Praxistest

iOS 4: Das neue Betriebssystem fürs iPhone

iOS4 für das iPhone und den iPod Touch steht bereit. Das kostenlose Update bietet etwa die bei anderen Smartphones schon lange vorhandene Multitaskingfähigkeit, Ordner für den Homescreen und verbesserte Mailfunktionen. Wir haben iOS 4 installiert und erste Praxiserfahrungen damit gesammelt.

Apple iPhone 4S© Apple

Linden (red) - Voraussetzungen für das Update sind mindestens ein iPhone 3G oder ein iPod Touch der zweiten Generation und iTunes 9.2, das seit kurzem zum Download bereitsteht. Für Besitzer älterer Geräte bietet Apple iOS 4 nicht an, und auch die Besitzer eines iPhone 3G und eines iPod Touch der zweiten Generation müssen auf einige Funktionen verzichten.

Das Update lässt sich über iTunes starten und lief bei uns ohne Probleme ab. Es gibt allerdings einige Userberichte, bei denen das Update sehr lange gedauert haben soll, möglicherweise lag das aber am ersten Ansturm. Während in Internetforen auch über Datenverluste als Folge des Updates berichtet wird, "verlor" unser iPhone "nur" die MMS-Einstellungen, und das Bluetooth-Headset musste neu gepaart werden. Einige Apps sind nicht mit iOS 4 kompatibel, es ist jedoch damit zu rechnen, dass die Hersteller bald Updates folgen lassen werden. Sollte man nach dem Update Probleme mit einer App haben, dürfte eine Internetsuche nach dem Appnamen und "iOS 4" oder der Blick in den Appstore schnell eine Antwort ergeben.

Homescreen-Hintergrund und Ordner

Die auffälligste Änderung gegenüber der Vorversion dürfte der Homescreen-Hintergrund sein, der sich auch getrennt vom Hintergrund des Sperrbildschirms einstellen lässt. Nicht direkt zu sehen ist die zweite, den Homescreen betreffende Änderung: Man kann nun Ordner anlegen und hat damit bis zu 2160 Apps im schnellen Zugriff.

Apps sortieren

Um einen Ordner anzulegen, zieht man einfach das Icon einer App auf das einer anderen und iOS 4 macht daraus dann einen Ordner, in den sich dann noch weitere Apps per Drag & Drop ziehen lassen. Bis zu zwölf Apps passen in einen Ordner, der zunächst den Namen der Kategorie der ersten App erhält, der sich jederzeit ändern lässt. Tippt man auf einen Ordner, klappt dieser den Homescreen auseinander und bietet den Zugriff auf die darin enthaltenen Apps, das Ordnericon zeigt Miniaturen der App-Icons. Damit haben die Benutzer von Apples Smartphone endlich eine einfache Möglichkeit, die eigenen Apps zu sortieren.

Multitasking und Taskmanager

Lange erwartet wurde die Multitaskingfähigkeit, die sich jedoch auf sieben Funktionen beschränkt:

  • Audiofunktionen: Auch andere Audio-Apps, z. B. Webradios, können nun im Hintergrund weiterlaufen.
  • Voice over IP: VoIP-Apps können auch Anrufe annehmen, wenn sie im Hintergrund laufen, so hat zum Beispiel Skype schon ein Update seiner App angekündigt.
  • Location: Navigationsanwendungen und Geotracker werden auch im Hintergrund weiterarbeiten können.
  • Push-Benachrichtigungen: Auch bei nicht aktivierter App können Push-Benachrichtigungen empfangen werden.
  • Lokale Benachrichtigungen: Apps können ohne den Umweg über einen Server direkt auf den Bildschirm geschickt werden.
  • Beenden eines Prozesses im Hintergrund: Apps können nach dem Schließen Aufgaben noch im Hintergrund beenden, etwa das Speichern oder Hochladen von Bildern.
  • Schneller App-Wechsel: Apps werden "eingefroren" und können später genau am gleichen Punkt fortgesetzt werden.

Die ersten Updates haben mittlerweile den App-Store erreicht, es ist damit zu rechnen, dass die nächsten Tage eine große Anzahl aktualisierter Versionen folgen werden.

Zweimal schnell die Hometaste drücken öffnet den neuen Taskmanager, in dem sich alle Apps finden, die durch das Drücken der Hometaste unterbrochen wurden. Drückt man dort etwas länger auf ein Icon, lässt sich die entsprechende App schließen.

Mail und SMS

Das Mailprogramm bietet nun die Möglichkeit, eine Inbox für alle Mail-Konten anzuzeigen. Threads werden in einem Ordner mit einer kleinen Zahl rechts neben dem Titel gekennzeichnet; einmaliges Drücken öffnet dann den Konversationsverlauf. Es lassen sich nun auch mehrere Exchangekonten einrichten, das Synchronisieren der Aufgaben dieser Konten ist aber immer noch nicht möglich. Auch der Austausch von vCards über Bluetooth ist mit iOS 4 nicht Teil des Funktionsumfangs.

Was andere Handys schon lange konnten, ist nun auch bei Apples Smartphone möglich: Über die Einstellungen lässt sich nun für das Schreiben von SMS ein Zeichenzähler aktivieren, der allerdings erst ab der zweiten Zeile angezeigt wird.

Fotoalbum und digitaler Zoom

Die Kamera hat nun einen digitalen Zoom erhalten, der sich durch das Tippen auf den Bildausschnitt aktivieren und dann mit einem Schieberegler einstellen lässt. Bei den Fotos gibt es nun neben der bisher vorhandenen Alben-Ansicht eine Kartenansicht, dazu werden die Geo-Tags ausgelesen, die das iPhone auch bisher schon in die Bilder geschrieben hat. Eine Kontrolle mit den auf dem iPhone vorhandenen Bildern zeigt aber, dass entweder die GPS-Einheit nicht ganz so akkurat arbeitet, oder aber die Kamera-App die Daten nicht exakt in die Datei einträgt.

iBooks

Mit dem iOS 4 hat es auch iBooks auf das iPhone geschafft. Der schon vom iPad bekannte eBookreader bringt als erstes Buch auch gleich den Kinderklassiker "Winnie-the-Pooh" auf Englisch mit. Über den integrierten Store lassen sich weitere Bücher kaufen oder auch viele Bücher aus dem Project Gutenberg, darunter viele Klassiker, kostenlos nachladen. Heruntergeladene Bücher werden in einem virtuellen Regal abgestellt und lassen sich mit Lesezeichen versehen, die auch über iTunes synchronisiert werden können. Der Reader kann auch PDFs lesen, iBooks richtet extra dafür ein neues "Regal" ein.

100 neue Funktionen

Weitere Neuigkeiten sind beispielsweise die Möglichkeit, mobile Datennetze komplett zu deaktiveren und der Voice-Control-Befehl "Wieviel Uhr ist es?". Das Abfragen der Kalendereinträge über Voice Control erlaubt iOS 4 leider nicht. Wiedergabelisten lassen sich direkt in der iPod-App bearbeiten, per Fingertipp kann man beim Aufnehmen von Videos fokussieren.

Unser Fazit

Apple legt mit iOS 4 nach und bringt endlich einige Funktionen auf das iPhone, die andere Smartphones schon längst haben. Andere Änderungen werden wohl erst mit den zu erwartenden Updates der Apps zum Tragen kommen. Trotz über 100 neuer Funktionen bleibt also noch Raum für Verbesserungen.

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