(Preis)wunder sind ausgeblieben

DSL ohne Telefonanschluss: Das ist jetzt möglich

Die Anbieter von so genanntem "nacktem DSL" werden immer mehr, je länger der Siegeszug der Internettelefonie anhält. Bei welchen Anbietern man einen DSL-Anschluss bekommt, ohne einen Festnetz-Telefonanschluss dazubuchen zu müssen, lesen Sie in diesem Special!

Terminkalender© japolia / Fotolia.com

Das so genannte "entbündelte DSL" war jahrelang der Traum vieler Surfer: Wie schön wäre es doch, wenn man einen DSL-Anschluss bekommen könnte, ohne gleichzeitig einen Telefonanschluss dazunehmen zu müssen! Doch in den vergangenen Jahren war "DSL ohne Telefon" nur bei zwei Anbietern möglich, die sich vor allem auf Businesskunden spezialisiert hatten, bei Broadnet und bei QSC. Bei allen anderen Anbietern ist ein zusätzlicher Telefonanschluss der Telekom, von Arcor oder von einem der anderen Alternativanbieter (Versatel, HanseNet und Co.) Pflicht gewesen.

Das Festnetz: Vom Normalfall künftig zur Ausnahme

Doch inzwischen hat sich das deutsche Telefonland massiv geändert, denn die Internettelefonie hält mehr und mehr Einzug. Das bedeutet zum einen, dass auch große Anbieter wie die Deutsche Telekom früher oder später das herkömmliche Telefonnetz ganz auf IP-Basis umstellen werden. Bei einigen Anbietern ist das bereits so. Immer öfter werden VoIP-Sprachflatrates angeboten, immer seltener gibt es "echte" Festnetz-Flatrates, die noch übers herkömmliche Festnetz realisiert werden. Die Kunden sind damit nicht immer einverstanden, denn in vielen Fällen ist die Sprachqualität über VoIP immer noch merklich schlechter als über die Telefonleitung.

Doch den Kunden interessieren zwei andere Sachverhalte deutlich mehr: die ständige Erreichbarkeit bzw. Mobilität des Anschlusses und das Schonen des eigenen Geldbeutels. Das sind die Hauptgründe dafür, warum immer mehr Kunden ihre Festnetzanschlüsse kündigen - oder dies gerne tun würden, wenn sie damit nicht den DSL-Anschluss verlören. Denn nach wie vor sind DSL- und Telefonanschluss aneinander gekoppelt, wenn man Kunde bei der Telekom oder einem ihrer Wiederverkäufer ist.

Zwei Chancen: Handyflat oder "nacktes DSL"

Will man den Zwang zum Festnetz nicht mehr, bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder, man bucht zum Handytarif eine Flatrate hinzu, die allerdings teilweise orts- oder netzgebunden ist. Oder, man wechselt zu den mittlerweile fünf Anbietern, die entbündeltes DSL anbieten. Da sich Broadnet mittlerweile ausschließlich an Businesskunden richtet, bleiben für private Interessenten vier übrig: Alice (Anbieter HanseNet), freenet, QSC und Tiscali.

Vier Anbieter in 50 bis 100 Städten

Ein Vergleich der Angebote aller vier Anbieter ist schwierig, da die Bestandteile ziemlich variieren. Listet man die jeweils günstigsten Angebote auf, so ergibt sich folgendes Bild (bitte beachten Sie die unterschiedlichen Inhalte):

  • Alice Light gibt es ab 19,90 Euro im Monat. Enthalten ist ein DSL-Anschluss, der minutengenau abgerechnet wird. Laufzeit 1 Monat. Telefonanschluss zusätzlich 2 Euro im Monat. Bandbreite: 4000 Kbit/s.
  • freenetKomplett kostet ab 19,95 Euro im Monat. Enthalten ist ein DSL-Anschluss mit 1 GB Freivolumen und ein VoIP-Telefonanschluss mit zwei Leitungen. Laufzeit 24 Monate, Bandbreite bis 16.000 Kbit/s.
  • Q-DSL home 1536 kostet 29,90 Euro im Monat. Enthalten ist ein DSL-Anschluss und eine DSL-Flatrate. VoIP-Anschluss ohne Grundkosten zubuchbar. Bandbreite: 1024 Kbit/s, Laufzeit 12 oder 24 Monate.
  • Tiscali Surf & Talk kostet 19,90 Euro im Monat. Enthalten sind ein DSL-Anschluss, der minutengenau abgerechnet wird, und ein VoIP-Telefonanschluss. Bandbreite: 2048 Kbit/s, Laufzeit 12 Monate.

Es zeigt sich, dass die Angebote nur mittelbar miteinander zu vergleichen sind. Man sollte also darauf achten, welcher Telefon- und Surftyp man ist - etwa, ob es Flatrates sein sollten oder ob minutenbasierte Anschlüsse reichen. Auch bei den Mindestlaufzeiten gibt es gehörige Unterschiede. Beachten sollte man außerdem, dass alle vier genannten Anbieter nicht bundesweit verfügbar sind. Q-DSL und Alice DSL gibt es derzeit in etwa 100 deutschen Städten; die Verfügbarkeit von freenet und Tiscali, die teilweise auf die gleichen Netzanbieter setzen, dürfte in naher Zukunft ähnliche Größenordnungen erreichen.

Telefonverhalten mit einkalkulieren

Ein Blick auf die vier günstigsten Angebote für "nacktes DSL" zeigt weiterhin, dass diese Angebote zwischen fünf und zehn Euro günstiger sind als ein Kombiangebot mit Telefonanschluss. Es ist also keineswegs so, als könnte man die Monatsgebühr, die man derzeit für einen Telefonanschluss zahlt, im Geiste einfach abziehen, und erhielte so ein Angebot für "DSL ohne Telefon". Wunder kann man also auch hier keine erwarten. Weiterhin muss beachtet werden, dass die Minutenpreise mancher VoIP-Tarife vor allem für Gespräche ins Ausland und in die Handynetze nicht konkurrenzfähig zum Call-by-Call im Festnetz sind. Eine gründliche Analyse des eigenen Telefonverhaltens empfiehlt sich also.

Die Kabelnetzbetreiber, von denen mittlerweile einige auch Breitband-Internet und Telefonie anbieten, wurden hier aus Gründen der Übersichtlichkeit außen vor gelassen. Zudem entsteht für den Kabelanschluss eine Grundgebühr, die durchaus im Monat so viel betragen kann wie ein Telefonanschluss. Aufgrund dessen lohnt sich ein Wechsel meist nur dann, wenn man schon Kabelkunde beim gewünschten Anbieter ist.

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