Zehnsation & Co.

Die neuen 10-Cent-Tarife: Für wen lohnt ein Wechsel?

10 Cent in alle Netze, rund um die Uhr - das klingt verlockend. Mittlerweile sind es neben E-Plus vier andere Anbieter, die einen solchen Tarif im Programm haben. Wir haben uns die 10-Cent-Tarife mal genauer angeschaut und sagen Ihnen, für welche Nutzer sich ein Wechsel lohnen würde.

E-Plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG

Am 22. Januar hat der Düsseldorfer Netzbetreiber E-Plus einen Tarif vorgestellt, den es in dieser Form tatsächlich noch nicht gegeben hat. Und zwar kann man mit dem "Zehnsation"-Tarif, den es seit Februar gibt, für zehn Cent pro Minute rund um die Uhr in alle deutschen Netze telefonieren. Eine Grundgebühr gibt es nicht, wohl aber einen Mindestumsatz von zehn Euro monatlich, der nur auf innerdeutsche Telefonate angerechnet wird. SMS kosten (recht teure) 20 Cent pro Stück.

Die Kopien folgten auf dem Fuß

In den darauf folgenden Wochen haben die Provider Victorvox, callmobile, klarmobil und simply Kopien der Zehnsation vorgestellt. Bei Victorvox (ebenfalls auf E-Plus-Netzbasis) zahlt man statt 10 Cent nur 9,9 Cent, die drei anderen bieten den Original-Minutenpreis von 10 Cent an. Der Unterschied: Bei callmobile, simply und klarmobil telefoniert man im T-Mobile-Netz. Die sonstigen Bestandteile der Zehnsation haben callmobile und simply deckungsgleich übernommen, klarmobil hingegen hat die Taktung verschlechtert (60/60). Unterschiede gibt es auch bei den Einrichtungskosten: klarmobil verlangt ab 22. Februar 25 Euro (wie E-Plus), callmobile will sechs Euro haben, simply gar nichts.

Sind diese Angebote konkurrenzlos?

Der Tarif von E-Plus und dessen "Schwesterangebote" sind derzeit in dieser Form konkurrenzlos und eine echte Neuerung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Mit zehn Cent pro Minute zahlt man nochmals deutlich weniger als bei den billigsten Discountern, die zwischen 14 und 16 Cent pro Minute verlangen. Allerdings muss man einkalkulieren, dass E-Plus einen Mindestumsatz von zehn Euro nur für Telefonie verlangt. Somit ist das Angebot also nicht für Wenigtelefonierer geeignet, die in erster Linie erreichbar sein wollen.

Wer profitiert bei einem Wechsel?

  • Wenigtelefonierer: Für Handykunden, die weniger als zehn Euro im Monat nur fürs Telefonieren innerhalb Deutschlands ausgeben, lohnen sich die 10-Cent-Tarife nicht. Diese Gruppe ist mit einer Karte vom Discounter auf jeden Fall besser bedient.
  • Normaltelefonierer: Wer die zehn Euro Mindestumsatz locker erreicht und nicht allzu viele SMS verschickt, profitiert von den neuen Angeboten. Wer regelmäßig mehr als 50 SMS im Monat versendet und recht wenig telefoniert, könnte mit einem anderen Tarif besser fahren. In solchen Fällen sollte man immer beide Angebote gegenrechnen.
  • Vieltelefonierer: Wer mehr als 25 Euro im Monat ins Festnetz und ins eigene Mobilfunknetz vertelefoniert, ist ein Kandidat für eine Handy-Flatrate (gibt es in allen vier Netzen) und nicht für Zehnsation und ihre Schwestern. Kommen noch etliche netzinterne SMS dazu, die bei vielen Handy-Flats inbegriffen sind, geht die Schere noch weiter auf. Wer allerdings häufig quer Beet telefoniert und keine Lust hat, Eigennetz- und Fremdnetzkosten auszurechnen, für den könnte sich einer der 10-Cent-Tarife wiederum lohnen.

Faustregel

Für Normaltelefonierer ist die Zehnsation eine sehr gute Alternative. Es ist aber unerlässlich, die voraussichtlich entstehenden Kosten wenigstens einmal mit einer durchschnittlichen Handyrechnung aus den letzten Monaten zu vergleichen. Da die neuen 10-Cent-Tarife sehr einfach gestrickt sind, dürfte das unproblematisch sein. Und nicht selten lohnend: Für viele Durchschnittstelefonierer, die Tarife mit festen Grundgebühren oder hohen Kosten in Fremdnetze haben, könnte ein Wechsel zu den neuen Angeboten wirklich bares Geld bedeuten.

Die Handy-Frage

Übrigens: Wir sind bei unseren Überlegungen davon ausgegangen, dass der wechselwillige Kunde kein subventioniertes Handy möchte. Wer alle zwei Jahre ein Handy vom Provider haben will, muss mehr bezahlen und eine völlig neue Rechnung aufmachen.

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