Grünes Licht

Zwischenlager am Atomkraftwerk Grafenrheinfeld genehmigt

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat das erste bayrischen Zwischenlager am E.ON-Kernkraftwerk Grafenrheinfeld genehmigt. Im Unterschied zu den norddeutschen Lagern weist das süddeutsche Bau-Konzept dünnere Wand- und Deckenstärken auf. Gegen die Genehmigung können Einwender innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage erheben.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat gestern der E.ON Kernkraft GmbH, Betreiberin des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld, die Genehmigung für den Betrieb eines Zwischenlagers erteilt. Am dortigen Standort sollen abgebrannte Brennelemente aus dem Kraftwerk für maximal 40 Jahre aufbewahrt werden, bevor sie in ein Endlager gebracht werden.

Das BfS hat mit dieser Genehmigung erstmals die Aufbewahrung abgebrannter Brennelemente in einem süddeutschen Zwischenlager gestattet. Im Unterschied zu den norddeutschen Lagern weist das süddeutsche Bau-Konzept dünnere Wand- und Deckenstärken auf. Das BfS hat nach den Erfahrungen des 11. September 2001 Gutachten über die Beurteilung verschiedener Schadensszenarien in Auftrag gegeben. Für das ebenfalls in die Prüfung aufgenommene Szenario eines gezielt herbeigeführten Flugzeugabsturzes kamen sie zu dem Schluss, dass auch für die süddeutschen Lager eine potenzielle Strahlenexposition deutlich unterhalb zulässiger Grenzwerte bleibt. Im Grafenrheinfelder Gebäudekonzept werden Brandlasten durch bauliche Vorkehrungen begrenzt, die einen schnellen Abfluss des möglicherweise austretenden Kerosins sichern.

Im Vorfeld hatten sich die Österreichische Regierung, die Regierungen der Bundesländer Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich sowie Einwenderinnen und Einwender aus dem Nachbarland im Rahmen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung geäußert. Das BfS ist allerdings nach umfassender Prüfung und Bewertung der Eignung des Standortes, der Konzeption des Standort-Zwischenlagers sowie der Maßnahmen gegen mögliche Schäden durch die Aufbewahrung der Kernbrennstoffe zu dem Ergebnis gekommen, dass nach dem Stand von Wissenschaft und Technik hinreichende Vorsorge getroffen und der Strahlenschutz für die Bevölkerung und das Personal gewährleistet ist. Die Genehmigung für das Standort-Zwischenlager Grafenrheinfeld wird in Kürze vor Ort und beim BfS in Salzgitter zur Einsicht ausgelegt und auf der Internetseite des BfS veröffentlicht werden. Gegen die Genehmigung können Einwender innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage erheben.

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