschäftsmodell höchstens noch drei Jahre zum Überleben reicht. Und dann? Es werden neue Kooperationsmodelle folgen, T-Mobile mit Google, Nokia mit Microsoft - so in der Art. Die günstiger gewordenen Tarife fürs mobile Internet sollen Kunden in ganz neue Geschäftsmodelle locken.

Die Kunden freut's, dass man jetzt auch ohne langfristige Vertragsbindung für zehn Cent pro Minute deutschlandweit telefonieren und simsen kann - sofern man nicht in alten, teuren Verträgen feststeckt. Obwohl Verbraucherschützer sich die Finger wundtippen und vor der Kombination Subventionshandy plus Vertrag gebetsmühlenhaft warnen, halten viele Mobilfunkkunden es immer noch für ihr gutes Recht, alle zwei Jahre ein neues Handy "abzusahnen". Das wiederum dürfte die Mobilfunker freuen, denn so ist wenigstens ein Teil des Umsatzes gesichert.

Zum Schluss: Der Aufreger des Jahres

Und dann war da noch - die erste Handy-Flatrate in einem Prepaidtarif; ein Vergnügen, dass vor kurzem noch Vertragskunden vorbehalten war. Außerdem kann man seit dem Sommer aus allen EU-Ländern teilweise merklich günstiger als bisher nach Hause telefonieren. Auf diesem Erfolg gedenkt sich die Eu-Kommission jedoch keineswegs auszuruhen. Als nächstes soll den horrenden Auslands-Datentarifen der Garaus gemacht werden, und, wenn es nach TK-Kommissarin Reding geht, mögen die großen Konzerne auch gleich ihre Netze abgeben - ganz ähnlich, wie es im Strommarkt gefordert wird.

Und der Aufreger des Jahres? Ganz klar, dem iPhone gebührt die Rolle des Handys des Jahres und Apple die des Vertrags des Jahres. Denn mit der Premiere des iPhones in Deutschland hat ein Vertragsmodell Einzug gehalten, das es bis dato noch nicht gegeben hatte: Bis zu 30 Prozent ihres mit dem iPhone erzielten Umsatzes sollen die Exklusivvermarkter wie T-Mobile an Apple abgeben müssen, munkelt man in der Branche. Gleichwohl ist das iPhone ein Aufreger im doppelten Sinn, denn es hat schon jetzt Trends gesetzt, die weit über 2007 hinaus reichen werden. Doch Schönheit hat, wie im wahren Leben, halt ihren Preis.

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