Digitale Zukunft

Feldversuch: Mit dem Handy die Stadt entdecken

In einer französischen Stadt läuft derzeit ein großer Feldversuch, für den die halbe Stadt digitalisiert wurde. Mit dem Handy kann man Fahrpläne abrufen, den Einkauf bezahlen, ein Parkticket lösen, Trailer herunterladen und vieles mehr.

Smartphone© Adam Radosavljevic / Fotolia.com

Information, Unterhaltung, Bezahlfunktionen: Die unter anderem von Philips entwickelte Technologie Near-Field-Communication (NFC) macht Mobiltelefone zu Multifunktionsgeräten. 200 Einwohner der französischen Stadt Caen dürfen nun ein halbes Jahr lang das Leben in der Multimedia-Zukunft ausprobieren.

Gegenüber anderen drahtlosen Funktechnologien sieht Philips einen großen Vorteil bei NFC darin, dass sich Geräte automatisch erkennen und mit Zustimmung der Nutzer den Datenaustausch initialisieren, sobald sie aneinandergehalten werden. Elektromagnetische Hochfrequenzfelder sollen für einen sicheren Datentransfer sorgen. Ein Einwählen und Identifizieren entfällt; der NFC-Chip bildet die Schnittstelle, über die sich die Nutzer an einem Ablesegerät ausweisen oder mit Hilfe des Mobiltelefons Daten mit anderen Endgeräten wie MP3-Playern tauschen können.

Mit dem Handy im Supermarkt bezahlen, Parktickets kaufen, ...

Die Palette möglicher Anwendungen reicht vom Austausch digitaler Visitenkarten über elektronische Bezahlung bis hin zur drahtlosen Konfiguration von Multimedia-Elektronik. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geräte in einem Abstand von weniger als zehn Zentimetern aneinandergehalten werden. Kauf- und Bezahlvorgänge müssen vom Handy-Besitzer zudem aktiv ausgelöst werden. Wenn das NFC-Handy beispielsweise als Kreditkarte genutzt wird, wird ein weiterer Sicherheits-Chip hinzugeschaltet.

In Caen haben 200 Einwohner Mobiltelefone erhalten, in die NFC-Chips von Philips integriert sind. Nun haben sie ein halbes Jahr lang die Möglichkeit, die neuen Anwendungen auszuprobieren. Partner des Pilotversuchs sind unter anderem der Finanzdienstleister Cofinoga, die Supermarktkette Monoprix und das Kaufhaus Galeries Lafayettes. Kunden des Parkplatz-Betreibers Vinci Park können sich via NFC zudem einen virtuellen Parkschein auf ihr Handy laden.

... Trailer von virtuellen Postern herunterladen, Fahrpläne abrufen ...

Auch das Freizeit- und Kulturangebot der Stadt wurde mit in den Feldversuch einbezogen. Eine Reihe von Sehenswürdigkeiten wurden mit Terminals ausgestattet, die Hintergrundinformationen liefern. Von so genannten "aktiven Postern" können sich Konzert- und Kinogänger per Near-Field-Communication Klingeltöne und Hintergrundbilder herunterladen. Filmplakate bieten Trailer zum Download an, die auf dem Handy abspielbar sind. Und damit niemand während des multimedialen Stadtrundgangs den Bus verpasst, sind an den Haltestellen auch die Fahrpläne über das Handy abrufbar. Dabei genügt es, dass die jeweiligen Zielgeräte oder Poster so genannte Tags enthalten, also Etiketten mit integrierten Funkchips. Welche Anwendung dann gestartet werden muss, soll die Software automatisch erkennen.

... ein halbes Jahr lang

Im Verlauf des Feldversuchs in Caen sollen weitere Partner mit zusätzlichen Angeboten hinzukommen. Die von Philips eingerichtete virtuelle Plattform für mobile Anwendungen sei noch ausbaufähig, so Philips. Dieser Feldversuch zählt zu den weltweit größten seiner Art. Christophe Duverne, Vizepräsident von Philips Semiconductors und Vorsitzender des internationalen NFC-Forums, ist überzeugt: "Die Near-Field-Communication wird unser zukünftiges Alltagsleben sehr stark verändern."

Mehr zum Thema
  • Bezahlen per Handy

    NFC

    Ist man auf der Suche nach einem neuen Smartphone stolpert man oft über drei Buchstaben: NFC. Was sich dahinter verbirgt, weiß man meist nicht so genau und interessiert sich auch nicht weiter dafür. Dabei kann NFC durchaus ziemlich praktisch sein.

    weiter
Top