Mehrmarken-Strategie

congstar: Was die neue Telekom-Billigmarke leistet

Günstig und flexibel sollten sie sein, die neuen Tarife, "so einfach wie Fastfood". Ob das neue Billiglabel der Telekom, das äußerlich komplett ohne das "T" des Mutterkonzerns auskommt, mehr taugt als der platte Claim, hat die Redaktion gecheckt.

congstar© congstar GmbH

Im Gegensatz zur Konkurrenz von Vodafone, die sich nach wie vor gegen eine Billigkonkurrenz aus dem eigenen Hause sträubt, hat die Deutsche Telekom ihre Zurückhaltung inzwischen aufgegeben und ein eigenes Billiglabel auf den Markt gebracht. Die Konkurrenz ist sich sicher, dass die Telekom vor allem Kunden aus dem eigenen Hause ziehen wird (Kannibalisierung), beim Magenta-Konzern hingegen ist man zuversichtlich, bei den Wettbewerbern fischen zu können.

Doch abgesehen von den wirtschaftlichen Überlegungen: Ist die neue Marke für die Kunden überhaupt so attraktiv, dass diese in Scharen kommen werden? Die Redaktion hat sich das DSL- und Mobilfunkangebot von congstar mal angeschaut.

DSL-Tarife: Günstig und flexibel

Eine Flatrate mit DSL 2000 für 14,99 Euro, das ist ein echter Kampfpreis. Zum Vergleich: Bei der Telekom selbst werden für einen DSL-2000-Anschluss alleine, ohne Flatrate, schon 20,51 Euro fällig. Zusammen mit den kurzen Vertragslaufzeiten - congstar-Tarife können jeweils zum Monatsende gekündigt werden - also ein absolut empfehlenswertes Angebot, bei dem man wenig falsch machen kann. Nicht vergessen sollte man bei der Rechnung allerdings die Kosten für den Telekom-Telefonanschluss, der Voraussetzung für einen DSL-Tarif von congstar ist.

Lediglich kombinierte Flatrates aus DSL und Telefon sind bei einigen Wettbewerbern günstiger zu bekommen als bei congstar. Erst vor kurzem hatte Tele2 mit seinem entbündelten DSL-Doppelflat-Angebot für 29,95 Euro preislich eine neue Duftmarke gesetzt und sich in den Tarifübersichten ganz nach vorne geschoben. Beim Telekom-Ableger congstar ist eine VoIP-Telefonflat für 7,99 Euro Aufpreis zubuchbar, zusammen mit dem T-Home-Telefonanschluss landet man bei mehr als 39 Euro. Manche Konkurrenten haben zudem nicht nur Pauschaltarife fürs deutsche Festnetz, sondern auch für einige Auslandsziele im Programm. Doch man sollte nicht vergessen, dass einzig bei der Telekom und ihren Ablegern (also auch bei congstar) Call-by-Call möglich ist. Bei allen anderen Alternativanbietern ist die Vorwahl günstiger Nummern nicht möglich.

Mobilfunk: Starker Baukasten, lascher Minutenpreis

Anders als die DSL-Tarife sind die Mobilfunkangebote von congstar keine Preisbrecher. Der "Sprechtarif" hat einen deutschlandweiten Minutenpreis von 19 Cent, gleiches gilt für jede solche SMS. Die Taktung ist minutengenau, also für einen Handytarif sehr hoch. Diesen Tarif kann man mit Flatrates in alle fünf deutschen Netze kombinieren, ebenso wie mit SMS-Pauschalen. Es ist sowohl möglich, ein Netz auszuwählen als auch mehrere; die Kombinationsmöglichkeiten sind nicht begrenzt. Auch hier ist es möglich, den Grundtarif und jeden seiner Bausteine monatlich zu kündigen.

Die Variationen sind also so gut wie bislang nirgendwo, doch die Preise liegen teils deutlich höher als bei der Discounter-Konkurrenz, der sich die Telekom mit congstar ja stellen will. Wer eher wenig telefoniert und keine der Plauderpauschalen benötigt, ist also bei einem anderen Billiganbieter besser aufgehoben - zumal bei den meisten Discountern das kostenlose Abhören der Mailbox zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Bei congstar zahlt man dafür 19 Cent, selbst dann, wenn man eine Flatrate gebucht hat. Handys gibt es zu den Tarifen, ebenso wie bei den Discountern, nicht.

Fazit

Im DSL-Bereich ist es ein durchaus wahrscheinliches Szenario, dass sich die Telekom zunächst selbst Kunden abwirbt. Denn viele Telekom-Kunden haben noch Verträge, die schnell kündbar sind, wohingegen bei der Konkurrenz mit Ausnahme von Alice sehr viele Kunden in langfristigen Verträgen drinstecken. Wer wechselwillig ist, egal woher, findet mit congstar eine gute und günstige Alternative. Das trifft auf die Handytarife jedoch nur bedingt zu. Wer jedoch zum Vieltelefonierer neigt und sein Telefonverhalten gut einschätzen kann, kann sich aber vielleicht doch für den "Sprechtarif" und seine vielen Flatrate-Kombinationen erwärmen. Kurz: Das neue Telekom-Billiglabel ist insgesamt deutlich besser als Fastfood.

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