Verbraucherrechte

Handy und Vertrag: Wenn der Händler Ärger macht

Wer bei einem freien Händler ein Handy kauft und einen Mobilfunkvertrag abschließt, bekommt oft Extras und Kostenvorteile versprochen. Doch was tun, wenn diese Versprechen nicht eingehalten werden und zum Beispiel Handy und SIM-Karte nicht geliefert werden?

Vertragshandy© Dan Race / Fotolia.com

Neben den Netzbetreibern und Providern, die Handys und Mobilfunkverträge direkt und meist im Paket verkaufen, mischen auch freie Händler auf dem Telekommunikationsmarkt mit. Sie verkaufen ihre Mobiltelefone über das Internet, im Versandhandel oder direkt im Laden. Mobilfunkverträge nehmen sie nur entgegen und leiten sie an die Netzbetreiber weiter.

Zwei Verträge

Die Verbraucher schließen also zwei Verträge mit unterschiedlichen Vertragspartnern ab, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im Kampf um die Kunden werben die Händler häufig mit zahlreichen Extras und Kostenvorteilen. So versprechen sie neben Zubehör wie Freisprecheinrichtung oder Handytasche oftmals, dass sie den Kunden bei Abschluss eines Zweijahresvertrages die vom Mobilfunkbetreiber berechneten Anschlusskosten und monatlichen Grundgebühren erstatten.

Doch die Verbraucherzentrale gibt zu bedenken, dass vermeintliche Schnäppchen oft über ungünstige Vertragskonditionen hinwegtäuschen oder sich als Ladenhüter entpuppen. Ärgerlich ist auch, dass Anschluss- und Grundgebühren häufig nicht wie versprochen erstattet werden oder Kunden wochenlang auf ihr Handy warten müssen - wie vor einigen Jahren bei Quam-Providern, die kostenlose Handys versprachen. Verbraucherschützer warnen immer wieder vor dieser Kostenlos-Mentalität, helfen aber auch dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Was kann man tun, um seine Rechte zu wahren?

Wenn das Handy nicht geliefert wird

Wenn das bestellte Handy nicht eintrifft, sollte sich der Kunde an den Händler wenden. Er kann ihm eine angemessene Frist – etwa von zwei Wochen – setzen. Sollte das Handy in dieser Zeit immer noch nicht geliefert werden, kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten. Am besten ist es, den Rücktritt per Einschreiben mit Rückschein zu erklären, so kann anschließend bewiesen werden, dass eine Kündigung abgeschickt wurde.

Wurde der Kaufpreis schon gezahlt, muss der Händler diesen zurückerstatten. Wenn der Verbraucher das gewünschte Handy anderswo zu einem höheren Preis bestellt, kann er die Mehrkosten vom Händler als Schadenersatz verlangen. Der Händler muss aber nicht zahlen, wenn er für die ausgebliebene Lieferung nachweislich nichts kann, weil beispielsweise der Hersteller Lieferprobleme hat. Zu beachten ist jedoch, dass auch ohne Handy der Mobilfunkvertrag mit dem Netzbetreiber weiter läuft.

SIM-Karte noch nicht erhalten

Wurde die SIM-Karte bereits freigeschaltet, aber dem Kunden (noch) nicht ausgehändigt, sollte der Netzbetreiber kontaktiert werden. Gibt dieser die Karte nicht heraus, obwohl der Kunde ihm zuvor eine dafür angemessene Frist gesetzt hat, kann der Kunde vom Mobilfunkvertrag zurücktreten (schriftlich!) und bereits geleistete Zahlungen vom Netzbetreiber zurückverlangen, informiert die Verbraucherzentrale weiter. Hat dagegen der Netzbetreiber den Mobilfunkvertrag noch gar nicht vom Händler übermittelt bekommen, muss sich der Verbraucher an den Händler wenden.

Pech: Wenn der Händler Insolvenz anmeldet

Hat der Händler versprochen, die Anschluss- und monatlichen Grundgebühren zu erstatten und tut dies nicht, kann der Kunde diese Summe von ihm als Schadenersatz zurückfordern. Auch hierbei muss dem Händler zuerst eine angemessene Frist gesetzt werden.

Hat der Händler Insolvenz angemeldet und kann deshalb sein Zahlungsversprechen nicht halten, hat der Verbraucher leider Pech. In diesem Fall kann er seine Ansprüche meist nicht mehr durchsetzen. Der Mobilfunkvertrag bleibt aber in jedem Fall bestehen, da die Kostenerstattung mit dem Händler und nicht mit dem Netzbetreiber vereinbart wurde. Deshalb muss der Kunde auch die Grundgebühren an den Netzbetreiber zahlen.

Antrag wird nicht bearbeitet

Reicht der Kunde die Antragsformulare beim Händler ein und reagiert dieser nicht darauf, kommt weder ein Vertrag über den Handykauf, noch ein Mobilfunkvertrag zustande. Der Verbraucher kann zwar versuchen, den Händler zu einer Vertragsannahme zu bewegen. Er kann ihn allerdings nicht dazu zwingen, den Antrag zu bearbeiten, so die Verbraucherzentrale weiter.

Das Handy oder der Vertrag gefällt dem Kunden doch nicht

Wer mit dem erworbenen Handy doch nicht zufrieden ist oder einen zu teuren Mobilfunkvertrag wieder loswerden möchte, muss in der Regel trotzdem am Vertrag festhalten. Nur bei Bestellungen per Katalog, Telefon oder Internet haben Kunden zwei Wochen Zeit, den Vertrag gegenüber dem jeweiligen Vertragspartner zu widerrufen, erklären die Verbraucherschützer. Bedingung sei dabei aber, dass das Telefon noch unbenutzt ist. Die SIM-Karte dürfe aber zum Testen von Handy und Mobilfunkvertrag aktiviert werden. Eine SMS und/oder ein kurzer Anruf sei deshalb erlaubt.

Wichtig: Auf Fristen achten

Wenn man seinen Vertrag regelgerecht kündigen will, sollte man genau auf die entsprechenden Fristen achten. Die Mindestlaufzeit beträgt in der Regel 24 Monate, die Kündigungsfrist mindestens drei Monate. Kündigt man nicht, verlängert sich der Vertrag automatisch - oft um ein ganzes Jahr. Um dabei in keine Falle zu tappen, sollte man die Unterlagen zum Ursprungsvertrag und zur Vertragsverlängerung aufheben. Bei der Verlängerung von Netzbetreiber-Verträgen gibt es oft bessere Goodies oder teurere Handys als bei Verträgen von Service-Providern.

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