Abzocke

Ärgernis Handy-Payment – die neue Form des Dialers

Eine SMS, und schon ist man 300 Euro im Monat für ein zwielichtiges Abo los - das kennt man doch? Seit die Dialer-Anbieter strengen Regeln unterliegen, haben sie sich eine neue Abzocke einfallen lassen und nutzen jetzt das Handy-Payment.

Smartphone© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Eine eigentlich seriöse Bezahlmethode ist ins Zwielicht geraten: das Handy-Payment, auch M-Payment oder Mobile Payment genannt. Man zahlt damit einzelne Dienste über seine Mobilfunkrechnung, was zum Beispiel bei der Abrechnung von Parkgebühren eine absolut praktische Sache sein kann. Doch seit einiger Zeit versuchen immer mehr unseriöse Anbieter, mittels Handy-Payment überteuerte Abos unter die Leute zu bringen, und das in vielen Fällen unter Verschleierung der entstehenden Kosten.

Lange Zeit seriös gelaufen

Das Bezahlen via Handy ist prinzipiell eine legale und seriöse Abrechnungsmethode, die monate- und jahrelang ohne große Störungen angewendet wurde. Doch seit die Bundesnetzagentur im Frühsommer dieses Jahres die Vorgaben für den Einsatz von Dialer-Diensten ein weiteres Mal verschärft hat, sind viele bisherige Dialer-Anbieter umgestiegen auf das bislang nicht reglementierte Handy-Payment und haben diese Abrechnungsmethode in ein zweifelhaftes Licht gerückt.

Dialer-Anbieter reagierten schnell

So gibt es mittlerweile unzählige Seiten, die statt mit Dialern via Handy-Payment abgerechnet werden. Darunter sind viele Angebote im Bereich Hausaufgaben/Referate, Spiele, Horoskope, Kochrezepte oder auch Klingeltöne, bei denen plötzlich ein Fenster aufpoppt, in dem man um die Eingabe seiner Handynummer gebeten wird. Besonders tückisch: Meist tauchen dabei auch Formulierungen wie "kostenloser PIN-Code" auf, die suggerieren, dass für die Nutzung des Angebots keine Kosten entstehen. Tatsächlich ist jedoch nur der einmalig per SMS zugeschickte PIN-Code kostenlos – antwortet man auf diese SMS und registriert sich damit, hat man in aller Regel ein völlig überteuertes Abo am Bein.

Hier ein Beispiel der Seite vornamen.de (Screenshot vom 14. September 2005). Dieses Fensterchen (im Original etwas größer) fordert zur Eingabe der Handynummer auf, ohne in irgendeiner Form auf die entstehenden Kosten hinzuweisen:

"Schnell und sicher – Zugang per Handycode" (hier nicht abgebildet) steht oben im Fensterchen, von Geld ist nirgendwo die Rede. Bei vielen anderen Anbietern sind die Seiten ähnlich gestaltet. Wenn man nach Eingabe der Handynummer den zugeschickten PIN-Code aktiviert, ist man für das Angebot der besuchten Seite freigeschaltet und kann es nutzen. Doch wer rechnet damit, für einen solchen Service 9,98 Euro am Tag (!) bezahlen zu müssen? Und es wäre unter Garantie noch mehr, wenn sich die Mobilfunker nicht selbst Beschränkungen auferlegt hätten und eine freiwillige Höchstgrenze eingeführt hätten.

Tipps für den Schadensfall

Wenn man in die Fänge eines unseriösen Anbieters geraten ist und den Dienst nicht bezahlen will, ist der eigene Mobilfunk-Netzbetreiber denn auch erster Ansprechpartner. Man hat etwa einen Monat Zeit, die Rechnung zu prüfen und im Bedarfsfall strittige Beträge von der Bank zurückbuchen zu lassen. Zwar ist eigentlich der Webseiten-Betreiber verantwortlich, doch die Mobilfunker sind diejenigen, die kassieren. Da dies mit einem beträchtlichen Imageschaden verbunden sein kann, hat zumindest T-Mobile inzwischen reagiert und angekündigt, unseriöse Angebote nicht mehr abzurechnen.

Welche Chancen man hat, sein Geld zurückzubekommen, ist derzeit unklar. Da die Handy-Payment-Dienste noch nicht reguliert beziehungsweise reglementiert sind, existieren keine klaren gesetzlichen Vorgaben. Auf der anderen Seite haben in der Vergangenheit schon viele Verbraucher aufgrund eindeutig nachweisbarer Abzocke ihr Geld zurückbekommen. Abzocke liegt aus juristischer Sicht vor allem dann vor, wenn man für sein Geld keinen adäquaten Gegenwert bekommt. So werden etwa bei manchen der dubiosen Seiten ganz andere Inhalte abgerechnet und präsentiert als zunächst ersichtlich.

Regulierer prüft noch

Auf Nachfrage der Redaktion betonte Manfred Küster, zuständiger Sprecher der Bundesnetzagentur (ehemals Regulierungsbehörde), dass man die Entwicklung im Handy-Payment sehr aufmerksam beobachte. Eine Entscheidung, ob und wie man eingreifen werde, sei jedoch noch nicht gefallen. Die bisher eingegangenen Hinweise und Beschwerden würden derzeit noch geprüft. Mit einer Entscheidung sei in wenigen Wochen zu rechnen, so der Sprecher.

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