Schadhaftes Brennelement

Zwischenfall im Atomkraftwerk Gundremmingen

Im schwäbischen Grundremmingen steht Deutschlands größtes Atomkraftwerk. Ebendort gibt es momentan Unstimmigkeiten über einen Zwischenfall. Es geht um ein defektes Brennelement, das der Versorger in einer Pressemitteilung letzte Woche offensichtlich unerwähnt ließ.

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Gundremmingen (ddp-bay/sm) - Im größten deutschen Atomkraftwerk im schwäbischen Gundremmingen hat es einen Zwischenfall gegeben. Bei einer Routinekontrolle wurde ein schadhaftes Brennelement in einem der beiden 1300-Megawatt-Blöcke entdeckt, wie das Kernkraftwerk am Mittwoch mitteilte. Das Brennelement sei bereits gegen ein anderes ausgetauscht worden. Eine Gefährdung für die Umgebung und das Personal habe es nicht gegeben.

Schon seit Sommer habe man Veränderungen im Reaktordruckbehälter festgestellt, sagte Werkssprecher Jan Kiver der Nachrichtenagentur ddp. Ohne genaue Werte nennen zu können, versicherte Kiver, es sei bisher kein signifikanter Anstieg der Radioaktivität gemessen worden.

In einer ersten Stellungnahme sprach der Vorsitzende des Vereins "Energiewende atomkraftfreies Schwaben", Raimund Kamm, von Vertuschung und sagte, dass eine Pressemitteilung von vergangener Woche über einen geplanten Winter-check-up "als Lüge entlarvt wurde".

In einer Pressemitteilung am vergangenen Freitag hatte das Atomkraftwerk von Routinekontrollen berichtet, ohne auf das zu diesem Zeitpunkt längst bekannte Problem einzugehen. Solche Brennelementebeschädigungen kämen immer wieder vor, entgegnete Kiver. Gundremmingen sei sogar überdurchschnittlich selten von solchen Brennelementenschäden betroffen. Mit Unterwasserkameras habe man festgestellt, dass eines der erst im Frühjahr eingesetzten Brennelemente beschädigt sei. Die genaue Art der Beschädigung müsse erst noch überprüft worden. "Es sieht aber aus, als sei es aufgerissen", sagte Kiver.

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