Hochzeit

Steuer und Finanzen: Was sich nach der Heirat ändert

Nach einer Heirat gibt es Veränderungen hinsichtlich der zu entrichtenden Steuer und auch in anderen finanziellen Bereichen. Beispielsweise reicht es bei der Riester-Rente für die Zulage aus, wenn ein Ehepartner förderberechtigt ist.

HochzeitBei der Steuer und auch in anderen finanziellen Bereichen können sich durch eine Heirat Vorteile ergeben.© Eray / Fotolia.com

Berlin - Nach dem Gang zum Traualtar kommt der Gang zu den Behörden. Vom Bankkonto über die Steuer bis zum Mietvertrag ändert sich mit der Heirat einiges. Vieles davon hat seine Vorteile, gleichzeitig gibt es für Frischvermählte aber auch einiges zu erledigen. Die wichtigsten Vorteile und Baustellen im Überblick.

Neue Steuerklasse bei einer Heirat

Durch die Hochzeit rutschen Arbeitnehmer in eine andere Lohnsteuerklasse. Der Wechsel von Klasse eins zu Klasse vier ändert zunächst aber nichts. "Das ist nur eine neue Bezeichnung", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Für Paare mit großen Unterschieden beim Einkommen lohnt es sich aber, in die Steuerklassen drei und fünf zu wechseln. Die Entscheidung muss aber nicht sofort fallen, Frischvermählte können damit bis zur Steuererklärung warten. Die geben Ehepaare gemeinsam oder getrennt ab.

Übrigens müssen Arbeitnehmer ihre Heirat oft dem Chef mitteilen. "Entsprechende Regelungen gibt es in fast jedem Arbeitsvertrag", sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Selbst ohne gilt: Alles, was für die Gehaltsabrechnung relevant ist, muss der Arbeitnehmer wissen. Dazu gehört auch der Wechsel der Steuerklasse. Sonst ändert sich für Verheiratete im Job kaum etwas.

Riester: Förderberechtigung von einem Ehepartner reicht aus

Änderungen gibt es durch die Hochzeit vor allem bei der privaten Altersvorsorge. Für die Riester-Rente reicht es zum Beispiel, wenn nur ein Ehepartner förderberechtigt ist: Damit hat der andere automatisch Anspruch auf Zuschüsse vom Staat, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Bund. Um sich gegenseitig abzusichern, können Ehepaare außerdem eine gemeinsame Risikolebensversicherung abschließen. Laut Bund der Versicherten lohnt sich das aber in der Regel nur für kinderlose Paare. Wer Kinder hat, ist demnach mit zwei getrennten Versicherungen besser bedient.

Kontovollmacht oder gemeinsames Konto

Mit der Hochzeit bekommen Frischvermählte nicht automatisch Zugriff auf das Bankkonto ihres Ehepartners. "Sie können Ihrem Ehepartner aber bei der Bank eine Vollmacht ausstellen", erklärt Thomas Schlüter vom Bankenverband. Der Partner bekommt dann auch eigene Karten und Zugriff aufs Online-Banking. Alternativ legen sich Eheleute ein gemeinsames Konto an. Die praktischste Variante ist das sogenannte Oder-Konto, mit dem beide unabhängig voneinander Zugriff haben.

Versicherungen: Nachfragen lohnt sich

Wer nur wenig oder gar kein Geld verdient, kann sich in der gesetzlichen Krankenversicherung eventuell über den Ehepartner mitversichern. In einer privaten Krankenversicherung zahlt dagegen jeder eigene Beiträge, erklärt der Bund der Versicherten. Viele weitere Policen wie Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung brauchen Ehepaare zudem nur einmal. Doppelte Versicherungen lassen sich nach der Hochzeit daher getrost kündigen. Und auch bei anderen Versicherungen, etwa für das Auto oder gegen Berufsunfähigkeit, gibt es durch die Hochzeit eventuell Änderungen - Nachfragen lohnt sich.

Hartz IV, Bafög, Kindergeld und die Rente

Viele Bezüge wie das Arbeitslosengeld I oder das Kindergeld ändern sich durch die Hochzeit nicht. "Die bekommen Sie ja nicht wegen Ihrem Familienstand, sondern zum Beispiel wegen Ihrer Arbeitsleistung", sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht. Anders ist es bei Sozialleistungen wie Hartz IV: Hier bilden Eheleute eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft. Reicht deren Einkommen zum Leben aus, gibt es eventuell kein Geld vom Staat. Das hat mit der Hochzeit aber eigentlich nichts zu tun. Denn auch Lebensgefährten, die zusammenleben, sind in der Regel eine Bedarfsgemeinschaft.

Zuzug wegen Heirat – Vermieter kann Einspruch erheben

Wer vor der Hochzeit schon zusammenwohnt, muss sich nach der Hochzeit um kaum etwas kümmern. Wichtig ist nur, einen neuen Namen dem Stromversorger und anderen Providern mitzuteilen, etwa fürs Telefon. Wer jetzt erst zusammenzieht, muss zudem den Vermieter darüber informieren. «Der kann dagegen aber keinen Einspruch erheben», sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Das gelte für verheiratete ebenso wie für andere Paare. Außerdem lohnt sich ein Blick in die Nebenkostenabrechnung: Wird die nach Personen aufgeteilt, steigt durch das Zusammenziehen die Warmmiete.

Neue Rechte für Eheleute

Auskunft im Krankenhaus, Pakete annehmen, Vollmachten schreiben? Viele glauben, dass die Heirat an solchen Stellen das Leben erleichtert. "Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür eigentlich nicht", sagt Anwältin Becker. Es kann aber trotzdem sein, dass eine Ehefrau im Krankenhaus leichter Informationen über ihren Mann bekommt als eine Lebensgefährtin. "Für das Krankenhaus ist es damit leichter, zu sehen, dass da tatsächlich eine Beziehung besteht", erklärt Becker.

Quelle: DPA

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