Rekordhoch

Diese Faktoren beeinflussen die Benzinpreise

Die Benzinpreise sind so hoch wie nie und noch immer ist kein Ende in Sicht. Dass die Kraftstoffpreise so hoch sind, kann verschiedensten Ursachen haben - von der Lage im Iran über Steuern bis hin zur Kältewelle. Lesen Sie hier, was alles zum Benzinpreis beiträgt.

Erdölförderung© TebNad / Fotolia.com
Brüssel (afp/red) - In Deutschland machen Steuern wie die Energiesteuer und die Mehrwertsteuer einen großen Teil der Kraftstoffpreise aus, aber zahlreiche andere Gründe können mit dafür verantwortlich sein, dass die Preise steigen. Derzeit trägt beispielsweise der Atomstreit mit dem Iran zu der Erhöhung der Spritpreise bei.

1. Politische Lage

Als wichtiger Grund für die hohen Benzinpreise in Deutschland gilt unter Experten der Atomstreit mit dem Iran. Die EU hat den Iran mit einem ab Juli geltenden Öl-Embargo belegt, der Iran drohte daraufhin, selbst schon früher Lieferungen einzustellen. "Das ist der Nervositätsfaktor auf den Märkten", urteilt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Zwar könnten andere Länder wie Saudi-Arabien einspringen. Aber auch dann müsste das Öl durch die Wasserstraße von Hormus verschifft werden, die an den Iran grenzt.

2. Dollarkurs

Rohöl-Käufe werden in Dollar abgewickelt. Letztlich bezahlt werden die Endprodukte in Europa aber mit dem Euro. Daher spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle. Derzeit ist der Euro vergleichsweise schwach. Es müssen also für den Dollar und damit für das Öl vergleichsweise viele Euro hingeblättert werden.

3. Mineralölkonzerne

Die Konzerne verdienen nach Auskunft ihres Branchenverbandes zwischen einem halben und einem Cent pro Liter. "Und das ändert sich auch in der gegenwärtigen Lage nicht entscheidend", auch wenn es "mal 1,2 Cent" pro Liter sein könnten, sagt die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes, Karin Retzlaff. Für die hohen Preise an der Zapfsäule seien vor allem die hohen Rohölpreise verantwortlich, die die Industrie nur an die Verbraucher weitergebe.

4. Kältewelle

Die jüngste Kältewelle in Europa spielt eine Rolle, meint der Essener Professor für Energiewirtschaft Christoph Weber. Denn Raffinerien können zwischen der Herstellung verschiedener Produkte wechseln, etwa Benzin und Heizöl. Auf diesem Wege könne eine verstärkte Heizöl-Nachfrage zu weniger Angebot beim Benzin führen.

5. Steuern

Die Hauptsteuer bei den Kraftstoffen ist die Energiesteuer, in der die sogenannte Ökosteuer enthalten ist. Die Energiesteuer ist fix und beträgt für den Liter Benzin 65,45 Cent, für den Liter Diesel 47,04 Cent. Sie wurde nach Angaben des Bundesfinanzministeriums seit 2003 nicht mehr erhöht. Hinzu kommt die 19-prozentige Umsatzsteuer, die auf die jeweiligen Kraftstoffpreise samt Energiesteuer aufgeschlagen wird.

6. Weltwirtschaft

Auch wenn die Weltwirtschaft nicht floriert: Allein die Aussicht auf mehr Wachstum kann nach Expertenmeinung die Preise treiben. Der Essener Professor Weber meint, dass sich die Ölförderer folgende Frage stellten: "Fördere ich das Öl jetzt oder lasse ich es im Boden, bis die Preise in einigen Jahren noch höher sind?" Und Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung urteilt: "Aufgrund der kriselnden Wirtschaftslage tendieren Investoren verstärkt dazu, in Rohstoffe wie Öl zu investieren."

7. Förderkosten

Höhere Förderkosten bei neuen Vorkommen wie vor der Küste Brasiliens spielen laut Weber ebenfalls eine Rolle. Es koste nun einmal mehr, in tausenden Metern Tiefe im Meer Öl zu gewinnen, als in der saudiarabischen Wüste.

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