Im Fokus

Die Trends der weltgrößten Handymesse 2006

Auf der 3GSM in Barcelona haben die Handy-Hersteller durchblicken lassen, auf welche Trends sie in diesem Jahr setzen werden: Die Handys werden immer flacher, sind längst halbe MP3-Player und sollen pünktlich zur WM auch als Fernseher dienen.

Mobile World Congress© GSM Association

Vier große Trends lassen sich ausmachen, die den Handy-Markt in den nächsten Monaten beschäftigen und vielleicht sogar bestimmen werden. Neben den Trends zu Musikhandys und zu besonders schlanken Geräten, die sich bei fast allen Herstellern beobachten lassen, ist außerdem die zunehmende Konvergenz durch das Zusammenwachsen verschiedener Techniken zu nennen. Gerade noch rechtzeitig zur Fußball-WM soll man nämlich auf einigen Geräten auch fernsehen dürfen.

Trend 1: Mobile TV

Eindeutiger Trendsetter beim mobilen Fernsehen ist Samsung. Die Koreaner haben auf der Messe in Barcelona nicht weniger als sieben fernsehtaugliche Geräte vorgestellt, die alle derzeit bekannten Standards für Mobile TV abdecken. Das Kardinalproblem für Kunden und Hersteller gleichermaßen ist jedoch die fehlende Standardisierung; es ist nach wie vor völlig unklar, welcher Standard sich letztendlich durchsetzen wird.

Die neuen mobilen Fernseh-Handys decken mit Terrestrial DMB (T-DMB), Satellite DMB (S-DMB) DVB-H und Media FLO alle relevanten Plattformen ab. Samsung will im Vorfeld der WM Gespräche mit den relevanten Netzbetreibern in Europa, China und den USA führen. Im südkoreanischen Heimatmarkt Samsungs wurden bislang S-DMB- und T-DMB-Services eingeführt. Das erste europäische DMB-Telefon ist das SGH-P900 von Samsung, das vor allem durch sein TV-Display im Querformat auffällt. Das SGH-P900 stellt seine Praxistauglichkeit derzeit noch in Feldversuchen in Deutschland und Frankreich unter Beweis. Samsung plant die Markteinführung noch vor dem Anpfiff der WM 2006.

Trend 2: Mobile Music

Der Trend, Handys auch mit einem MP3-Player auszustatten, ist nicht neu, doch die Handys werden immer ausgefeilter. Modelle wie das neue "Walkman-Handy" W950i lassen fast vergessen, dass man eigentlich ein Handy in der Hand hält. Das neue Flaggschiff von Sony Ericsson ist in der Tat halb Handy und halb MP3-Player: Im 4 GB großen Flash-Speicher können je nach Format bis zu 4000 Lieder gespeichert, sortiert und verwaltet werden. Neu entwickelt wurde die Benutzeroberfläche, dabei sei auch der steigenden Datenmenge Rechnung getragen worden. Zur Übersichtlichkeit trägt auch die optionale Darstellung der Albumcover bei. Über den Touchscreen und den Stift kann man die Playlists durchblättern und die Songs direkt anwählen. Multitasking ermöglicht gleichzeitiges Musikhören, Verfassen von Textnachrichten, Verschicken von E-Mails und Surfen im Internet. Das W950i ist zwar kein iPod, aber viel fehlt nicht.

A propos iPod: Die Einbindung von Musikdownload-Funktionen in Handys, der alle Hersteller längst erlegen sind, schreit natürlich geradezu nach einem entsprechenden Pendant auf Seiten der MP3-Branche. Gerüchten zufolge soll Apple, mit seinem iPod nach wie vor einsamer Marktführer bei MP3-Playern, längst an einem Player mit integrierter Telefonfunktion arbeiten. Dieses Szenario dürfte nicht nur bei der direkten Konkurrenz, sondern auch bei den Handyherstellern für feuchte Hände sorgen.

Trend 3: Die Flundern

Für den Trend zu immer flacheren und dafür oft etwas breiteren Handys ist ohne Zweifel das RAZR von Motorola verantwortlich, das gerade erst in der V3x-Version mit dem Preis für das Handy des Jahres ausgezeichnet wurde. Der amerikanische Handyhersteller hat mit seinem RAZR-Modell einen wahren Boom ausgelöst, das RAZR selbst ist längst zum Kulthandy avanciert. Mittlerweile gelten die so genannten Slim Phones als eigene Produktreihe und werden primär als "Handys für die Hemdentasche" beworben.

Trend 4: Verbindung der Datennetze

Dass die Techniken immer mehr zusammenwachsen, zeigt sich nicht nur bei der Einbindung des Fernsehens in mobile Endgeräte oder auch in die terrestrische DSL-Technologie. Immer wichtiger wird es auch, dass die verschiedenen Techniken nicht nur nebeneinander Bestand haben, sondern miteinander verwoben werden können. Ein reibungsloses Handover zwischen verschiedenen Funknetzen ist eine der wichtigsten Anwendungen. Das wird sich zum Beispiel bei den ersten Dual Phones zeigen, also solchen Endgeräten, die sich entweder per UMTS, GRPS oder WLAN einwählen und zu Hause wie ein Festnetztelefon genutzt werden sollen.

Für den nahtlosen Übergang einer Funktechnik zur anderen soll auch der UMA-Standard sorgen. Mit diesem Standard soll zwischen verschiedenen Datennetzen ein reibungsloser Übergang möglich sein, ohne dass der Anwender eingreifen muss. Der finnische Handy-Gigant Nokia hat in Barcelona mit dem 6136 sein erstes UMA-taugliches Handy vorgestellt, das zwischen GSM und WLAN umschalten kann. Das kann für potenzielle Anwender durchaus einen finanziellen Vorteil bedeuten, denn die Einwahl über WLAN ist viel günstiger als die Einwahl über die Mobilfunknetze.

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