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Gesucht: Einfache Handys mit hohem Bedienkomfort

Weniger ist mehr: Nicht nur ältere Menschen entscheiden sich bewusst für ein Handy ohne Schnickschnack, das sich einfach bedienen lässt und einen langlebigen Akku hat. Dabei geht es eindeutig nicht um den geringeren Kaufpreis, sondern um Komfort durch Weglassen.

Mobilfunk Tarife© Uwe Malitz / Fotolia.com

Berlin (ddp/cm) - Nach wie vor gilt es als schick, zu zeigen, was man hat - sofern das einigermaßen mit Stil geschieht. Ein freiwilliger Verzicht beschränkt sich meist auf bestimmte Gruppen, und so ist es auch auf dem Handymarkt. Insbesondere junge Menschen wollen ein Gerät, das möglichst viel "kann", auch wenn Umfragen zufolge nur ein Bruchteil der verfügbaren Funktionen überhaupt genutzt wird. Dieses Bedürfnis machen sich die Handyhersteller seit jeher zu eigen: Sie packen alles in die Handys rein, was geht, ohne Rücksicht auf die Bedienbarkeit.

Ein "Seniorenhandy" will kaum jemand

Dass laut Umfragen ein Großteil der Bevölkerung solche "eierlegenen Wollmilchsäue" überhaupt nicht braucht, interessiert die Hersteller nur am Rande. Seit einigen Jahren gibt es zwar einige erheblich abgespeckte Modelle, doch diese sind nicht selten optisch eine ziemliche Zumutung und eindeutig auf ältere bis alte Nutzer zugeschnitten. Solche "Seniorenhandys" werden von der angestrebten Käuferschicht jedoch alles andere als geliebt. Der Begriff Seniorenhandy könnte dem wachsenden Geschäft die Dynamik rauben.

Zielgruppe ist zu heterogen für die Modellpalette

Das findet zumindest Klaus Uwe Meier von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Bonn. Meier sieht die Gefahr einer "Stigmatisierung des Alters": "Kaum ein Senior möchte ein Handy haben, das als Seniorenhandy gilt. Alles, was stigmatisierend auf das Alter hinweist, ist nicht gewünscht", sagt er. Ein weiteres Problem ist die Heterogenität der Silber-Generation: Kaum vorstellbar, dass sich ein potenzieller Käufer mit Mitte 60 für ein Gerät entscheidet, das riesige Ziffern anzeigt und eine spezielle Notruftaste hat. Solche Telefone eignen sich wohl eher für deutlich ältere Anwender.

Alltagshandy wurde bestes "Seniorenhandy"

Ist es ein Zufall, dass ein nicht als Seniorenhandy ausgewiesenes Gerät in einem Experiment von Stiftung Warentest jüngst am besten abschnitt? Elf Senioren mit dem (niedrigen) Durchschnittsalter von 63 Jahren kamen unter dem Strich am besten mit dem Nokia 3110 Classic zurecht. Obwohl das Gerät über Kamera, Musik-Player und Radio verfügt, überzeugte es offenbar durch Übersichtlichkeit und Bedienfreundlichkeit. Vordere Plätze belegten aber auch Seniorenhandys der Firmen Fitage und Emporia, die - wie übrigens auch das Nokia-Gerät - für Nutzer mit Hör-, Seh- und Motorikschwäche geeignet sind.

Simpel und schick geht nicht

Mittlerweile ist es also möglich, unter verschiedenen "Seniorenhandys" zu wählen. Weiterhin gibt es diverse einfach gestaltete Handys, die nur die nötigsten Funktionen haben und wenig Geld kosten. Was allerdings nach wie vor fehlt, sind Handys, die gleichzeitig abgespeckt und schick sind. Offenbar können sich die Hersteller nicht vorstellen, dass es eine Käufergruppe gibt, die beides möchte. Aktuellen Studien zufolge steigt diese Gruppe aber merklich an, und das nicht aus demografischen Gründen. Es wird sich zeigen, ob die Hersteller darauf reagieren - bislang hat allenfalls Nokia seine Produktpalette leicht in diese Richtung angepasst.

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