Triple Play

Internet-Fernsehen: Der Kampf hat begonnen

Ein riesiges Aufrüsten ist im Gange, im Mittelpunkt stehen die großen DSL-Provider und ihre Kabelnetz-Konkurrenten. Es geht darum, Internet, Fernsehen und Telefonie zukunftsweisend zusammenzuführen. Wer bekommt das größte Stück vom Kuchen?

Fernbedienung© Designer_Andrea / Fotolia.com

Mit der Neuverteilung der Fernseh- und Internetrechte für die Fußball-Bundesliga ging er so richtig los, der Konkurrenzkampf zwischen den arrivierten Anbietern im Festnetz auf der einen und den Kabelnetzbetreibern auf der anderen Seite. Alle wissen, dass die Bereiche Fernsehen, Internet und Telefonie (das so genannte Triple Play) immer weiter zusammenwachsen, und alle wollen ein möglichst großes Stück vom Kuchen abhaben.

Arena gegen alle?

Bekanntermaßen hat sich die Sportrechteagentur Arena, die das Kabel-Konsortium Unity Media vertritt, einen Großteil der Bundesliga-Fernsehrechte gesichert. Die Deutsche Telekom darf sich ebenfalls als Gewinnerin fühlen, schließlich erhielt sie die Internet-Verwertungsrechte - allerdings nicht exklusiv, auch hier mischen über Arena die Kabelgesellschaften mit. Arena-Boss Bernard de Roos, ehemals bei Ajax Amsterdam unter Vertrag, kann sich also sicher sein, dass die Provider Schlange stehen werden, um Kooperationsangebote zu bekommen.

Die Fußball-Bilder gelten - erst recht im WM-Jahr 2006 - als das Zugpferd zur Vermarktung der neuen, deutlich schnelleren Breitband-Internetzugänge. Die Provider müssen den Kunden zusätzliche Inhalte bieten, wollen sie ihre Zugänge mit 20 oder künftig gar 50 Megabit pro Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit an den Mann bringen.

Die TV-Sender verhandeln schon

Somit ist nicht nur für Kabel-Konsortien wie Unitymedia, sondern auch für die großen hiesigen Fernsehsender die Suche der Provider nach Inhalten ein gefundenes Fressen - wenn man sich auch nicht einig ist, wer schlussendlich mehr profitiert, denn die Sender erhöhten via Internet schließlich auch ihre Reichweiten, hört man von Providerseite.

Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" sind derzeit Verhandlungen mit mehreren großen Fernsehsendern im Gange. Namentlich genannt wurden RTL, die ProSiebenSat.1-Gruppe und der Bezahlsender Premiere, die mit der Telekom und auch mit Arcor über eine Integration von Programmteilen in deren Internet-Angebot Gespräche führten. Doch die Telekom und Arcor sind bei weitem nicht die Einzigen: Da es in Deutschland mit 1&1, AOL, debitel, HanseNet (Alice), NetCologne und Versatel noch weitere Anbieter von DSL-Bandbreiten zwischen zwölf und 20 Mbit/s gibt, ist davon auszugehen, dass die Fernsehsender mit allen potenziellen Partnern verhandeln werden.

Lukrativer Markt - vor allem für die Kabelgesellschaften

Die Provider müssen sich etwas einfallen lassen, denn die Kabelnetzbetreiber sind schon längst auf der Überholspur unterwegs: Wer im - zugegebenermaßen noch kleinen - Verbreitungsgebiet der Kabelanbieter wohnt, kann sich einen herkömmlichen Telefonanschluss sparen und schon heute von der Verknüpfung der drei Technologien Fernsehen, Telefonie und Internet profitieren. Das Kabelnetz ist hochflexibel und steht DSL auch in Sachen Speed ins nichts nach. Wenn die Kabelnetzbetreiber, die derzeit rein zahlenmäßig gegenüber DSL noch schwachbrüstig dastehen, ihre Netze schnell aufrüsten, haben sie gute Karten: Indem sie ihre Dienste auf Telefonie und Internet ausweiten, peilen sie nach Schätzungen von Experten einen zehnfach größeren Markt an als anders herum die DSL-Provider mit ihrer Ausweitung aufs Fernsehen.

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