Brennstoffwahl

Heizen mit Gas oder Öl: Beides hat Vor- und Nachteile

Wenn es draußen wieder stürmt und schneit, wird manch einer den Füllstab an seinem Heizöl- oder Gastank überprüfen und hoffen, dass er nicht zu teuren Konditionen nachtanken muss. Doch der Preis von Erdgas oder Heizöl sollte nicht das einzige Argument für die Auswahl des Brennstoffs sein.

Heizkosten© Sergej Toporkov / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - Im tiefsten Winter ist Heizöl meist so teuer wie das ganze Jahr nicht. Der Nachbar mit Gasheizung hat es besser: Brennstoff fließt ohne Unterbrechung aus der Leitung, der Preis schwankt nicht von Tag zu Tag.

Immer mehr Bauherren schätzen die Vorteile von Erdgas: 1999 liefen von allen neu installierten Heizungen 27 Prozent mit Öl, 2009 nur noch 18 Prozent.

Heizen mit Gas hat etliche Vorteile

Die Vorteile der Gasheizung liegen auf der Hand: Sie braucht weniger Platz, weil sie ohne Öltank im Keller auskommt. Der Hausbesitzer muss sich keine Gedanken über Nachschubbestellungen machen und auch nicht auf den Tankwagen warten. Mit etwa 3.500 bis 4.000 Euro für die Anschaffung kommt eine Gasheizung für ein kleines Einfamilienhaus deutlich günstiger als ein Ölbrenner, der schnell 5.000 Euro oder mehr kostet.

"Aber auch die Ölheizung hat Vorteile", sagt Jürgen Bähr vom Verband der Zentralheizungswirtschaft. Vor allem ist der Öl-Kunde unabhängiger: Er bestimmt den Kaufzeitpunkt für seinen Brennstoff und kann Preisschwankungen nutzen. Der Gaskunde ist in der Regel über längere Fristen an seinen Lieferanten gebunden.

Woher die Ölpreisbindung kommt

In teuren Öljahren nutzt die Entscheidungsfreiheit den Ölkunden indes wenig. Die Preise für Erdgas folgten traditionell den Ölpreisen. Grund war die sogenannte Ölpreisbindung: Als die deutschen Erdgasnetze inklusive der Lieferpipelines in den 60er und 70er Jahren für Milliardenbeträge aufgebaut wurden, zitterten die Investoren um ihr Geld: Wenn Gas deutlich teurer als Erdöl wäre, würde sich ja kein Kunde dafür entscheiden. Deshalb wurde der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt, obwohl die Preisfindung für die beiden Stoffe nichts miteinander zu tun hat.

Inzwischen löst sich diese Bindung. Beim Vergleich zwischen Erdgas und Heizöl kommt es deshalb ganz entscheidend darauf an, ob der Ölkunde zu einem günstigen Zeitpunkt kauft und ob der Gaskunde einen günstigen Versorger findet.

Voller Tank gibt ein sicheres Gefühl

Matthias Wagnitz vom Handwerker-Zentralverband Sanitär Heizung Klima weist auf einen weiteren Punkt hin: "Für viele Kunden hat die Entscheidung für die Art der Heizung aber neben der wirtschaftlichen Frage auch eine emotionale Komponente", sagte er. Dabei gehe es vor allem um die Versorgungssicherheit.

Viele Hausbesitzer beruhige das Wissen, ein paar tausend Liter Öl im Keller zu haben, so dass warme Heizung und Dusche für ein Jahr sichergestellt sind. Krisen wie nach dem mehrfachen Streit zwischen Russland und der Ukraine um die Durchleitungspipelines für russisches Gas nach Westeuropa lassen immer wieder die Frage aufkommen, ob sich der Kunde auch hundertprozentig auf Gaslieferungen verlassen kann.

Was die Gaskunden beunruhigt

Doch die großen deutschen Versorger winken ab: In riesigen Kavernen unter der Erde lagern sie Reserven für Monate. Außerdem kommt das Erdgas für Deutschland aus vielen Quellen: Russland, Holland, Norwegen, ein großer Teil aus Niedersachsen. Auch die Belieferung etwa vom Persischen Golf per Schiff könnte schnell ermöglicht werden.

Ist ein Wechsel von Öl zu Gas oder umgekehrt also schlau? Wagnitz rät ab: "Wer einen schnellen Spareffekt erzielen will, sollte lieber sein laufendes System modernisieren." Kleine Eingriffe wie eine neue Umwälzpumpe, bessere Isolierung der Rohre oder eine abgesenkte Vorlauftemperatur bringen 10 bis 15 Prozent Einsparung, verspricht er.

Mehr zum Thema
  • Hochspannungsleitung

    Versorgungssicherheit

    Wir in Deutschland haben eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur und haben nur selten mal einen Stromausfall oder eine Unterbrechung in der Gasversorgung zu beklagen. Die Versorgungssicherheit ist eines der wichtigsten Zeile der Bundesnetzagentur.

    weiter
  • Erdölförderung

    Ölpreisbindung

    Ölpreisbindung ist kurz gesagt die Kopplung von Gas- und Ölpreisen. Diese Verknüpfung ist seit den 60er Jahren üblich, wobei sich der Gaspreis an der Entwicklung der geltenden Ölpreisen orientiert und variabel von den Versorgern anpasst wird. Der Gaspreis läuft also den Ölpreisen nach.

    weiter
Alle Tarif- und Preisangaben brutto. Trotz sorgfältiger Erstellung wird für die Richtigkeit keine Haftung übernommen. Beachten Sie Preise und AGB der Anbieter. Alle Angaben ohne Gewähr.
Top